Der Stadtrat soll im nächsten Jahr entscheiden, ob das Bergkamener Rathaus komplett abgerissen und neu gebaut oder saniert und erweitert wird. Vorher schaltet die Stadt noch einen Gutachter ein.

Bergkamen

, 22.08.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Handlungsbedarf am Bergkamener Rathaus ist unbestritten: Wenn es darum geht, welches städtische Gebäude am meisten Energie unnütz verbraucht ist der Mitte der 70er-Jahre fertiggestellte Bau immer ganz vorn. Hinzu kommt, dass das Arbeiten auch für die Beschäftigten oft nicht gerade angenehmen ist: Im Winter zieht die Kälte in die Büros, im Sommer wird es oft unerträglich heiß. Das ist eine Folge davon, dass Energie sparen und eine gute Dämmung kein Thema waren, als das Rathaus geplant wurde.

Gutachter soll bei Entscheidung über Schicksal des Rathauses helfen

Der eigentlich sehr große Baukörper reicht nicht mehr aus und muss auf jeden Fall erweitert werden. © Stefan Milk

Zuschnitt der Büros passt nicht mehr

Hinzu kommt, dass die Zuschnitte der Büros nicht gerade modern sind. Fast überall ist viel Platz für Aktenschränke vorgesehen, die im Zuge der Digitalisierung aber voraussichtlich überflüssig werden. Was bisher viele Raummeter füllte, lässt sich problemlos auf Datenträgern speichern, die kaum Platz wegnehmen.

Dafür fehlt der Raum an anderer Stelle, wie Bürgermeister Roland Schäfer deutlich macht. Im Jugend- und Sozialamt beispielsweise hat der Bedarf an Besprechungs- und Beratungsräumen deutlich zugenommen. Sie sollten schon unter Datenschutz-Gesichtspunkten Vertraulichkeit garantieren – was sich bisher oft nur schwer realisieren lässt.

Kein Wunder also, dass die Spitze der Stadtverwaltung eine große bauliche Veränderung am Rathaus im Laufe der nächsten Jahre für unerlässlich hält. Schäfer hatte in den vergangenen Monaten auch mehrfach die Idee aufgebracht, das Rathaus gleich komplett abzureißen und größer, nach modernen Erfordernissen gestaltet gleich nebenan neu zu bauen – zumal sich der Zuschnitt der Räume nur schwer ändern lässt.

Gutachter soll bei Entscheidung über Schicksal des Rathauses helfen

In Richtung des ehemaligen Friedhofs, links vom Rathaus, wäre genug Platz für einen Neubau. © Stefan Milk

Gutachter soll Entscheidung vorbereiten

Den Vorschlag, das Rathaus gleich abzureißen oder doch lieber komplett zu sanieren, um- und anzubauen traut sich die Stadtverwaltung aber nicht allein zu. „Dazu ist der Sachverhalt viel zu kompliziert“, sagt Schäfer. Er schlägt deshalb vor, einen Gutachter einzuschalten, der das Für und Wieder abwägt und einen Vorschlag macht.

Schäfer will dem Stadtrat wahrscheinlich schon in der ersten Sitzung nach der Sommerpause vorschlagen, das Gutachten auszuschreiben. Der Bürgermeister hofft, dass das Gutachten im Laufe des nächsten Jahres vorliegt und der Stadtrat noch 2020 einen Grundsatzbeschluss fasst, ob es zum Abriss und Neubau oder zu Sanierung und Anbau kommt.

In dem Gutachten dürfte es vor allem um die Kosten, aber auch um die Möglichkeit gehen, das alte Rathaus überhaupt modernen Anforderungen anzupassen.

Gutachter soll bei Entscheidung über Schicksal des Rathauses helfen

Im Inneren zeigt sich, dass das etwa 45 Jahre alte Gebäude in die Jahre gekommen ist und diverse Schäden aufweist. © Marcel Drawe

Sanierung ist nicht unbedingt kostengünstiger

Die Sanierung und der Anbau sind nicht unbedingt die kostengünstigste Lösung. Um das Rathaus zu sanieren, müsste es komplett leer gezogen werden. In den Wänden ist wie in vielen Gebäuden aus den 70er-Jahren Asbest verbaut. Wenn dieser bei direktem Kontakt als krebserregend eingestufte Stoff entfernt wird, muss dass unter großen Auflagen geschehen – und es dürfen keine städtischen Bediensteten direkt nebenan arbeiten.

Die Stadt müsste für die Zeit der Sanierung und des Umbaus Bürocontainer mieten, die sich stapeln lassen – bis zu drei Etagen übereinander, vermutet der Bürgermeister. Die Stadt müsste nicht nur die Miete dafür aufbringen. Sie müsste auch erst einmal einen geeigneten Standort dafür finden. Er müsste groß genug sein und sich vor allem in Bergkamen befinden. Schäfer rechnet damit, dass Sanierung und Umbau etwa zweieinhalb Jahre dauern. In dieser Zeit müsste sich die Stadt mit dem Provisorium behelfen.

Gutachter soll bei Entscheidung über Schicksal des Rathauses helfen

Bei einer Sanierung müssten alle rund 250 Beschäftigten, die im Rathaus arbeiten, an anderer Stelle in Bergkamen untergebracht werden. © Stefan Milk

Noch kein Platz für Bürocontainer

Als das Kreishaus in Unna vor einigen Jahren saniert und umgebaut wurde, zog die Kreisverwaltung nach Holzwickede in Gebäude am Dortmunder Flughafen – nicht mehr in der Kreisstadt, aber immerhin noch im Kreisgebiet. Eine ähnliche Lösung in Bergkamen ist nicht denkbar. Schäfer kann sich allenfalls vorstellen, die Bürocontainer auf dem Gelände von Grimberg 3/4 aufzustellen. Sonst müsse die Stadt wohl irgendwo auf die Grüne Wiese.

Bei einem Neubau könnte das neue Rathaus auf dem Gelände zwischen dem jetzigen Gebäude und dem ehemaligen Friedhof Bergkamen-Mitte neu gebaut werden, während die Arbeit im alten Rathaus weitergeht. Nach dem Umzug ins neue Gebäude könnte das alte abgerissen werden. Den Platz könnte die Stadt dann für weitere zentrale Einrichtungen nutzen, zum Beispiel für ein Kulturforum.

Die Stadt möchte bei dieser Gelegenheit sowohl das Rathaus als auch den Ratstrakt, der auf jeden Fall stehen bleiben soll, barrierefrei machen.

Schäfer rät dazu, den Grundsatzbeschluss zügig zu fassen. „Das Rathaus ist eine absolute Energieschleuder, wir sollten die Sanierung nicht auf die lange Bank schieben“, sagte er.

Der Bürgermeister selbst wird übrigens weder in den Genuss eines Arbeitsplatzes im sanierten oder im neuen Rathaus kommen: Er hat angekündigt im kommenden Jahr nicht mehr für sein Amt zu kandidieren und in Rente zu gehen.

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