Gratis-Benzin an der Tankstelle löst Verkehrschaos auf der Werner Straße aus

dzVerkehrschaos in Bergkamen

Wenn es das Benzin kostenlos gibt, gibt es bei vielen Autofahrern kein Halten mehr. Die Jet-Tankstelle an der Werner Straße löste mit einer Werbe-Aktion ein Verkehrschaos aus. Kinder gerieten in Gefahr.

Bergkamen

, 21.09.2020, 14:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem sich das Verkehrschaos auf der Werner Straße gelegt hat, bekommt Jet-Tankstellen-Pächter Thomas Kiefer einen Maulkorb. Der Chef dürfe nichts mehr sagen, meint die Mitarbeiterin an der Kasse und verweist auf die Jet-Pressestelle in Hamburg. Die Tankstelle an der Werner Straße war am Montagmittag das Epizentrum eines Verkehrszusammenbruchs.

Jet und Kiefer hatten damit geworben, dass zwischen 13 und 14 Uhr jeder Autofahrer 20 Liter Benzin umsonst bekommt. Nach 40 Minuten ist die Aktion aber schon wieder vorbei: Der Andrang ist so riesig, dass der Verkehr auf der Werner Straße vollständig zum Erliegen kommt. Die Polizei und das städtische Ordnungsamt rücken aus, schließen die Tankstelle vorübergehend und regeln das Chaos einigermaßen.

Die Anwohner sorgen sich um ihre Kinder

Eine der Anliegerinnen der Werner Straße, die die Behörden alarmieren, ist Larissa Bramey. Nicht etwa, weil ihre Familie die Avia-Tankstelle betreibt, die fast direkt neben der Jet-Tankstelle liegt. „Wir leben ganz gut miteinander“, sagt sie. Von der Gratis-Aktion wusste sie nichts, sie missgönnt der Konkurrenz auch nicht die Kundschaft. Aber irgendwann wird ihr das Chaos dann doch zu groß: „Meine Tochter wäre fast von einem Auto angefahren worden“, sagt sie.

Katrin Steinhofer erlebte das Verkehrschaos hautnah mit. Sie arbeitet im "Fressnapf" direkt neben der Jet-Tankstelle.

Katrin Steinhofer erlebte das Verkehrschaos hautnah mit. Sie arbeitet im "Fressnapf" direkt neben der Jet-Tankstelle. © Johannes Brüne

Larissa Bramey ist nicht die einzige, die Angst um ihre Kinder hat. Auch Kathrin Steinhofer denkt mit Sorge an ihre Töchter. Die eine geht auf das Kamener Gymnasium, die andere auf die Overberge Grundschule. Steinhofer arbeitet in der Tierfutterhandlung „Fressnapf“, die direkt neben der Jet-Tankstelle liegt.

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Das Chaos vor der Tür registriert Steinhofer schnell. Aber auf der Werner Straße stockt der Verkehr ja öfter. Wie schlimm es diesmal ist, merkt sie, als ihre Mutter sich meldet und berichtet, dass sie das Enkelkind nicht vom Kamener Gymnasium abholen kann.

Nachdem die Polizei die Aktion beendete und die Tankstelle vorübergehend schloss, löste sich das Chaos relativ schnell auf.

Nachdem die Polizei die Aktion beendete und die Tankstelle vorübergehend schloss, löste sich das Chaos relativ schnell auf. © Stefan Milk

Die jüngere Tochter macht sich derweil zu Fuß auf den Weg von der Grundschule – denn in Richtung Kamer Heide ist längst auch kein Durchkommen mehr.

Irgendwie schlagen sich die Kinder durch, irgendwann sind sie mit ihrer Mutter und der Oma wieder vereint. „Wir haben dann erst einmal im Fressnapf ausgeharrt“, berichtet Steinhofer. Kunden muss sie ja nicht bedienen: Die haben keine Chance, zu dem Parkplatz des Geschäftes vorzudringen.

Die Autofahrer kommen aus weiter entfernten Städten

Offensichtlich hatte in der Jet-Zentrale niemand wirklich einkalkuliert, welche Verlockung der Gratis-Sprit darstellt. Nicht nur Autofahrer aus Bergkamen und dem Kreis Unna blockieren die Straße. Die Polizei sichtet auch Wagen aus weiter entfernten Städten wie Castrop-Rauxel oder Münster.

Wenn der Sprit nichts kostet, lockt das auch Autofahrer an, die dafür weite Weg fahren.

Wenn der Sprit nichts kostet, lockt das auch Autofahrer an, die dafür weite Weg fahren. © Stefan Milk

Vielleicht hatte die Werbe-Abteilung auch nicht bedacht, dass eine Tankstelle an einer viel befahrenen Bundesstraße kein so richtig guter Ort für so eine Aktion ist. Dabei hatte die Jet-Zentrale zuvor „eine Einschätzung des Aktionsablaufes an der Jet-Tankstelle in Bergkamen“ vorgenommen, wie Pressereferent Niels Wick auf Anfrage mitteilt.

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Gratis-Sprit gab es seinen Angaben zufolge am Montag-Mittag auch in Adendorf (Niedersachsen), Monschau (Eifel), Pfullendorf (Baden-Württemberg) und Straubing (Bayern). Dort sei aber alles problemlos verlaufen.

Warum die Aktion in Bergkamen so aus dem Ruder lief, weiß Wieck nicht. Immerhin entschuldigt er sich bei den Bergkamenern für das Chaos und bedankt sich bei den Behörden für ihre Hilfe: „Wir werden jetzt die näheren Umstände genau untersuchen und entsprechende Vorkehrungen treffen, dass sich ein solcher Fall möglichst nicht wiederholt.“

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