Post-Skandal vor Gericht: Komplize durchsuchte nicht zugestellte Briefsendungen

dzAnklage

Briefe, die vor allem in Overberge nicht angekommen waren, tauchten in einer Garage in Oberaden auf. Der Zusteller klagte über Überlastung. Jetzt kommt er vor Gericht – und es gibt einen Komplizen.

Bergkamen

, 29.01.2020, 16:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor fast einen Jahr hatte die Post einen Skandal in Bergkamen: In einer Garage in Oberaden tauchten Kisten mit Briefen und anderen Postsendungen auf. Sie waren zu einem großen Teil an Empfänger in Overberge adressiert. Sie hatten sich vorher schon mehrfach beklagt, dass die Post, die sie erwartet hatten, nie bei ihnen ankam.

Mittlerweile steht fest: Sendungen, die nicht angekommen waren, lagerten nicht nur in der Garage. Sie stammen nicht ausschließlich aus Bergkamen. Und der Zusteller gab damals Überlastung als Grund dafür an, dass er die Briefe nicht zugestellt hatte. Das traf offenbar auf einen Komplizen nicht zu: Er öffnete einen großen Teil der Post und durchsuchte sie.

Post-Skandal vor Gericht: Komplize durchsuchte nicht zugestellte Briefsendungen

In einer Garage an der Jahnstraße entdeckte die Polizei Ende Januar 2019 einen Teil der Postsendungen, die der Zusteller nicht ausgeliefert hat. Weitere Briefe tauchten in seiner Wohnung und einem Geräteschuppen auf. © Stefan Milk

Zeugin sah Kisten mit Post in der Garage

Ende Januar 2019 war die Polizei dem damals 25 Jahre alten Postangestellten auf die Spur gekommen, weil eine Zeugin zufällig gesehen hatte, dass der Mann Briefsendungen in mehreren Kisten in einer Garage an der Jahnstraße lagerte. Als die Beamten genauer nachschauten, stießen sie nicht nur in der Oberadener Garage auf nicht zugestellte Post. Sie lagerte auch in einem Geräteschuppen und in der Wohnung des Zustellers.

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Wie sich herausstellte, handelte es sich auch nicht nur um Post an Empfänger in Bergkamen. Die Ermittler fanden auch Post, die an Empfänger im Raum Lüdinghausen adressiert war. Auch dort war der Zusteller in einigen Zustellbezirken zeitweise im Einsatz. Insgesamt stellte die Polizei 64 Kisten mit nicht zugestellter Post an den unterschiedlichen Stellen sicher.

Komplize öffnete die Sendungen und durchsuchte sie

Sie kam im Zuge ihrer Ermittlungen auch einem Komplizen auf die Spur. Der hatte die Briefsendungen geöffnet und durchsucht. Staatsanwalt Henner Kruse, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dortmund geht davon aus, dass er auf der Suche nach Geld war. Er kann allerdings nicht sagen, in welcher Beziehung der zweite Angeklagte zu dem Zusteller steht. Das gehe aus den Akten nicht hervor, sagte er. Sie hatten unterschiedliche Anschriften.

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Zur Anklage kommen nicht alle möglichen Fälle von nicht zugestellter Post, sondern nur etwa 30 Fälle vom Oktober 2018 bis Januar 2019.

Der Zusteller wird wegen Unterschlagung angeklagt. Dafür drohen ihm bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe.

Der zweite Angeklagte, der die Briefe geöffnet hat, wird wegen Verletzung des Postgeheimnisses angeklagt. Ihm droht dafür maximal ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe.

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