Greta Thunberg kommt in die Bergkamener Waschtrommel

dzLichtkunst-Abstimmung

„No agreement today, no agreement tomorrow“ heißt das auch „Waschtrommel“ genannte Lichtkunstwerk im Rathaus-Kreisel. Bei der Abstimmung zum Bilderwechsel wird es diesem Namen nicht gerecht.

Bergkamen

, 19.11.2019, 20:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende waren sich die Lichtkunstfreunde absolut einig. Ohne Gegenstimme und Enthaltung entschieden sie am Dienstagabend, dass ein Foto der jungen Klimaaktivistin Greta Thunberg in das Lichtkunstwerk kommt, das sich im Kreisverkehr am Rathaus dreht.

Greta Thunberg kommt in die Bergkamener Waschtrommel

Das Kunstwerk steht seit 2004 im Rathaus-Kreisel. © Stefan Milk

Im Volksmund wird es auch „Waschtrommel“ genannt. Seinem eigentlichen Namen wird es in Anbetracht des einstimmigen Entscheids nicht ganz gerecht. „No agreement today, no agreement tomorrow“ hat der Künstler Andreas M. Kaufmann seine Medienskulptur genannt. Nach einem Lied des nigerianischen Musikers Fela Kuti (1938 bis 1997).

„Keine Übereinstimmung heute, keine Übereinstimmung morgen“

Auf Deutsch bedeutet dieser Titel „Keine Übereinstimmung heute, keine Übereinstimmung morgen“. Wobei bei der Veranstaltung zum Bilderwechsel in den Räumen der alevitischen Gemeinde durchaus kontrovers diskutiert wurde.

Greta Thunberg kommt in die Bergkamener Waschtrommel

Die Teilnehmer der Diskussion waren der Meinung, dass Greta Thunberg die mediale Berichterstattung in diesem Jahr dominiert hat. © dpa

Zum Beispiel über die Frage, ob nicht doch US-Präsident Donald Trump in die Trommel gehört. Schließlich folgt die Auswahl nach Kaufmanns Konzept nicht etwa moralischen oder politischen Kriterien. Vielmehr soll jedes Jahr ein Foto jener Person in die Skulptur kommen, die die mediale Berichterstattung am meisten dominiert hat.

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Kaufmann hat sein Kunstwerk mit 24 Bildern 2004 aufgestellt. Seitdem ist für jedes Jahr ein neues Porträt in die Trommel aufgenommen worden. 2028 werden alle ursprünglichen Bilder ausgetauscht sein. Auf diese Weise spiegele seine Arbeit auch die Geschichte dieser 24 Jahre wider, erläuterte Kaufmann sein Konzept.

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Ein Diktator und ein Terrorist

Unter diesem Aspekt wäre auch Trump ein geeigneter Kandidat gewesen. Zumal schon Bilder des irakischen Diktators Saddam Hussein und des Terroristen Osama Bin-Laden im Kreisverkehr zu sehen waren. Aber die Sympathien der Teilnehmer des Treffens bei den Aleviten lagen eindeutig bei Greta.

Lichtkunstwerk

Austausch erst im nächsten Jahr

Bis die Bilder in dem Lichtkunstwerk „No agreement today, no agreement tomorrow“ tatsächlich ausgetauscht werden, dauert es noch eine Weile. Zunächst muss Andreas M. Kaufmann ein geeignetes Bild von Greta Thunberg heraussuchen. Dann muss eine Spezialanfertigung für die Trommel hergestellt werden. Die städtische Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel rechnet damit, dass der Bilderwechsel erst im nächsten Jahr vollzogen wird.

So verweigerten sie Trump ebenso jede Stimme wie den anderen Vorschlägen: Boris Johnson, Mark Zuckerberg und Uli Hoeneß. Ebenfalls einstimmig fiel die Entscheidung, das Bild von Michael Jackson aus der Trommel zu entfernen. Dass Bergkamener über den Bilderwechsel entscheiden, gehört zu Kaufmanns Konzept.

Auf die Idee kam er, als er beim Aufbau der Skulptur angefeindet wurde. „Damals lag die Arbeitslosigkeit in Bergkamen bei 20 Prozent“, erinnert er sich.

Aber sein Ziel sei es, das Kulturelle und das Soziale nicht als Gegensätze, sondern als Einheit zu betrachten: „Die Kunst im Öffentlichen Raum muss die Menschen einbeziehen, die dort leben.“

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