Die Hoffnung der Wohnungseigentümer der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße auf einen sofortigen Wiedereinzug hat sich vorerst nicht erfüllt. Aber sie können wohl in einigen Wochen zurück.

Bergkamen

, 04.09.2019, 10:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der neue Brandschutzgutachter Dr. Dirk Hagebölling, den die Stadt Bergkamen engagiert hat, ist zu einem fast salomonischen Urteil gekommen: Er bescheinigt der Stadt, dass es richtig war, die Häuser Mitte Mai wegen erheblicher Brandschutzmängel zu räumen. Nach einer Begehung am Dienstag bescheinigte er den Wohnungseigentümern aber auch, dass sie den Brandschutz in den beiden Häusern durch die bereits getroffenen Maßnahmen erheblich verbessert haben.

Geräumte Wohnungseigentümer müssen noch warten – aber es gibt Hoffnung

Gutachter Dr. Dirk Hageböllling nahm zur Situation in den geräumten Häusern Stellung. Der ehemalige Bochumer Feuerwehrchef und Inhaber eines Ingenieurbüros in Coesfeld listete die noch erforderlichen Maßnahmen vor dem Wiedereinzug auf. Der Leiter der Bergkamener Bauordnung, Tim-Felix Heusner (l.) und der Bergkamener Feuerwehrchef Dirk Kemke (r.) hören zu. © Stefan Milk

Drei Maßnahmen sind vor dem Wiedereinzug notwendig

Für ausreichend hält er sie aber noch nicht. Er listete in einer Pressekonferenz, zu der die Stadt am Mittwochmittag eingeladen hatte, drei weitere Maßnahmen auf, die noch getroffenen werden müssen, bevor er einen Wiedereinzug für unbedenklich hält. Die beiden guten Nachrichten für die Eigentümer: Die Maßnahmen sind nach Ansicht von Hagebölling in drei bis vier Wochen durchführbar, wenn sich schnell eine Fachfirma findet, die sie in Angriff nimmt. Die Kosten bezifferte er auf höchsten 10.000 Euro.

Geräumte Wohnungseigentümer müssen noch warten – aber es gibt Hoffnung

Die Stadt Bergkamen hatte am Mittwochmittag zu einer Pressekonferenz mit dem Gutachter, Behördenvertretern und dem Hausverwalter eingeladen. Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters (l.) und Bürgermeister Roland Schäfer (2.v.l.) stellten noch einmal die Chronologie der Ereignisse aus ihrer Sicht dar. © Stefan Milk

Weitere Sanierung nach dem Einzug

Der Gutachter hält zwar weitere Brandschutzmaßnahmen in den rund 45 Jahre alten Hochhäusern für erforderlich. Die seien aber auch möglich, nachdem die Bewohner wieder eingezogen sind. Hausverwalter Jörg Berchem sicherte zu, mit Hagebölling zu kooperieren. Er geht davon aus, dass die Wohnungseigentümer zustimmen. „Wer sollte etwas dagegen haben“, sagte er.

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Neue Zielsetzung für den Sachverständigen

Den Durchbruch hat die Stadt offenbar erzielt, als sie Hagebölling als vereidigten unabhängigen Sachverständigen verpflichtete und ihn mit einer neuen Zielsetzung versah. Der frühere Chef der Bochumer Feuerwehr sollte nicht alle Brandschutzmängel in den beiden Häusern auflisten, sondern nach einem Weg suchen, wie die Bewohner möglichst schnell wieder einziehen können.

Auch Hagebölling geht übrigens davon aus, dass die Hausbewohner bei einem Brand in Lebensgefahr geschwebt hätten. Beis einer Begehung habe er eindeutige Spuren gefunden, dass Brandrauch bis in die Flure in den oberen Etagen der Häuser vorgedrungen sei. „Es hat sogar noch danach gerochen“, sagte er.

Geräumte Wohnungseigentümer müssen noch warten – aber es gibt Hoffnung

Hausverwalter Jörg Berchem will mit dem neuen Gutachter kooperieren. Er zum Teil hat bereits Angebote für die noch ausstehenden Arbeiten eingeholt. © Stefan Milk

Kritik an von Bewohnern engagierten Beratern

Den von den Hauseigentümern beauftragten Brandschutzexperten bescheinigte er einen fahrlässigen Umgang mit den von der Feuerwehr in den Fluren gemessenen Konzentration an Kohlenmonoxid (CO). Ein gesunder Mensch könne eine Konzentration von 200 ppm (Parts per Million, zu deutsch: Anteile pro Million) über einen kürzeren Zeitraum zwar wahrscheinlich einigermaßen schadlos überstehen. Bei vorgeschädigten Menschen sei die Konzentration aber durchaus gefährlich und könne bis zur Bewusstlosigkeit führen.

Begehung am Dienstagnachmittag mitgeschnitten

Hageböllling hatte die beiden Häuser bei einer etwa eineinhalbstündigen Begehung in Begleitung des Hausverwalters, von Wohnungseigentümern, die zum sogenannten Krisenstab gehören und Behördenvertretern in Augenschein genommen. Im Zusammenhang mit dieser Begehung kam es zu Unmut bei Hausverwalter Jörg Berchem. Einer der Wohnungseigentümer hatte offenbar ein Aufnahmegerät dabei und die Begehung aufgenommen. Offenbar auf dieser Grundlage hatte der Brandschutzgutachter, den die Wohnungseigentümer engagiert hatten, noch gegen Mitternacht eine Pressemitteilung mit Details aus der Begehung per Mail verschickt. Berchem distanzierte sich deutlich davon. „Das ist schon aus Datenschutzgründen nicht zulässig“, sagte er.

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