Hohe Geldstrafe für rabiate „Erziehungsmethode“

Gericht

Eine Gruppe Jungen, die sich schubsen, gefährden aus Versehen eine Radlerin. Ein 30-Jähriger mischt sich mit Gewalt ein – und bekommt jetzt vom Gericht die Quittung dafür.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 20.02.2020, 15:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegen einer sehr gewalttätigen Erziehungsmethode gegenüber einem ihm unbekannten Elfjährigen hat das Gericht einen Strafbefehl gegen einen 30 Jahre alten Bergkamer erlassen. Er soll 1800 Euro zahlen. (Symbolbild)

Wegen einer sehr gewalttätigen Erziehungsmethode gegenüber einem ihm unbekannten Elfjährigen hat das Gericht einen Strafbefehl gegen einen 30 Jahre alten Bergkamer erlassen. Er soll 1800 Euro zahlen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Es war eine wahrlich rabiate Art der Straßenverkehrserziehung, die ein Bergkamener am 15. Mai vergangenen Jahres auf der Hochstraße in Bergkamen an den Tag legte. Dafür musste er sich vor Gericht verantworten – eigentlich zumindest.

Laut Aktenlage hielt sich an diesem Tag eine Gruppe Jungen im Alter von elf und zwölf Jahren an der Straße auf. Sie kabbelten. Dabei stieß ein Junge einen anderen auf den Fahrradweg, den just in dem Moment eine Frau benutzte. Sie musste stark bremsen und anhalten. Da nichts passiert war, setzte sie ihre Fahrt fort, wobei ihr die Jungen etwas nachriefen.

Elfjährigen mit beiden Fäusten vor die Brust gestoßen

Der Angeklagte hatte die Szene von der gegenüberliegenden Straßenseite aus beobachtet und fühlte sich bemüßigt, den Jungen klar zu machen, dass es so nicht gehe. Er steuerte auf den zuvor auf den Radweg geschubsten Elfjährigen zu, ballte beide Hände zu Fäusten, hielt sie zusammen und stieß ihn nach Aussagen der Jungen damit gegen dessen Brustkorb.

„Er hat mich richtig auf die Straße geschubst“, gab der Junge im Gericht an. Seine Aussage war allerdings rein informatorisch und er stand dafür nicht im Zeugenstand. Der Grund: Der Angeklagte war nicht zum Prozess erschienen, und so gab es auch keine Verhandlung im eigentlichen Sinne.

Es seien mehrere Stöße gewesen, die weh getan hätten, so der Elfjährige weiter. Später sei die getroffene Stelle ganz rot gewesen, ergänzte der Vater.

30-Jähriger wegen mehrerer Gewalttaten vorbestraft

Der Richter war froh, dass die Konfrontation nicht schlimmer ausgegangen ist. Der 30 Jahre alte Angeklagte habe ein langes Vorstrafenregister, teilte er mit. Er sei schon wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Normalerweise kämen seine Opfer nicht so glimpflich davon.

„Der scheint sich da noch gebremst zu haben – zum Glück“, sagte der Vorsitzende Richter. Dann fackelte er nicht lange und erließ einen Strafbefehl wegen Körperverletzung von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro. Der Angeklagte kann die 1800 Euro zahlen, oder noch Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

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