Ist keine Kunst, sondern kann weg: Einkaufswagen vor Wohnblöcken an der Erich-Ollenhauer-Straße. © Stefan Milk
Öffentliche Sauberkeit

Herrenlose Einkaufswagen: Bürgermeister schickt die Müllabfuhr los

Dass Bergkamen zum Friedhof der herrenlosen Einkaufswagen wird, will der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen. Nun wird die Müllabfuhr tätig. In der Hoffnung, dass die Eigentümer später zahlen.

Im Februar könnte sich der Friedhof der herrenlosen Einkaufswagen in Bergkamen ein wenig lichten. Und die wilden Sperrmüllhaufen, die sich vor manchen Häusern in der City und rund um die Fritz-Husemann-Straße auftürmen, gleich mit. Die Müllabfuhr soll sie einsammeln und abtransportieren. Das kündigte Bürgermeister Bernd Schäfer auf Nachfrage an.

Einer der Schwerpunkte des Einkaufswagen-Problems sind die Wohnblöcke rund um die Erich-Ollenhauer-Straße und die Gedächtnisstraße. © Stefan Milk © Stefan Milk

Klingt nach einer sinnvollen Aktion. Aber es stellt sich natürlich auch die Frage: Wer zahlt das eigentlich? Würde der Zusatzservice des Entsorgungsbetriebs Bergkamen (EBB) eine Dauereinrichtung, ginge das auf Kosten der Müllgebührenzahler – also der Bergkamener Bürger. Das will die Stadt verhindern: „Wir planen zunächst einen Probemonat“, sagt Schäfer.

Nach einem Monat zieht die Müllabfuhr Bilanz

Das heißt: Donnerstags, wenn die Müllabfuhr die Abfallcontainer vor den großen Wohnblocks leert, achten die EBB-Leute auf den wilden Müll und die Einkaufswagen.

Vor allem im Bereich der Erich-Ollenhauer-Straße und Gedächtnisstraße sowie an der Fritz-Husemann-Straße, wo die Stadt die größten Probleme ausgemacht hat. Am nächsten Tag kommt der EBB noch einmal und sammelt Müll und Einkaufswagen ein.

Nach Ablauf des Februars soll Bilanz gezogen werden: „Wir wollen erst einmal sehen, wie viel da eigentlich zusammenkommt“, sagt der Bürgermeister. Zugleich beabsichtigt er, Kontakt zur LEG und zu anderen Wohnungsgesellschaften aufzunehmen. Mit ihnen will er klären, ob die Vermieter bereit sind zu zahlen, wenn der EBB ihre Grundstücke dauerhaft vom wilden Müll befreit.

Auch die Eigentümer der Häuser sollten ein Interesse daran haben, dass die Wagen und anderer Müll wegkommen, meint der Bürgermeister. © Stefan Milk © Stefan Milk

Das sollte eigentlich in deren Sinne sein, meint Schäfer: „Wir können bei Beschwerden viel schneller reagieren als die Wohnungsgesellschaften.“ Außerdem müssten die ein Interesse daran haben, dass ihre Mieter zufrieden sind und sie mit sauberen Grundstücken und ordentlichem Wohnen werben können.

Einkaufsmärkte könnten für den EBB-Service zahlen

Eine ähnliche Vereinbarung kann sich Schäfer auch mit den Einkaufsmärkten vorstellen. Für die bedeutet es einen wirtschaftlichen Verlust, wenn nicht zurückgebrachte Einkaufswagen in der Gegend rumstehen und womöglich verschrottet werden.

Auch an der Fritz-Husemann-Straße stehen Einkaufswagen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. © Stefan Milk © Stefan Milk

Da sollte es ihnen durchaus etwas wert sein, wenn der EBB die Wagen an der Schwerpunkt-Abstellplätzen einsammelt und zurückbringt. Da zumindest der Lidl am Nordbergcenter eine externe Firma für das Einsammeln der Wagen engagiert hat, könnte die Stadt womöglich mit den Einzelhandelsunternehmen ins Geschäft kommen.

Aber das hängt wohl auch vom Erfolg des Probemonats ab. Dass der EBB nicht sofort mit der Aktion startet, begründet Schäfer damit, dass man auf diese Weise einen Überblick über einen ganzen Kalendermonat bekomme, was die Auswertung leichter mache.

Die eigentlichen Verursacher werden nicht zur Verantwortung gezogen

Eine Schwachstelle allerdings hat der Plan, das gibt Schäfer zu: Die eigentlichen Verursacher, die die Einkaufswagen stehen lassen und den Müll am Straßenrand stapeln, werden auf diese Weise nicht zur Verantwortung gezogen.

Im Gegenteil, sie könnten sich in ihrem Tun sogar noch bestätigt fühlen, nach dem Motto: „Darum kümmert sich doch eh die Stadt.“

Steht erst ein Einkaufswagen in der Gegend rum, folgen schnell andere © Stefan Milk © Stefan Milk

Deshalb seien in dieser Angelegenheit die Bürger gefragt, meint Schäfer. Und zwar auch und gerade diejenigen, die sich normalerweise an die Regeln halten: „Man kann ja auch mal jemanden darauf ansprechen, warum er seinen Einkaufswagen nicht zurückbringt oder seinen Müll nicht ordentlich entsorgt.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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