Rüdiger Klos-Neumann kämpft dafür, dass Patienten der Zugang zu Cannabis-Medikamenten erleichtert wird. Außerdem glaubt er, dass vermehrter Hanf-Anbau in der Coronakrise von Vorteil wäre.

Bergkamen

, 17.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rüdiger Klos-Neumann kämpft schon lange dafür, dass kranken Menschen Cannabis-Medikamente leichter zur Verfügung gestellt und Ärzte im Kreis aufgeklärt werden. Obwohl das Gesetz „Cannabis als Medizin“ vor drei Jahren beschlossen wurde, ist es laut Klos-Neumann für viele Patienten noch immer schwer, die Kosten für die Medikamente erstattet zu bekommen.

Er selbst ist einer von ihnen. Er befinde sich noch immer im Rechtsstreit mit der Gesundheitskasse. „Seit Dezember trage ich die Kosten selbst und warte geduldig auf einen Termin zur Begutachtung“, so Klos-Neumann.

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Klos-Neumann leidet an sogenannten Cluster-Kopfschmerzen. Es ist eine Krankheit, die sehr starke Schmerzen verursacht, über die aber bisher nicht viel bekannt ist. Bisher hat nur Cannabis dem Bergkamener geholfen und seine Schmerzen gelindert. So sehr, dass er mittlerweile wieder arbeiten und Leistungssport treiben kann. Der Bergkamener plant sogar, ein eigenes Cannabis-Geschäft in Bergkamen zu eröffnen und steckt bereits mitten in den Planungen.

Bergkamener kämpft öffentlich für einen besseren Zugang zu Cannabis

Medizin darf er dort freilich nicht anbieten. Deshalb setzt er sich auf politischer Schiene dafür ein, den Zugang zu Medikamenten zu vereinfachen.

Klos-Neumann appelliert kreis- und bundesweit an Politiker. Viele zeigten Verständnis für die Notwendigkeit für Veränderungen beim Thema Cannabis als Medizin, berichtet Klos-Neumann. Die Rückmeldungen aus dem Kreis seien durchweg positiv.

Rüdiger Klos-Neumann plant ein Cannabis-Geschäft in der Bergkamener Innenstadt. Dort soll es zum Beispiel Öle geben. Aber auch E-Zigaretten – ohne Nikotin oder eine berauschende Wirkung.

Rüdiger Klos-Neumann plant ein Cannabis-Geschäft in der Bergkamener Innenstadt. Dort soll es zum Beispiel Öle geben. Aber auch E-Zigaretten – ohne Nikotin oder eine berauschende Wirkung. © Stefan Milk

Konkret wünscht der Bergkamener sich, dass mehr Cannabis angebaut werden darf, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen. Außerdem müsse es mehr Freiheiten bei der Sortenvielfalt geben, denn je nach THC- und CBD-Gehalt könne Cannabis für unterschiedliche Beschwerden eingesetzt werden. Außerdem sollten laut Klos-Neumann kleine und regionale Unternehmen gerechte Chancen bekommen, an dem Anbau partizipieren zu können.

Cannabis als Ressourcen-Quelle in der Coronakrise?

Ebenfalls ein Problem sieht der Bergkamener in dem Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen. „Sogar Patientinnen und Patienten, die vorher über eine Ausnahmeerlaubnis verfügten, bekommen jetzt zum Teil keine Kostenerstattung. Der bürokratische Aufwand für die Ärztinnen und Ärzte ist immens“, berichtet er aus eigener Erfahrung.

Klos-Neumann geht es vor allem um eine bessere Cannabis-Medizin-Versorgung und die Aufklärung für Ärzte im Kreis. Doch dem Bergkamener brennt seit der stetigen Verbreitung des Coronavirus noch etwas anderes unter den Nägeln. Der Cannabis-Experte sieht den Anbau von Hanf-Pflanzen als mögliche Hilfe im Falle einer möglicherweise bevorstehenden Verknappung der Ressourcen.

Denn aus Hanfplanzen lassen sich nicht nur Medikamente herstellen. Laut Klos-Neumann kann man daraus auch Nahrungsmittel, Bekleidung, Papier, Holz, Baustoffe, Verpackung, Biomasse für Biogasanlagen und vieles mehr überall und unbürokratisch gewinnen.

Jeder Bürger sollte Cannabis anpflanzen dürfen

Über das Anpflanzen selbst hat sich der Bergkamener auch schon Gedanken gemacht und konkrete Vorschläge: „Jedem Bürger sollte erlaubt sein, pro Person bis zu fünf THC haltige Cannabis-Pflanzen zu Hause im Garten oder der Wohnung anpflanzen zu dürfen“, sagt der Bergkamener. Nach der Ernte könnten hiesige Apotheker aus den Hanf-Blüten, -Blättern und -Wurzeln zum Beispiel Extrakte, Tropfen, Sprays, Öle, Kapseln und Cremes herstellen.

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„Damit erhalten wir eine sichere Alternative zur Behandlung von weitaus mehr als 100 unterschiedlichen Erkrankungen und chronischen Schmerzen“, so Klos-Neumann. Abgesehen davon werde sich das positiv auf das Nervenkostüm der Bürger auswirken und biete ihnen eine sinnvolle und nachhaltige Beschäftigung für daheim. Und noch einen Vorteil hätte das vielleicht: Denn aus Hanf lässt sich sicherlich auch Toilettenpapier herstellen – ein Produkt, das in der Corona-Krise Seltenheitswert erlangt hat.

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