Hose des mutmaßlichen Opfers belastet Angeklagten – Zweifel an psychiatrischem Gutachten

dzMutmaßlicher Doppel-Vergewaltiger

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppel-Vergewaltiger von Kamen und Bergkamen könnte möglicherweise noch bis zum neuen Jahr dauern. Eine Sachverständige soll wohl erneut gehört werden.

Bergkamen

, 26.10.2020, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Sachverhalte der beiden mutmaßlichen Vergewaltigungen inzwischen ziemlich eindeutig geklärt sind, beschäftigt die Richter noch eine wichtige Frage: Müsste im Falle eines Schuldspruchs gegen den 26-jährigen Angeklagten eine weitere Maßregel angeordnet werden?

Denkbar wäre zum Beispiel, die Unterbringung des jungen Mannes in der Sicherungsverwahrung zu beschließen. Immerhin ist er bereits einschlägig vorbestraft. Wegen der brutalen Vergewaltigung einer damals noch Jugendlichen hat der Angeklagte bereits im Gefängnis gesessen.

Sachverständige sieht keinen „gefährlichen Hangtäter“

Einen gefährlichen Hangtäter sieht die psychiatrische Sachverständige in dem Mann bisher jedoch nicht. Sie war in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass der 26-Jährige besser in einer sozialtherapeutischen Einrichtung aufgehoben ist. Dort könne bei entsprechender Mitarbeit und Bereitschaft die Grundlage dafür geschaffen werden, dass sich Übergriffe auf Frauen nicht wiederholen.

Das Problem ist nur: Erst nach Erstattung des Gutachtens hat sich der 26-Jährige zu der zweiten angeklagten Tat geäußert. Und auch dieser Übergriff auf eine 16-jährige Jugendliche wird von ihm abgestritten. Nach der Version des Angeklagten seien die sexuellen Handlungen am Koppelteich von beiden gewollt gewesen. Er habe jedenfalls keinerlei Druck oder gar Gewalt ausgeübt.

Angeklagter bestreitet

Die Frage ist nun, ob ein bestreitender Angeklagter in einer sozialtherapeutischen Einrichtung überhaupt einen Platz findet. Und wenn nicht, schließt sich für Staatsanwältin Alina Hildesheim zwingend eine weitere Frage an: Wäre dann nicht doch die Sicherungsverwahrung geboten, falls die Richter in ihrem Urteil zu dem Schluss kommen, dass die Einlassung des 26-Jährigen falsch und er doch ein Vergewaltiger ist?

Die Sachverständige hat zu diesen ergänzenden Fragen inzwischen eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Sehr wahrscheinlich werden die Richter aber nicht daran vorbeikommen, die Gutachterin noch einmal persönlich zu laden.

Hose begutachtet

Unterdessen haben die Richter am Montag die kurze Hose begutachtet, die die 16-Jährige am Tatabend getragen hatte. Und das Ergebnis fiel für den Angeklagten nicht sonderlich gut aus. Der 26-Jährige hatte in seiner Erklärung behauptet, die Jugendliche habe die ganze Zeit auf der Seite gelegen. Grasflecken finden sich aber im Po-Bereich – wie es die Zeugin ausgesagt hatte.

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