Geräumtes Haus ist nicht mehr zu retten – und die Ursache dafür offiziell noch unklar

dzWohnen in Bergkamen

Die Bewohner des geräumten Hauses an der Ernst-Reuter-Straße können nicht darauf hoffen, dass sie irgendwann in ihre Wohnungen zurück können. Der Grund für die massiven Gebäudeschäden ist unklar.

Bergkamen

, 24.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als im vergangenen Mai zwei Mehrfamilienhäuser an der Töddinghauser Straße geräumt wurden, war das für die rund 90 Bewohner schlimm – aber sie hatten zumindest noch die Hoffnung, dass sie ihre Wohnungen würden zurückkehren können. Eine Hoffnung, die sich einige Monate später bewahrheitete.

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Ein Zurück wird es für die Bewohner des Hauses Ernst-Reuter Straße 1 in der City aber kaum geben, wie LEG-Sprecher Mischa Lenz bestätigte. Das Haus, in dem acht Mietparteien mit elf Menschen wohnten, ist so marode, dass es wahrscheinlich nicht saniert werden kann.

Ob und wann es abgerissen wird und ob dort ein neues Haus entsteht, ist noch nicht klar. „Das müssen wir perspektivisch sehen“, sagte Lenz.

An dem Mehrfamilienhaus haben sich massive Risse gebildet. Wie es noch mehr als 25 Jahre nach Ende des Bergbaus zu diesen Schäden kommen konnte, ist noch unklar. Auch das Nachbarhaus steht unter Beobachtung durch Statiker.

An dem Mehrfamilienhaus haben sich massive Risse gebildet. Wie es mehr als 25 Jahre nach Ende des Bergbaus zu diesen Schäden kommen konnte, ist noch unklar. Auch das Nachbarhaus steht unter Beobachtung durch Statiker. © Stefan Milk

Es ist unklar, warum sich jetzt so massive Risse bilden konnten

Wie das Gebäude überhaupt in einen solchen Zustand geraten konnte, ist unklar. Laut der LEG sind die Risse durch Bergsenkungen entstanden. Eine Erklärung, wie sich die Risse in den vergangenen Monaten so verstärken konnten, dass das Haus jetzt einsturzgefährdet ist, konnte auch Lenz nicht liefern.

Die Ursache scheint etwas rätselhaft. Nach Angaben des Verbandes Bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) hat es den letzten Kohleabbau unter diesem Bereich bereits 1993 gegeben.

Erdbewegungen durch den Bergbau in den vergangenen Jahren schließt Achim Sprajc, der stellvertretende Geschäftsführer des VBHG, aus.

Auch nach Angaben der LEG kommt der Untergrund zwei bis fünf Jahre nach Ende des Abbaus komplett zur Ruhe. Über andere mögliche Ursachen wolle er nicht spekulieren, sagte Sprajc.

Es hat auch Fälle gegeben, in denen das Austrocknen des Untergrunds zu Schäden geführt hat. Ob das an der Ernst-Reuter-Straße eine Rolle gespielt haben könnte, könne er aber nicht beurteilen, betonte Sprajc.

Das Haus ist rundum abgesperrt und darf nicht mehr betreten werden.

Das Haus ist rundum abgesperrt und darf nicht mehr betreten werden. © Stefan Milk

Räumung war alleinige Entscheidung des Eigentümers

Auch die Stadt Bergkamen kann nicht zur Aufklärung beitragen. Die Überwachung des Hauses und der Räumungsbeschluss seien in diesem Fall allein Sache des Hauseigentümers, sagte Dezernent Marc Alexander Ulrich.

Tatsache ist, dass das Wohngebäude nicht das einzige in dem Bereich ist, das Risse aufweist. Auch das Nachbargebäude, Hubert-Biernat-Straße 8, weist nach Angaben der LEG Risse auf und wird ebenfalls von einem Statikbüro „engmaschig“ beobachtet.

Das Statikbüro hatte auch Ende der vergangenen Woche Alarm geschlagen, als es im Rahmen eines sogenannten „Risk-Screening“ (Risiko-Beobachtung) die eklatanten Gebäudeschäden feststellte. Sie sind so stark, dass das Büro forderte, das Wohngebäude bis spätestens diesen Dienstag zu räumen.

An der Kante des Hauses ist in Deckenhöhe schon ein mehrere Zentimeter breiter Versatz zu sehen.

An der Kante des Hauses ist in Deckenhöhe schon ein mehrere Zentimeter breiter Versatz zu sehen. © Stefan Milk

Bewohner wurden am Samstagnachmittag verständigt

Nach Angaben von Bewohnern habe die LEG sie am Samstagnachmittag angerufen und über die bevorstehende Räumung verständigt. Das Wohnungsunternehmen engagierte ein Umzugsunternehmen, vermittelte auf Wunsch Hotelzimmer und bot Einlagerungsmöglichkeiten an.

Lenz wies den Vorwurf zurück, dass die Mieter von der Räumung überrascht worden sind. Das Unternehmen habe bereits im Oktober bei einer Mieterversammung über die Risse und eine mögliche Räumung informiert.

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Für viele der Mieter bedeutet das, dass sie sich nicht nur von ihrer Wohnung, sondern auch von Nachbarn verabschieden müssen, mit denen sie zum Teil schon seit Jahrzehnten in einem Haus oder in den Nachbarhäusern zusammenleben.

Die LEG will das bei der Vermittlung von neuen Wohnungen an die Mieter berücksichtigen, versicherte Lenz. „Sie sollen möglichst Wohnungen in der Nähe bekommen“, sagt er.

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