Geräumtes Haus in der Bergkamener City ist doch noch zu retten

dzWohnen in Bergkamen

Zwei Wohnhäuser in der Bergkamener City sind schwer beschädigt, eines musste sogar geräumt werden. Jetzt naht die Rettung. Auch die Ursache für die Schäden steht fest. Der Bergbau ist es nicht.

Bergkamen

, 13.07.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal liege sie nachts schlaflos in ihrem Bett, sagt eine Mieterin, die in einem Zehn-Familien-Haus an der Hubert-Biernat-Straße wohnt. Sie fürchtet, dass sie ihre Wohnung verlassen muss, in der sie schon seit Jahren lebt. Die Mieter im Nachbarhaus, Ernst-Reuter-Straße 1, mussten ihre Wohnungen Mitte März Hals über Kopf verlassen. Ihnen blieb nur ein Wochenende, um auszuziehen.

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An ihrem Haus hatten sich so starke Risse und Schieflagen gebildet, dass Gutachter es als einsturzgefährdet einstuften. Auch das Nachbarhaus an der Hubert-Biernat-Straße weist starke Schäden auf. Drei von zehn Wohnungen stehen schon leer. Die übrigen Mieter müssen sich aber wohl doch keine Sorgen machen, dass sie ihre Wohnungen räumen müssen.

In einer Wohnung im Erdgeschoss wird die Decke abgestützt, damit sie nicht einbricht.

In einer Wohnung im Erdgeschoss wird die Decke abgestützt, damit sie nicht einbricht. © Michael Dörlemann

Bergsenkungen haben nichts mit den Schäden zu tun

Die beiden schwer beschädigten Häuser in der Bergkamener City können entgegen aller Befürchtungen doch saniert werden. Wie der Eigentümer LEG mitteilt, sind der Baugrund-Gutachter und die Statiker zu der Ansicht gekommen, dass die beiden Gebäude an der Ernst-Reuter- und der Hubert-Biernat-Straße saniert werden können.

Entscheidend für das Urteil der Sachverständigen ist offenbar, dass Bergsenkungen entgegen der ersten Annahme der LEG nicht die Ursache für die Schäden sind. Ursprünglich war ein LEG-Sprecher sogar davon ausgegangen, dass das geräumte Acht-Familien-Haus an der Ernst-Reuter-Straße nicht mehr zu retten ist und abgerissen werden muss.

Die LEG hatte sich damals bemüht, allen Mietern neue Wohnungen in Bergkamen zur Verfügung zu stellen. Es gab auch Befürchtungen, dass auch das Haus an der Hubert-Biernat-Straße geräumt werden muss. Es steht ohnehin schon zum Teil leer.

Auch die seitliche Fassade weist erhebliche Risse auf. Pfeiler aus Holz, die an die Wände geschraubt sind, wollen die Wand stabilisieren.

Auch die seitliche Fassade weist erhebliche Risse auf. Pfeiler aus Holz, die an die Wände geschraubt sind, wollen die Wand stabilisieren. © Michael Dörlemann

Trockene Sommer haben den Untergrund schrumpfen lassen

Mittlerweile steht fest, dass die trockenen und heißen Sommer 2018 und 2019 verantwortlich für die Schäden an den Häusern sind. Das passt zu Aussagen der ehemaligen Mieter, die vor etwa zwei Jahren die ersten Schäden bemerkten. Ursache ist offenbar der Boden, auf dem die Häuser stehen. Nach Angaben des Bodengutachters stehen die Häuser auf einem sogenannten Tonmergelboden, der in Bergkamen häufiger vorkommt.

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Nach Ansicht der Gutachter kommt es durch lange Trockenperioden und intensive Sonneneinstrahlung zu einer deutlichen Veränderung des Feuchtigkeitsgehalts in sogenannten „bindigen Böden“, wie LEG-Sprecher Mischa Lenz auf Anfrage mitteilt.

Auch der Grundwasserspiegel sinkt ab. Bäume verstärken den Effekt noch, weil die Pflanzen dem Boden zusätzlich Wasser entziehen.

Nach Ansicht der Experten ist der Tonmergelboden unter den Gebäuden durch diesen Effekt geschrumpft. Der ausgetrocknete Boden ist durch die Last der Gebäude zusammengedrückt worden und hat sein Tragverhalten geändert. Das habe zu „unregelmäßigen Setzungen“ geführt. Mit anderen Worten: Der ausgetrocknete Boden sinkt nicht an allen Stellen gleich ein.

Dadurch entstehen Spannungen, die starre Gebäudeteile wie Mauerwerk und Stahlbeton nicht ausgleichen können. Dadurch haben sich die starken Risse gebildet.

Am Nachbarhaus Hubert-Biernat-Straße 8 sind die Risse im Keller notdürftig repariert. Die Gutachter haben Rissmarken angebracht, um zu kontrollieren, ob sich das Mauerwerk weiter verschiebt.

Am Nachbarhaus Hubert-Biernat-Straße 8 sind die Risse im Keller notdürftig repariert. Die Gutachter haben Rissmarken angebracht, um zu kontrollieren, ob sich das Mauerwerk weiter verschiebt. © Michael Dörlemann

Jugendheim „John“ erleidet ebenfalls Trockenschäden

Die beiden Häuser sind nicht der erste Fall in Bergkamen, bei dem die trockenen Sommer zu massiven Gebäudeschäden geführt haben. Die evangelische Martin-Luther-Gemeinde muss ihr Jugendheim „John“ neben der Martin-Luther-Kirche in Oberaden sogar abreißen lassen, weil durch die Trockenheit massive Risse entstanden sind.

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Bei den beiden Gebäuden in der City sind die Gutachter der Meinung, dass das nicht nötig ist. Die LEG will die Maßnahmen, die sie vorschlagen, durchführen, kündigt Lenz an.

Zunächst sollen die Bäume in der Nähe der Häuser gefällt werden, damit sie dem Boden nicht mehr das Wasser entziehen können. Außerdem soll der Boden im Bereich des Kellermauerwerks durch eine Kiesschüttung ersetzt werden. Sie würde auch bei Trockenheit nicht schrumpfen. Außerdem prüft die LEG Maßnahmen, wie sich der Boden auf Dauer feucht halten lässt.

Ob eine zusätzliche Verstärkung der Fundamente oder eine tiefere Gründung notwendig ist, wird zurzeit noch geprüft.

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