Diplom-Ingenieurin Kojna Boykinov (l.) informiert unter anderem Bergkamener zum Thema Stromsparen und Co. Aber auch in Lünen gibt die Expertin Tipps: Wie hier an Christina Meistrell, die ihren Sohn Noah zur Beratung mitbrachte (Archivbild, das vor Corona entstanden ist). © Beate Rottgardt (Archiv
Energieberatung

Heizen und trotzdem Strom sparen: Was Familien jetzt beachten sollten

Konja Boykinov ist Mutter und weiß, wo zu Hause Kostenfallen lauern. Die Energie-Expertin gibt Bergkamenern kostenlos Tipps an die Hand, um im Lockdown nicht unnötig für Strom und Co. zu zahlen.

„Ich habe einen 15-jährigen Sohn zu Hause, der geht teilweise 10 Stunden nicht aus dem Zimmer. Da ist Lüften sehr wichtig.“ Kojna Boykinov hat in die Zimmer ihrer Kinder CO2-Ampeln gestellt, die rot aufleuchten, wenn zu wenig Sauerstoff im Raum ist. So sollen die Kinder dafür sensibilisiert werden, wie oft gelüftet werden soll.

Einerseits ist das wichtig, weil genug Sauerstoff Müdigkeit und Kopfschmerzen vorbeugt – aber auch, damit die Räume nicht zu feucht werden und die Gefahr entsteht, dass sich Schimmel bildet. Es wird empfohlen, zweimal täglich bei zugedrehter Heizung für fünf Minuten durchzulüften. Gerade jetzt, wo oft die ganze Familie zu Hause ist.

Und damit sind wir auch schon beim Spezialgebiet von Boykinov. Sie ist Energieberaterin und berät unter anderem Bergkamener. In der Energieberatung der Stadt gibt sie kostenlos Tipps an die Hand – zum Beispiel zum Thema Heizen, aber auch Komplexeres gehört dazu: Welche Dämmung ist für das Haus sinnvoll, welche Heizungssysteme gibt es?

Bergkamener rufen nur noch selten bei der Energieberaterin an

Boykinov berät Bergkamener jeden ersten Montag im Monat zwischen 13 und 17 Uhr – aktuell läuft die kostenlose Energieberatung telefonisch. Das scheinen freilich die wenigsten Bergkamener zu wissen, denn Boykinovs Telefon klingelt in dem Zeitraum kaum. Sie wartet oft vergebens.

Dabei kann Boykinov zum Beispiel Familien viel erklären und ihnen einfache Tricks mit an die Hand geben. Auch ohne teure Anschaffungen können Familien so sparen. Eine Sache ist da zum Beispiel, die Geräte stets auszuschalten. Was banal klingt, wird nämlich im Familienalltag gerne mal vergessen. Das kennt Boykinov aus eigener Erfahrung.

Nachdem Elvira Roth und Kojna Boykinov (vorne, v.l.) von der Verbraucherzentrale sowie Norman Raupach und Thomas Reichling (v.l.) von der Stadt Bergkamen die neue Energieberatung im Rathaus im vergangenen Jahr vorgestellt hatten, standen die Telefone zunächst nicht still. Aktuell melden sich aber eher wenige Bergkamener. © Stefan Milk © Stefan Milk

„Was ich immer wieder feststelle: Der Online-Unterricht ist zu Ende, der Rechner bleibt an oder liegt im Bett und zig LED-Lampen leuchten weiter.“ Nicht immer bekommen Eltern das mit, denn in diesen Zeiten sind Eltern wie Kinder auch mal froh, wenn sie einfach ihre Ruhe haben. Deshalb sei es wichtig, dass die Kinder das selbst lernen und verinnerlichen.

„Aber es betrifft auch Erwachsene“, so Boykinov. Kurz vom Laptop weggehen, um die Wäsche rauszuholen, dann im Anschluss eben das Mittagessen vorbereiten und schon sind zwei, drei Stunden um, in denen der Rechner angeblieben ist. Gerade jetzt, wo ohnehin viele den ganzen Tag zu Hause sind und mancher Stromanbieter die Preise angezogen hat, können solche vermeintlichen Kleinigkeiten etwas ausmachen.

Viele Familien müssen Stromkosten nachzahlen

Viele Familien melden sich zurzeit bei der Verbraucherzentrale, weil sie nachzahlen müssen, weiß Boykinov. „Corona spielt dabei natürlich eine große Rolle, weil alle zu Hause sind und mehr Strom verbraucht wird. Die Preise sind aber auch teilweise gestiegen“, so die Expertin.

Boykinov hat einen weiteren Tipp für jene, die Stromkosten einsparen möchten. Sie empfiehlt digitale Thermostate für die Heizung, die automatisch zu bestimmten Zeiten die Temperaturen für die Räume anpassen. Das ist praktisch, weil dann nicht unnötig geheizt wird.

Außerdem kann es mit solchen Geräten nicht passieren, dass man beim Stoßlüften vergisst, das Ventil zuzudrehen. Bei normalen Thermostaten ist das sehr wichtig, weil sie sonst ganz aufgehen, wenn kalte Luft hereinströmt. „Dadurch wird zu viel Wärme nach draußen verpulvert“, so Boykinov.

Die elektronischen Geräte hätten hingegen ein Lüftungsprogramm. Wird es kalt, gehen die Ventile automatisch zu und nach 15 Minuten wieder in Betrieb.

Keine Angst vor der Heizungsanlage

Wer sich ein solches Thermostat nicht anschaffen will oder kann, sollte wenigstens genau darauf achten, keine unnötige Wärme zu verschwenden – und sich auch mal mit der Heizungsanlage befassen, um zum Beispiel eine Nachteinsenkung einzurichten. „Viele Kunden haben Berührungsängste und trauen sich nicht, etwas zu verändern“, weiß Boykinov.

Wer aber sparen will, sollte es wagen und sich vorher einen Rat einholen. „Die Anlage sollte an die Bedürfnisse angepasst werden. Es geht nicht darum, dass man friert, aber unnötig Energie verschwenden ist nicht gut für das Portemonnaie und die Umwelt.“

Auf verbraucherzentrale-energieberatung.de/energie-sparen/homeoffice finden Familie und alle anderen, die gerade viel zu Hause sind, Tipps zum Thema Energie sparen im Homeoffice. Darunter zum Beispiel das Nutzen von Thermoskannen statt der Warmhaltefunktion von Kaffeemaschinen, Wäscheleine statt Trockner oder das Ausschalten des Routers über Nacht.

Nichts davon kostet etwas, aber in Summe lassen sich so mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Geld, das jetzt viele gebrauchen können.

Telefonische Beratung

Termine für die Energieberatung

  • Interessierte Bergkamener können das telefonische Beratungsgespräch mit Kojna Boykinov bei Norman Raupach anmelden, dem Projektmanager Klima und Umwelt der Stadt Bergkamen.
  • Raupach ist unter Tel. (02307) 965-391 oder per Mail unter [email protected] zu erreichen. Termine können außerdem über die Verbraucherzentrale gebucht werden unter Tel. (0211) 3399 5845.
Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
Zur Autorenseite
Claudia Pott
Lesen Sie jetzt