Gericht kann Fehde zwischen zwei Männer nicht klären

dzVerfahren eingestellt

Im Mai soll ein Bergkamener einen Bekannten beleidigt haben, auf ihn zugerast sein und ihn zum Sprung zur Seite genötigt haben – ohne Führerschein. Nun trafen sie vor Gericht aufeinander.

von Sylvia Mönnig

Bergkamen

, 04.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Der Clinch zwischen den beiden Männern aus Bergkamen läuft offenbar schon seit längerer Zeit. Am 6. Mai soll die Situation eskaliert sein. Auf der Landwehrstraße, so der Vorwurf, soll der spätere Angeklagte den verhassten Kontrahenten zufällig gesehen und die Gelegenheit genutzt haben. Er sollte ihn über das geöffnete Fenster seines Autos unter anderem als „Hurensohn“ bezeichnet und dann Gas gegeben haben. Zu der Beleidigung und der Nötigung, die ihm der Andere zur Last legte, gesellte sich letztlich auch Fahren ohne Fahrerlaubnis. Denn einen Führerschein besaß der Bergkamener nicht.

Er reagierte jetzt regelrecht erbost, als er im Amtsgericht Kamen auf der Anklagebank sitzen musste und mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. „Ich bin schockiert“, betonte er gleich mehrfach. Und: „Das ist so nicht passiert. Ich habe so etwas nicht gemacht.“ Im Gegenteil, er sei das Opfer. Der Kontrahent habe ihn unlängst mit einem Baseballschläger attackiert. Zum Beweis seiner Angaben wies er auf eine Narbe an seinem Kopf. Anzeige habe er aus Angst aber nicht erstattet.

Die Aussage des Gegners fiel erwartungsgemäß konträr aus. Er bestätigte seine Vorwürfe und erklärte: „Er hat versucht, mich zu überfahren. Ich musste beiseite springen.“ Die Fronten waren spürbar verhärtet und nur eins einte die Männer: Beide zeigten sich „schockiert“.

Ob dieser Pattsituation erhofften sich Anklage und Gericht Aufklärung von einem unbeteiligten Zeugen. Doch der gab an, lediglich Geschrei gehört, aber nichts gesehen zu haben. Somit stand es weiter Aussage gegen Aussage. Der Richter brachte es schließlich auf den Punkt: „Viel Aufklärung haben wir da nicht reingebracht.“ Was genau passiert sei, das wisse er nicht. „Sie sagen so, er sagt so.“ Unter den Umständen wurde das Verfahren ohne Auflage eingestellt. Zum Abschied gab der Richter den Streithähnen allerdings den Rat mit auf den Weg, künftig anders miteinander umzugehen oder sich ansonsten aus dem Weg zu gehen. Auch sei vielleicht ein Besuch beim Schiedsmann eine Option, um die Sache zu befrieden.

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