Für die Lippe und die Fische, die im Fluss leben, ist anhaltende Trockenheit keine Gefahr. Sie kann nicht austrocknen. Trotzdem sind der Lippeverband und die Biologen sehr besorgt.

Bergkamen

, 22.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Schwanenweiher an der Erich-Ollenhauer-Straße vor einigen Wochen fast komplett ausgetrocknet war und unter anderem fünf Jungschwäne auf dem Trockenen saßen, füllte GSW-Plus das Gewässer wieder auf. Damals bedauerte ein Vertreter des Lippeverbandes, dass solche Aktionen nicht flächendeckend möglich sind – zum Beispiel an der Lippe.

Der Fluss kann aber theoretisch gar nicht so weit trockenfallen, dass beispielsweise die Lippe-Fische gefährdet sind. Bei lang anhaltender Trockenheit kann die Lippe wieder aufgefüllt werden, wenn sie zu wenig Wasser führt, erklärt Lippeverbands-Sprecherin Anne-Kathrin Lappe.

Austausch zwischen Kanal und Lippe

Normalerweise speist die Lippe den Datteln-Hamm-Kanal über ein sogenanntes Austauschbauwerk in Hamm. Der Austausch funktioniert aber auch in die andere Richtung. Bei Trockenheit ist der Kanal das Wasserreservoir für die Lippe. Sie wird mit Kanalwasser wieder aufgefüllt, wenn der Wasserstand zu niedrig wird.

Ganz anders sieht es in der Aue aus, die im Bereich Bergkamen zu einem großen Teil Naturschutzgebiet ist. Dort hat der Kreis Unna in den vergangenen Jahren viele sogenannter „Blänken“ angelegt. Das sind kleine, flache Gewässer wie sie an Flachlandflüssen natürlich vorkommen. Sie bieten vielen Kleinlebewesen einen Lebensraum.

Vor allem die Flachgewässer in der Lippeaue sind von der Trockenheit betroffen. Wenn die Kleinlebenwesen dort nicht überleben, finden auch viele Vögel kein Futter mehr.

Vor allem die Flachgewässer in der Lippeaue sind von der Trockenheit betroffen. Wenn die Kleinlebenwesen dort nicht überleben, finden auch viele Vögel kein Futter mehr. © Privat (Archiv)

Probleme für die Lebewesen in der Lippeaue

Kerstin Conrad von der Biologischen Station in Heil, die die Naturschutzgebiete im Kreis betreut, hat festgestellt, dass diese Flachgewässer immer mehr verlanden. In den langen Trockenperioden, die es sie in den vergangenen Jahren gab, trocknen sie ganz oder zum Teil aus und die Lebewesen, die es dort gibt, verlieren ihren Lebensraum. Dabei geht es zum Beispiel um Muscheln und Schnecken, die wiederum zum Beispiel Vögeln als Nahrung dienen.

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Die Biologen gehen davon aus, dass sich die heimische Tier- und Pflanzenwelt durch die Folgen des Klimawandels verändert. Es gebe zum Beispiel Libellenarten, die mit den veränderten Bedingungen gut zurechtkommen. Andere Arten würden dagegen möglicherweise ganz oder fast ganz verschwinden. Das betrifft auch Pflanzenarten. Die Förster beklagen jetzt schon Schäden im Wald, weil die Sommer für einige heimische Baumarten viel zu trocken sind.

Die Lippe von oben: Wer genau hinsieht, kann die kleinen Flachgewässer erkennen, die es in der Aue gibt.

Die Lippe von oben: Wer genau hinsieht, kann die kleinen Flachgewässer erkennen, die es in der Aue gibt. © Stefan Milk

Natur hat Probleme, sich an das veränderte Klima anzupassen

Was den Biologen Sorgen macht ist, dass sich der Wandel in einem sehr kurzen Zeitraum vollzieht und die Natur kaum die Chance hat, sich in ihrer natürlichen Entwicklung an das veränderte Klima anzupassen. „Der Wandel ist rasant und wir fahren mit dem Fahrrad hinterher“, sagt Conrad.

Die Trockenheit hat übrigens nicht nur Auswirkungen auf Flüsse und Gewässer an der Erdoberfläche. Auch der Grundwasserspiegel sinkt immer mehr ab. Ein Zeichen dafür ist der ausgetrocknete Schwanenweiher. Das Gewässer, das durch eine Bergsenkung entstanden ist, wird durch Grundwasser gespeist. Dass er ausgetrocknet ist, zeigt wie stark der Grundwasserspiegel gefallen ist.

Wegen Regenmangel und Hitze war der Schwanenweiher Anfang August trockengefallen. Das ist auch ein Indiz für das Sinken des Grundwasserspiegels.

Wegen Regenmangel und Hitze war der Schwanenweiher Anfang August trockengefallen. Das ist auch ein Indiz für das Sinken des Grundwasserspiegels. © Michael Dörlemann (Archiv)

Niedriger Grundwasserstand durch immer mehr versiegelte Flächen

Das ist allerdings ein Problem, das seine Ursache nicht nur im globalen Klimawandel hat, sondern auch darin, dass immer mehr Flächen versiegelt werden – durch Straßen, Häuser, gepflasterte Einfahrten und teilweise auch durch Schotter-Vorgärten, wie Anne-Kathrin Lappe erklärt.

Das hat gleich einen doppelt-negativen Effekt: In Trockenphasen läuft das Grundwasser in die Kanalisation, statt im Boden zu versickern und das Grundwasser zu speisen. Bei Starkregen, der durch den Klimawandel immer mehr zunimmt, fließt so viel Wasser in die Kanäle, dass sie überlastet sind.

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Der Lippeverband setzt sich deshalb dafür ein, dass sogenannte Trennsysteme bei der Kanalisation installiert werden, bei denen das Abwasser und das Regenwasser nicht mehr zusammen in einem Rohr Richtung Kläranlage fließen. Außerdem appelliert er an Hauseigentümer, mehr Regenwasser versickern zu lassen. Er empfiehlt Flächen zu entsiegeln, Regenwasser wo möglich in den Garten statt in die Kanalisation zu leiten, Dächer und Fassaden zu begrünen.

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