Sie ist eine Landmarke, für viele ein Orientierungspunkt – und ein „Berg“ des Ruhrgebiets: Die Halde Großes Holz in Bergkamen bietet eine fantastische Aussicht über die Heimat.

Bergkamen

, 03.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Bergehalde Großes Holz mit der markanten Adener Höhe, die seit einigen Jahren von einer Lichtstele geziert wird, ist ein Ort, der von vielen Stellen im Kreis Unna aus gesehen werden kann.

Es lohnt aber ungemein, sich dieses künstliche Gebilde, das einst Natur zerstörte, inzwischen aber von dieser zurückerobert wurde, einmal genauer anzuschauen. Doch soviel sei vorweg gesagt: Ein Tag alleine reicht nicht, um alles zu entdecken, was die Halde zu bieten hat.

Der Blick auf die ehemalige Zeche Haus Aden in Bergkamen.

Der Blick auf die ehemalige Zeche Haus Aden. Die Berge, aus der die Halde besteht, stammt jedoch nicht allein von den einstigen Bergkamener Bergwerken. © Stefan Milk

Ein Wiederkommen lohnt sich immer

Und wer einmal da war, kommt gerne wieder. Für den unglaublichen Ausblick, für die Naherholung, für das Naturerlebnis. Selbst wer glaubt, alles bereits zu kennen und alles gesehen zu haben, dem sei gesagt: In den nächsten Jahren wird sich Vieles auf der Halde und in ihrer unmittelbaren Umgebung tun und verändern. Ein Wiederkommen lohnt daher immer wieder aufs Neue.

Karola Geiß-Netthöfel ist seit 2011 Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr.

Karola Geiß-Netthöfel ist seit 2011 Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr. © Stephanie Tatenhorst

Lichtkunst ist ein Mahnmal für die Kumpel aus aller Welt

Für Karola Geiß-Netthöfel ist die Halde so etwas wie der Hausberg. Die Lünerin ist seit 2011 Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr, dem die Halde wie inzwischen 56 weitere im Ruhrgebiet gehört. Sie schaue von ihrem Fenster auf die Halde, verrät sie, sieht das „Impulslicht“ der Kunst-Professoren Maik und Dirk Löbbert. „Das ist immer wieder schön, wirklich etwas Besonderes.“

Denn das Kunstwerk symbolisiert zum einen den immer wiederkehrenden Wechsel von Licht und Dunkelheit der Bergleute über und unter Tage, zum anderen aber auch den langen Atem des Ruhrgebiets, das niemals stagniert, sondern sich zuversichtlich weiterentwickelt.

Die beiden Künstler schufen es daher als „Ehrenmal für die Bergleute Bergkamens und ein Denkmal für alle Kumpel weltweit“. Es steht für den positiven Geist des Ruhrgebiets, neue Möglichkeiten und Formen zu finden und damit auch als „Symbol für das post-montane Zeitalter“.

Vom Gipfel gibt es einen Blick über die unmittelbare Heimat

Wer es über die verschiedenen Aufstiegswege hinauf zum Gipfel der Halde geschafft hat, der ist jedoch versucht, die dort stehende 33 Meter hohe Lichtskulptur mit den 144.000 LED-Leuchten komplett zu vergessen: Der Blick gen Dortmund, über das Ruhrgebiet bis weit über Bochum hinaus und auch der Blick ins Sauerland rauben den Atem.

Auf dem Gipfel sind die Besucher dem Himmel ganz nah – und können einen Blick über die Heimat genießen.

Auf dem Gipfel sind die Besucher dem Himmel ganz nah – und können einen Blick über die Heimat genießen. © Stefan Milk

Der Blick über Kanal und Lippewiesen hinweg auf Schloss Cappenberg fasziniert vor allem, wenn der Zug davor wie eine Spielzeugeisenbahn durch die Landschaft zieht. Und wer das Kraftwerk aus dieser Pespektive genügend bestaunt hat, kann bei gutem Wetter sogar am Horizont die berühmten Bettentürme des Klinikums Münster ausmachen, bevor ein abschließender Blick in der Runde das Bayer-Werk und die Bergkamener City von oben zeigt.

„Ich sehe da meine unmittelbare Heimat“, fasst Karola Geiß-Netthöfel zusammen, und gibt zu, wie viele andere Menschen aus der Region auch immer zu schauen, ob das eigene Zuhause von dort oben zu sehen ist.

Das weiße und das blaue Band und der Korridorpark

Doch nicht allein diese Gründe sind es, warum Karola Geiß-Netthöfel die Halde Großes Holz als ihre Lieblingshalde bezeichnet. Sie ist immer wieder davon fasziniert, dass die Halde so schön gestaltet wurde. „Das blaue Band und das weiße Band, die Fördertürme aus Licht dazwischen, das ist einfach toll“, sagt sie mit Blick auf die speziell gestalteten Schneisen mit niedrigwachsenden Pflanzen in Blau und Weiß. Umgeben wird das alles vom Wald, der sich auf der Halde wieder ansiedelt. Geiß-Netthövel nennt das „die grüne Infrastruktur“ und sagt: „Das ist ein Pfund, mit dem wir hier wuchern können.“

Das Blaue Band zieht sich vom Haldenfuß an der Waldstraße bis hinauf auf die Halde, auf der anderen Seite führt das Weiße Band wieder hinab.

Das Blaue Band zieht sich vom Haldenfuß an der Waldstraße bis hinauf auf die Halde, auf der anderen Seite führt das Weiße Band wieder hinab. © Stefan Milk

Ob der angelegte Korridorpark oder das Baum- und Gräserplateau, die unterschiedlichen Arten der Bepflanzung sind es, die die Herrin über die Halden des Ruhrgebiets in Bergkamen begeistert. „Das unterscheidet die Halden eben voneinander – jede hat ihre eigene Struktur.“ Und mit ihren rund 140 Hektar hat die Berghalde Großes Holz eine der größten Flächen im Ruhrgebiet. Und hat für die Natur eine besondere Bedeutung.

Das Baum- und Gräserfeld verlockt zu ausgedehnten Spaziergängen ohne anhaltende große Steigungen.

Das Baum- und Gräserfeld verlockt zu ausgedehnten Spaziergängen ohne anhaltende große Steigungen. © Stefan Milk

Natur hat sich den Raum zurückerobert

Auch wenn die Halden künstlich geschaffen wurden und vor allem in Bergkamen ein riesiges zusammenhängendes Waldstück dafür geopfert wurde, hat sich die Natur hier viel wieder zurückerobert.

Die Halde ist zum Vogelparadies geworden, Ornithologen bieten regelmäßig Führungen an, und die Flora und Fauna stehen hoch bei Fachleuten im Kurs. „Die Halden sind die Berge des Ruhrgebiets“, sagt Karola Geiß-Netthöfel – und jede habe ihren eigenen Charme. Und in Bergkamen finde jeder etwas, das ihm gefalle.

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Auf der Bergkamener Halde sieht sie persönlich Spaziergänger, Wanderer und klassische Radfahrer am liebsten. „Für Mountainbiker bieten wir auf anderen Halden spezielle Strecken und Wege an. Die sollten die Mountainbiker dann auch nutzen, da sie ja auch gerne über Hindernisse springen.“ Selbst gebaute Parcours in Bergkamen sieht man beim RVR vor allem wegen der Unfallgefahr nicht gerne, denn auf der Halde sollen alle Nutzer gefahrlos nebeneinander das Dasein genießen können. „Wandern und schnelles Radfahren, das kollidiert aber leider.“ Unfälle von Mountainbikern auf der Halde zeugen immer mal wieder davon – aber zumindest wurde inzwischen ein Notrufsystem installiert, bei dem standardisierte Rettungspunkte eine genaue Beschreibung des Unfallortes ermöglichen, was Rettungskräften eine aufwändige Suche erspart.

Etwas Schönes aus einem Relikt der alten Zeit

Die Halden sind ein Relikt des Steinkohlebergbaus, und aus der einstigen Not, nicht zu wissen, wohin mit dem geförderten Gestein (Berge), entstanden die Halden. „Es erinnert an die alte Zeit“, sagt Karola Geiß-Netthöfel, „aber es ist auch schön, was daraus entstanden ist.“

Endgestaltung noch nicht erreicht

Und in Bergkamen ist man mit dem Prozess noch lange nicht fertig. Im Zuge der Internationalen Gartenschau, die 2027 kommen wird, so ist die RVR-Halden-Chefin überzeugt, wird auch noch das Kanalband gestaltet, das derzeit noch für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Eine Naturarena für Großveranstaltungen ist bereits im Bau, ein Ideenwettbewerb für die Gestaltung der Restfläche gestartet.

Gastronomie bleibt ein Wunsch

Wenn Karola Geiß-Netthövel und mit ihr sicher viele andere Haldenbesucher einen Wunsch frei hätten, dann beträfe der eine Gastronomie auf der Halde. „Und wenn es nur ein Kiosk ist“, sagt die RVR-Regionaldirektorin. Doch den Leuten müsste man eigentlich mehr bieten, vor allem den jungen.

Anreise

Viele Wege führen zur, auf, über und um die Halde

  • Die Anreise zur Berghalde Großes Holz erfolgt am einfachsten, indem man sich stets in Richtung Bergkamener Stadtmitte orientiert – oder die Halde durch den Ortsteil Oberaden anfährt.
  • Es gibt einen Parkplatz an der Erich-Ollenhauer-Straße, einen zweiten am Ende der Waldstraße.
  • Der Aufstieg von der Erich-Ollenhauer-Straße aus ist durchaus steil, an der Waldstraße führt ein Zick-Zack-Weg gemächlicher hinauf.
  • Diverse Wege führen auf und über, aber auch zum Teil um den Haldenfuß herum.
  • Ein Abstecher zum nahegelegenen Beversee mit Aussichtsplattform ist möglich.
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