Grubenwasseranstieg: Die Toten von 1946 können im Konzept der RAG keine Rolle spielen

dzGrimberg 3/4

Ein ehemaliger Bergmann sorgt sich um die Totenruhe der Grubenopfer von 1946, wenn die RAG das Grubenwasser ansteigen lässt. Die RAG räumt ein, dass sie das nicht berücksichtigt, sieht aber auch kein Problem.

Bergkamen

, 06.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein ehemaliger Bergmann, der auf der Zeche Haus Aden gearbeitet hat, wundert sich, dass das Grubenunglück von 1946 offenbar bei der Diskussion um den Grubenwasseranstieg keine Rolle spielt. Bei der Explosion in 930 Metern Tiefe auf der Zeche in Weddinghofen waren am 20. Februar 1946 insgesamt 405 Menschen ums Leben gekommen. Nur 64 Bergleute wurden über den Schacht Grillo 3, gerettet, der sich an der Weddinghofer Straße befand.

Die Explosion unter Tage war so stark, dass es sogar zu Zerstörungen an den Tagesanlagen der Zeche kam. Zwei Beschäftigte kamen auch über Tage ums Leben

Die Explosion unter Tage war so stark, dass es sogar zu Zerstörungen an den Tagesanlagen der Zeche kam. Zwei Beschäftigte kamen auch über Tage ums Leben © Archiv

Gruben wurden schon 1946 geflutet

Der größte Teil der Opfer des größten Unglücks im deutschen Bergbau konnte damals nicht geborgen werden. Die Leichen der meisten verunglückten Bergleute blieben unter Tage, weil sie nicht geborgen werden konnten. In seiner Zeit auf Haus Aden sei die Zeche einmal in die Nähe des damals betroffenen Abbaubereichs gekommen, erinnert er sich. „Damals gab es sofort die Anweisung, den Abbau an dieser Stelle sofort einzustellen“, sagt er. In jedem Jahr gibt es am Jahrestag des Unglücks auch noch immer eine Trauerfeier am Ehrenmal auf dem Südfriedhof in Weddinghofen.

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Chistof Beike, der Sprecher der RAG, verweist auf die Berichte von 1946. Damals waren die letzten acht lebenden Bergleute drei Tage nach dem Unglück, am 23. Februar 1946, lebend geborgen worden. Die Grube wurde danach verschlossen und geflutet, um die Brände zu löschen, die unter Tage weiter schwelten. Der Schacht wurde verschlossen.

Wege der Brände und weil die Übertageanlagen zerstörte waren, war an eine Bergung der toten Bergleute nicht zu denken. Erst im Sommer 1952 wurde der Schacht Grimberg 3 erneut abgeteuft und einige Zeit später nahm die Zeche die Förderung wieder auf.

Beike weist auch darauf hin, dass noch in den 50er und 60er Jahren Opfer unter Tage gefunden und ebenfalls unter dem 1952 errichteten Ehrenmal beigesetzt wurden.

Das historisches Foto von 1946 zeigt wartende Bergleute nach dem Unglück vor der Zeche.

Das historisches Foto von 1946 zeigt wartende Bergleute nach dem Unglück vor der Zeche. © Archiv

Bereich lässt sich nicht isolieren

„Insgesamt berücksichtigt unser Konzept solche Einzelfälle nicht“, teilt der Rag-Sprecher mit. Das sei auch technisch nicht möglich. Das Grubenwasser soll großflächig ansteigen. „Einzelne Bereiche lassen sich nicht isolieren“, teilt er mit. Außerdem seien die Gruben schon unmittelbar nach dem Unglück geflutet worden, um alle Brände unter Tage zu löschen.

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Die Zeche Grimberg 3/4, die zum Schluss im Verbund mit Haus Aden betrieben beziehungsweise zum Verbundbergwerk Haus Aden/Monopol gehörte, wurde in der ersten Hälfte der 90er Jahre stillgelegt. Die Fördertürme wurden 1996 abgerissen, die restlichen Tagesanlagen 2003.

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