Heideschule: Stadt spart Steuergelder auf Kosten der Sicherheit

dzKommentar der Redaktion

Eine alte Schule im Wohngebiet. Weil Steuergelder gespart werden sollten, sind Mobiliar und Bücher noch drin. Eine enorme Brandlast. Gespart wird da am falschen Ende, findet unsere Autorin.

Bergkamen

, 16.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeiten, in denen alte Gebäude mit der Abrissbirne zerschlagen und der gesamte Müll abtransportiert wurde, sind vorbei. Heute sind Abrissunternehmen wahre Entsorgungsspezialisten.

So weit es geht, werden die unterschiedlichen Stoffe voneinander getrennt und sortenrein abtransportiert. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, eine abrissreife Schule nicht erst umständlich leerzuräumen, sondern den Käufer der Ruine auch mit der Entrümpelung zu beauftragen. Erst recht, wenn das Leerräumen mit Steuergeldern bezahlt werden müsste.

Doch dieses Konstrukt, für das sich die Stadtverwaltung einst entschied, funktioniert nur in einer perfekten Welt, in der alle Rädchen reibungslos ineinander greifen und nicht viel Zeit verstreicht.

Im Fall der Heideschule sind seit dem letzten Schultag im Sommer 2010 und dem noch immer nicht erfolgten Abriss aber zehn Jahre vergangen. Zehn Jahre, in denen an der Berliner Straße, unmittelbar neben Mehrfamilienhäusern, ein immer stärker zerstörtes Schulgebäude voller Brandlast zu einer immer lauter tickenden Zeitbombe wurde.

Immer wieder wurde die Schule Ziel von Vandalismus, Ziel von einbrechenden Abenteurern und nicht erst am Samstag Ziel von Brandstiftern.

Die inzwischen abgerissenen Turmarkaden waren auch so eine Immobilie. Und mit Urban Exploring gibt es inzwischen sogar einen Fachbegriff, der beschreibt, dass Ruinen und Leerstände auf verschiedenste Personengruppen eine geradezu magische Anziehungskraft ausüben. Unbekannt sind die Probleme, die lange Leerstände mit sich bringen, daher nicht.

Bei den Turmarkaden wusch die Stadtspitze ihre Hände in Unschuld. Auf den Eigentümer habe man keinen Einfluss, hörte vor allem die klagende Feuerwehr immer wieder. Dort wie bei der Heideschule begaben sich die Einsatzkräfte stets aufs Neue in Gefahr, um Schrott zu retten. Doch bei der Heideschule ist das Problem hausgemacht. Hier war die Stadt einst selbst Eigentümer – und in der moralischen Verpflichtung, alles zu tun, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen.

Sie hätte kommen sehen müssen, dass der Abriss allein schon aufgrund der zu erstellenden Nachfolgepläne Zeit kosten würde. Die Brandlast im Gebäude zu belassen und die Entsorgung auf andere zu übertragen, war daher ein unkalkulierbares Risiko. Hier wurde Verantwortung abgewälzt, unter dem Deckmantel der Steuergeldersparnis.

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Doch das ist eine Milchmädchenrechnung. Unabhängig von den Kosten der unzähligen Feuerwehreinsätze: Der Verschleiß vom Mensch und Material ist vorhanden, der Image-Verlust mit Geld nicht aufzuwiegen. Und: Sicherheit ist unbezahlbar – und vor allem an der wurde gespart.

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