Glaubensgemeinschaften blicken über ihren Tellerrand

dzReligionen

Die Hochzeit und die damit verbundenden Zeremonien und Rituale spielen in allen Religionen eine zentrale Rolle. Auf die wirft jetzt der interreligiöse Gesprächskreis einen genaueren Blick.

Bergkamen

, 07.10.2018, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir planen für 2019 einen Aktionstag zum Thema Hochzeit“, sagt Holger Nowakowski aus der Martin-Luther-Kirchen-Gemeinde, der Sprecher des Arbeitskreises. Vorbild ist eine Veranstaltung aus dem Jahr 2015. Damals lud der Gesprächskreis zu einem kulturellen Abend ein, bei dem die verschiedenen Glaubensgemeinschaften sich gegenseitig vorstellten. Ähnliches ist nun zum Thema Hochzeit geplant. Details wollen die Mitglieder des Arbeitskreises bei ihrem nächsten Treffen am Montag, 9. Oktober, besprechen.

Somit haben sie sich auch von einer Enttäuschung erholt, die sie vor den Sommerferien erlebt hatten. Damals musste der Arbeitskreis die eigentlich geplante interreligiöse Stadtrundfahrt zur Bergkamener Bergbaugeschichte absagen – wegen zu weniger Anmeldungen.

Dabei waren die ersten beiden interreligiösen Stadtrundfahrten auf großes Interesse gestoßen. Die erste Tour zu den verschiedenen Glaubensorten im Januar 2013 war vom städtischen Integrationsbüro organisiert worden. Ein ihrer nachhaltigen Folgen war die Gründung des interreligiösen Arbeitskreises. Dem gehören die beiden evangelischen Kirchengemeinden, der katholische Pastoralverbund und die muslimischen Ditib-Gemeinden aus Bergkamen-Mitte, Oberaden und Rünthe sowie die ebenfalls muslimische Vereinigung Mili Görüs an. Bei der zweiten interreligiösen Stadtrundfahrt im März 2014 war auch die Neuapostolische Gemeinde dabei.

Personelle Wechsel


Die allerdings ist inzwischen aus dem Kreis ausgeschieden. Aber keineswegs im Streit, versichert Nowakowski. „Es hat dort einen personellen Wechsel gegeben.“ Der bisherige Vorsitzende sei in eine andere Stadt gewechselt, nun fehle der Ansprechpartner. Ähnlich sei die Situation bei den Aleviten: „Die waren auch schon länger nicht mehr da“, sagt Nowakowski.

Aber grundsätzliches Interesse am Arbeitskreis scheint weiter zu bestehen. Schließlich arbeiten die verschiedenen Glaubensgruppen mittlerweile sehr vertrauensvoll zusammen und tauschen sich regelmäßig aus. „Wir treffen uns mindestens vier Mal im Jahr“, sagt Nowakowski. Und der Arbeitskreis pflegt auch durchaus Kontakte, die über die Bergkamener Stadtgrenzen hinausweisen. Beim 1. Bergkamener Glaubensfest zum Beispiel, das die Gruppe im September 2014 auf dem Stadtmarkt feierte, war zum Beispiel auch die Jüdische Gemeinde „haKochaw“ für den Kreis Unna dabei.

Und diese Kontakte will der Arbeitskreis für seine nächste Aktion reaktivieren. Denn die Veranstaltung zum Thema Hochzeit wird natürlich umso aussagekräftiger und interessanter je mehr verschiedene Religionen mitmachen und über ihre Zeremonien und ihr Verständnis von Ehe berichten. „Wir wollen auf die Unterschiede blicken, aber natürlich auch auf die Gemeinsamkeiten“, sagt Pastor Thorsten Neudenberger, der den katholischen Pastoralverbund in dem Arbeitskreis vertritt.

Und das ist auch ein gutes Motto, das die gesamte interreligiöse Zusammenarbeit beschreibt. Schon bei den beiden Stadtrundfahrten bekamen die Teilnehmer interessante Einblicke. So sahen manche Muslime zum ersten Mal eine christliche Kirche von innen, manchen Christen ging es beim Moschee-Besuch nicht anders. Inzwischen hat sich das Verständnis durch die regelmäßige Zusammenarbeit vertieft.

Dazu trägt sicherlich auch bei, dass die Glaubensgemeinschaften in einer sich immer stärker säkularisierenden Gesellschaft enger zusammenrücken. Und möglicherweise verstehen sich ja ein gläubiger Christ und ein gläubiger Moslem besser untereinander als mit ihren jeweiligen vermeintlichen Glaubensgenossen, die der Religion nur noch indifferent bis gleichgültig gegenüberstehen.

Kontakt zu den Hindus

Zugleich hoffen die Mitglieder des Arbeitskreises, dass sie auch noch Kontakte zu anderen Religionsgemeinschaften aufnehmen können. Zum Beispiel zu den Hindus. „Da gibt es in Hamm eine große Gemeinde“, weiß Nowakowski. Und womöglich könnten deren Vertreter beim für 2019 geplanten Aktionstag berichten, wie sich eine hinduistische Hochzeit abspielt. „Wir wollen ja über den eigenen Tellerrand hinausblicken“, sagt Nowakowski.

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