Geräumte Häuser: Die Bewohner kehren zurück in ihre Wohnungen

dzTöddinghauser Straße

Über vier Monate mussten die Bewohner der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße in Not- und Ausweichquartieren ausharren. Am Donnerstag kam die erlösende Nachricht: Sie dürfen zurück.

Bergkamen

, 19.09.2019, 11:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Odyssee von Margit Hauswirth ist zu Ende. Sie biegt am Donnerstagvormittag in die Einfahrt zum Haus Töddinghauser Straße 137 ein und zieht einen Trolley hinter sich her. Kurz zuvor hat sie erfahren, dass sie zurück in ihre Eigentumswohnung darf. Nicht nur für ein paar Stunden, um nach dem Rechten zu sehen, sondern auf Dauer. Seit Dezember 1993 wohnt Hauswirth in dem Hochhaus in der Bergkamener City. Bis zum 15. Mai: An jenem Tag hatte die Stadt Bergkamen die Häuser wegen akuter Brandschutzmängel für unbewohnbar erklärt.

Geräumte Häuser: Die Bewohner kehren zurück in ihre Wohnungen

Die Häuser waren am 15. Mai geräumt worden. © Stefan Milk


Am Morgen kommt der Brandgutachter

Rund 100 Menschen mussten kurzfristig ihre Wohnungen verlassen. Dass sie am Donnerstag die erlösende Nachricht über die Rückkehr erhalten, zeichnet sich bereits am Morgen ab. Gegen 8.30 Uhr trifft der von der Stadt beauftragte Brandschutzgutachter Dr. Dirk Hagebölling an der Töddinghauser Straße ein. Am 3. September hatte er die bisher erbrachten Brandschutzarbeiten zum ersten Mal begutachtet und festgestellt, dass noch einige wenige Maßnahmen erledigt werden müssen, bevor an einen Wiederbezug zu denken ist. Hausverwalter Jörg Berchem hat diese Arbeiten zwischenzeitlich von Fachfirmen ausführen lassen. Hagebölling ist mit dem Ergebnis zufrieden und gibt Grünes Licht.

Geräumte Häuser: Die Bewohner kehren zurück in ihre Wohnungen

Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters (M,) und Felix Heusner (r.) von der Baufausicht, geben es Hausverwalter Jörg Berchem schriftlich, dass die Häuser wieder als bewohnbar gelten. © Stefan Milk


Die Stadt macht den Weg frei für den Wiedereinzug

Zwar muss noch einiges gemacht werden, um einen wirklich umfassenden Brandschutz zu gewährleisten. Aber das lässt sich auch ausführen, wenn die Bewohner wieder in ihren Wohnungen sind. Die endgültige Entscheidung über die Freigabe der Häuser muss die Stadt Bergkamen treffen. Um kurz nach 11 Uhr verkündet der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Joachim Peters bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz die gute Nachricht. Auch ihm ist die Erleichterung anzumerken: „Ich hoffe, dass wir in dieser Stadt nie wieder so eine Situation erleben.“

Geräumte Häuser: Die Bewohner kehren zurück in ihre Wohnungen

Margit Hauswirth kehrt in die Häuser an der Töddinghauser Straße zurück © Johannes Brüne




„Pack Deine Sachen, wir dürfen zurück“

Etwa um die Zeit, als Peters und Berchem die Presse informieren, macht sich Bettina Marschall auf dem Weg von der städtischen Notunterkunft an der Fritz-Husemann-Straße zur Töddinghauser Straße. Eigentlich will sie nur ein paar Sachen holen. Dann erfährt sie, dass sie tatsächlich wieder dauerhaft in ihre Wohnung darf. Sie kann ihr Glück kaum fassen. Und will es mit einem Nachbarn und Freund teilen, dem das gleiche Schicksal widerfahren ist und der noch in der Notunterkunft ausharrt: „Michael, pack Deine Sachen. Wir dürfen zurück“, ruft sie in ihr Handy. Marschall und die anderen Geräumten, die im Notquartier an der Fritz-Husemann-Straße untergekommen sind, werden eine Rechnung von der Stadt erhalten. Aber das Rathaus wird ihnen lediglich die Nebenkosten wie den Wasser- und Energie-Verbrauch berechnen. Auf die eigentlich vorgesehene Quadratmeter-Pauschale verzichte das Rathaus, sagt Peters: „Das ja eine besondere Form der Obdachlosigkeit“, meint Peters.

Geräumte Häuser: Die Bewohner kehren zurück in ihre Wohnungen

Die Absperrgitter an der Töddinghauser Straße können abgebaut werden. © Stefan Milk


Über Dortmund und Hessen auf den Nordberg

Die hat auch Margit Hauswirth erlebt. Sie wohnte nicht in der Notunterkunft, musste das Quartier aber häufig wechseln. „Erst war ich bei Freunden in Dortmund, dann bei meiner Tochter im Saarland und bei meinem Sohn in Hessen“, berichtet sie. Seit Mitte August hatte Ariane Häring sie in ihrer Wohnung auf dem Nordberg aufgenommen. „Ihr bin ich zutiefst dankbar“, sagt Hauswirth. Noch mehr freut sie sich, dass sie jetzt endlich wieder an der Töddinghauser Straße einziehen darf: „Ich bin einfach nur glücklich.“

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