Gymnasiasten hinterfragen mit Theater-Stück die Konsumgesellschaft

dzTheater-AG

Tom und Michaela wollen ein Kind, ein Obdachloser braucht eine Hose. Das Stück „Hose Fahrrad Frau“ der Theater-AG des Gymnasiums, stellt die Frage nach Besitzansprüchen und Konsum.

von Niklas Mallitzky

Bergkamen

, 12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ihre Wohnung hat Janne (Elif Bicak) hergegeben, getauscht mit der von Tom (Matti Semrau). Die Bitte ihrer Freundin Michaela (Vanessa Rose) bringt allerdings auch die sonst so toughe, junge Frau an ihre Grenzen. Vanessa und ihr Freund Alf (Mikail Delice) wollen ein Kind haben, doch Michaelas Körper versagt ihr diesen Dienst. Janne soll nun als Leihmutter dienen. Sie seien ja beste Freunde, meint Michaela.

Ein vielschichtiges Bühnenstück

Mit „Hose Fahrrad Frau“, haben sich die Schüler der Theater-AG des Städtischen Gymnasiums ein vielschichtiges Bühnenstück zur Brust genommen. Rund 50 Besucher wohnen dem Schauspiel am Donnerstagabend bei, das unbequeme Fragen stellt und die Konsumgesellschaft mit Spitzen und manchmal auch scharfen Tönen aufs Korn nimmt. Regie führte Johanne Penzek, Studentin der Theaterwissenschaft. Im vergangenen Jahr hätte die AG ein komödiantisches Stück aufgeführt, sagt die 23-Jährige „In diesem Jahr hatten die Schüler sich etwas inhaltlich anspruchsvolleres gewünscht, das aber trotzdem einen gewissen Humor hat.“

Das Stück besteht aus Episoden

„Hose Fahrrad Frau“, von Stephan Wipplinger wird diesen Ansprüchen gerecht. Die Bedeutung wird dem Zuschauer nicht auf die Nase gebunden, sondern nur episodenweise vorgesetzt. In einer dieser Episoden sucht ein junger Mann aus dem Ausland (Mohammed Rifai), vom Autor nur als „Bruder“ betitelt, gemeinsam mit einem Freund (Hannah Faerber) seine Schwester (Leann Rohde). Vor Jahren machte sie sich aus der alten Heimat auf, um in Deutschland Arbeit zu finden und eine Familie zu gründen. Nun quasi im Besitz und unter der Fuchtel ihres Mannes (Sinem Aladag), lebt sie behütet aber unglücklich. In der Bahnhofsmission treffen die beiden nur flüchtig aufeinander, ohne dabei in Kontakt zu treten.

Applaus für die anspruchsvolle Darbietung

Dort wechselt auch eine alte Hose von Alf den Besitzer. Doch der neue Besitzer braucht diese Hose eigentlich gar nicht, dafür aber einen Schlafplatz. Der Autor nennt ihn „Penner“ (Benedikt Czeranka). Tatsächlich sei er nur mittellos, verrät der Mann, der eine Wohnung hat, aber eine Hose braucht. Von allem unnötigen Besitz habe er sich getrennt, so machen die zwei Männer einen Tauschhandel. Der Penner stellt die tradierten Normen von Besitz und Reichtum in Frage und fordert auch die übrigen Charaktere heraus, ihre Einstellungen zu überdenken.

Für ihre anspruchsvolle Darbietung ernten die Schüler völlig zu Recht tosenden Applaus.

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