Ehemalige Bergmänner kämpfen dafür, dass der vorletzte Förderturm in Bergkamen erhalten bleibt. Dass das kein unrealistischer Wunsch ist, zeigt ein Beispiel aus Gelsenkirchen.

Bergkamen

, 11.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Keiner würde auf die Idee kommen, die Speicherstadt in Hamburg abzureißen oder das Hofbräuhaus in München“, sagt Klaus Herzmanatus. Der Gelsenkirchener kann nicht nachvollziehen, warum man dann gut erhaltene Fördertürme, die das Ruhrgebiet prägen, abreißen sollte. „Der Bergbau hat so viele Familien und Menschen geprägt. Sowas muss erhalten bleiben“, findet der einstige Betriebsratschef auf der Zeche Hugo.

Was die Geschichte der Gelsenkirchener Zeche mit Bergkamen verbindet, liegt auf der Hand: So wie der Förderturm der Zeche Hugo einst, soll auch der Turm über dem Schacht 2 der ehemaligen Zeche Haus Aden abgerissen werden. Doch Herzmanatus kämpfte dagegen an und konnte den Turm in Gelsenkirchen mit seinem Förderverein retten. Die Bergkamener wollen sich daran ein Beispiel nehmen – und vor allem etwas daraus lernen.

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Als Herzmanatus erfuhr, dass die RAG den Gelsenkirchener Förderturm abreißen will und die Stadt Gelsenkirchen signalisierte, dass sie kein Geld für die Erhaltung hat, nahm er das volle Risiko auf sich, gründete einen Förderverein und sicherte sich die Zusage von Spenden. Das war im Jahr 2003. Dreieinhalb Jahre lang habe er gekämpft, bis die 80.000 Euro als Sicherheit für die Stadt, die die Eigentümerin der Zeche ist, auf ein Konto flossen. Der Förderverein hat die Erbpacht übernommen. „Als Geschäftsführer trage ich das volle Risiko und halte meinen Kopf hin“, so Herzmanatus.

Der Erhalt des Förderturms verursacht keine so hohen Kosten

Das zeigt, wie sicher er sich seiner Sache war und noch immer ist. Und das Konzept geht auf. Seit 14 Jahren gehöre der Förderturm dem Verein. „Mittlerweile haben wir etwa eine halbe Million investiert und immer noch keine Fördergelder bekommen. Wir arbeiten mit Mitgliedern und Veranstaltungen“, erzählt der Gelsenkirchener.

Der Geschichtskreis kämpft um den Erhalt des letzten Förderturms in Oberaden. Der Schacht I (Foto) ist nicht mehr da, Schacht 2 wollen die ehemaligen Bergleute erhalten.

Der Geschichtskreis kämpft um den Erhalt des letzten Förderturms in Oberaden. Der Schacht I (Foto) ist nicht mehr da, Schacht 2 wollen die ehemaligen Bergleute erhalten. © Stefan Milk

Besonders das Geld ist es, worüber sich einige Bergkamener Gedanken machen. Doch die Sorgen sind offenbar unbegründet, schaut man sich das Beispiel der Zeche Hugo in Gelsenkirchen an. Das Erhalten des Turms verursache keine hohen Kosten, wie Herzmanatus erläutert. Der Turm in Gelsenkirchen sei eingezäunt worden und der Verein habe die unteren Treppen erneuert, obwohl das noch nicht notwendig gewesen sei. Über einen neuen Anstrich oder Probleme mit Rost müsse man sich ebenfalls noch keine Gedanken machen. Solange der Turm nicht durchrostet, sei Rost sogar ein natürlicher Schutz.

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Da der Bergkamener Turm im Gegensatz zum Gelsenkirchener eine dunklere Farbe hat, würde der Rost in Bergkamen sogar weniger auffallen.

Und wenn der Turm in Bergkamen dann doch eines Tages gestrichen werden muss, dann muss das nicht so teuer sein, wie vorher vermutet. „Bei einem Anstrich muss der Schacht nicht eingerüstet werden, nicht sandgestrahlt und auch nicht erst mit Rostfarbe angestrichen werden. Fassadenkletterer können den Anstrich übernehmen“, sagt Volker Wagner, Sprecher des „Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4“. Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, den letzten Förderturm in Oberaden, zu erhalten. Die Bergkamener SPD und die IGBCE haben ihre Unterstützung zugesagt.

Geschichtskreis legt ein Konzept zur Erhaltung des Förderturms vor

„Uns war wichtig, nicht nur zu sagen, dass wir den Schacht erhalten wollen, sondern auch das Wie. Wir haben mit den Erfahrungen von Herzmanatus ein Konzept erstellt und uns die Kosten erklären lassen“, sagt Wagner. Da die Kosten nun überschaubar seien, hoffe der Geschichtskreis, dass der Erhalt des Förderturms Thema in den Gesprächen zwischen Stadt und RAG, die die Abrissgenehmigung bereits hat, sein wird.

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Die Idee des Vereins ist, dass die Stadt die Kosten, die sie für den Bau des Pumpengebäudes eingeplant hat, auf ein Sperrkonto überweist, das zur Not für den Abriss verwendet werden kann. Die RAG könnte das Pumpengebäude, das den Förderturm ersetzen soll, unter dem Turm bauen und würde sich die Abrisskosten sparen. Zudem möchte der Geschichtskreis selber einen Förderverein gründen. Viel Zuspruch habe der Verein laut Wagner bereits erfahren und wenn 1000 Personen 20 Euro Mitgliederbeitrag im Jahr zahlen würden, dann seien das in zehn Jahren schon 20.000 Euro und in zwanzig Jahren 40.000 Euro – und das sind laut Wagner ungefähr die Kosten für einen Fassadenkletterer.

Ehemalige Bergmänner rund um Klaus Hermanatius haben es geschafft: Ihnen gehört der Förderturm der einstigen Zeche Hugo in Gelsenkirchen. Herzmanatius hofft, dass die Bergkamener ihren Turm ebenfalls erhalten können.

Ehemalige Bergmänner rund um Klaus Herzmanatus haben es geschafft: Ihnen gehört der Förderturm der einstigen Zeche Hugo in Gelsenkirchen. Herzmanatus hofft, dass die Bergkamener ihren Turm ebenfalls erhalten können. © privat

„Förderschächte sind Landmarken, die das Wirtschaftswachstum von NRW widerspiegeln. Wir haben verdient, dass die Schächte erhalten bleiben“, sagt der ehemalige Bergmann. Herzmanatus sieht es ganz genau so: „Der Turm stört keinen. Wenn man die Fläche nutzen wollte, dann könnte ich es verstehen. Aber dadurch, dass die Wasserhaltung darunter bleibt, ist es unsinnig, ihn abreißen.“

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