Mutmaßlicher Brandstifter soll seine Partnerin entführt und bedroht haben: „Ich finde Dich überall“

dzLandgericht Dortmund

Mehr als drei Jahre nach einem verheerenden Großfeuer in Rünthe steht ein 57-jähriger Bergkamener seit Dienstag in Dortmund vor Gericht. In dem Prozess geht es aber nicht nur um Brandstiftung.

Rünthe

, 11.02.2020, 14:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Teilgeständnis hat am Dienstag vor dem Dortmunder Landgericht ein Prozess gegen einen Stuckateur (57) aus Bergkamen begonnen. Der Angeklagte räumte zum Auftakt über seinen Verteidiger Hans Reinhardt sofort ein, vor mehr als drei Jahren aus purer Verzweiflung ein ihm zur Hälfte gehörendes Einfamilienhaus an der Straße „Zum Füllort“ angezündet zu haben.

„Der Angeklagte befand sich damals emotional auf dem Tiefpunkt seines Lebens“, erklärte Rechtsanwalt Reinhardt. Zum zweiten Teil der Anklageschrift – einem mutmaßlich erpresserischen Menschenraub – wollte sich der 57-Jährige vorerst noch nicht äußern. Fest steht: Allein mit Blick auf diese schweren Vorwürfe sitzt der Rünther seit sechs Monaten in Untersuchungs-Haft. Nach dem Feuer im Jahr 2016 wurde er nicht in Haft genommen.

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„Als hochbegabter Kirchenrestaurator sah er alles vernichtet“

Es war der 28. Oktober 2016, als der Angeklagte sein Wohnhaus an der Straße „Zum Füllort“ in Schutt und Asche gelegt hatte. „Nach zwei Psychiatrieaufenthalten mit Selbstmordgedanken war dem Angeklagten damals dann auch noch die Mitteilung einer Zwangsversteigerung ins Haus geflattert. Als hochbegabter Kirchenrestaurator sah er alles vernichtet, hat sich betrunken, in seinem Haus einen Scheiterhaufen errichtet und angezündet“, so Verteidiger Hans Reinhardt. Mit einem Dachdeckerbrenner, so die Anklageschrift, soll der 57-Jährige aufgestapelte Möbel angezündet haben.

Mutmaßlicher Brandstifter soll seine Partnerin entführt und bedroht haben: „Ich finde Dich überall“

Das Haus in Rünthe, das der Angeklagte in Brand gesteckt haben soll, brannte lichterloh. Die Feuerwehr konnte es nicht mehr retten. © Feuerwehr (Archiv)

Zuvor will der 57-Jährige vor dem Grundstück sogar noch extra ein Warnschild aufgestellt haben. Als das Haus schließlich lichterloh brannte, sei der Angeklagte zur Polizei gefahren und habe seine Verzweiflungstat dort sofort zugegeben, so Verteidiger Hans Reinhardt.

„Ich finde Dich überall“

Der zweite Anklagevorwurf gegen den Stuckateur skizziert ein unheimliches Beziehungsdrama. Am 10. August 2019 soll der 57-Jährige seine Partnerin erst auf dem Balkon seiner Wohnung in Oberaden ausgesperrt haben. Dann soll er die Frau mit dem Tod bedroht und schließlich dazu gezwungen haben, mit ihm in ihrem Pkw (Kia Sportage) zu einer Sparkassenfiliale zu fahren, um dort Geld vom Konto abheben zu könne.

Nachdem er laut Anklage gemeinsam mit seiner „Geisel“ am Geldautomaten gestanden und die Frau dort 500 Euro von ihrem Konto abgehoben hat, soll der 57-Jährige mit ihr im Pkw weiter in Richtung Zeche Waltrop gefahren sein. Auf einem Parkplatz soll er der Frau das Geld abgenommen und ihr massiv gedroht haben.

„Wenn Du die Polizei einschaltest, bist Du tot. Du wirst dann Dein Leben lang in Angst leben“, soll der Angeklagte unter anderem gedroht haben. Außerdem: „Ich finde Dich überall.“ Laut Anklage ist der Pkw im Wert von 44.000 Euro bis heute nicht aufgefunden worden.

Mutmaßlicher Brandstifter soll seine Partnerin entführt und bedroht haben: „Ich finde Dich überall“

Die Feuerwehr sorgte dafür, dass das Feuer nicht auf die Nachbarhäuser übergriff. © Michael Neumann (Archiv)

Gericht prüft auch eine Psychiatrie-Einweisung

Zu dem zweiten Anklageteil (Freiheitsberaubung, erpresserischer Menschenraub, Raub, Körperverletzung, Nötigung) will sich der 57-Jährige erst an einem der nächsten Prozesstage erklären. Die 32. Strafkammer wird im Prozess auch prüfen, ob der Angeklagte möglicherweise als psychisch kranker Wiederholungstäter als Gefahr für die Allgemeinheit einzustufen ist. Dann könnte eine zeitlich unbefristete Zwangseinweisung in die geschlossene Psychiatrie drohen.

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