Gefängnis: Autofahrer immer wieder ohne Führerschein auf der Autobahn geblitzt

dzGericht

Ein Autofahrer ist auf der Autobahn in Bergkamen geblitzt worden, obwohl er schon lange keinen Führerschein mehr hat. Das war nicht das erste und das letzte Mal. Trotzdem lässt der Richter Milde walten.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 20.02.2020, 13:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 37 Jahre alte Angeklagte wurde in Handfesseln in den Sitzungssaal des Amtsgerichts Kamen geführt. Derzeit sitzt er eine elfmonatige Haftstrafe ab.

Jetzt kommt ein weiterer Vorwurf hinzu: In der Nacht des 22. Februar vergangenen Jahres war der Mann mit einem Auto auf der A2 auf Bergkamener Stadtgebiet unterwegs. Er war zu schnell und wurde geblitzt.

Dadurch kam heraus, dass der Angeklagte 2010 seine Fahrerlaubnis aufgrund einer Trunkenheitsfahrt verloren und seither nicht zurückbekommen hat. Er hätte gar nicht fahren dürfen.

Geschichte vom Kollegen, der plötzlich verschwand

Das sei ihm durchaus bewusst gewesen, erklärte der 37 Jahre alte Mann aus Kleve. Dann präsentierte er dem Gericht eine Geschichte, die ihm niemand glaubte.

Ein Kollege habe ihn gebeten, ihm sein Auto zu leihen, um damit nach Bönen zu fahren, um etwas abzuholen. Der Angeklagte habe eingewilligt, sei aber lieber mitgefahren. In Bönen angekommen, sei der Kollege ausgestiegen – und nicht zurückgekehrt.

Er habe nach Hause gemusst, seine Frau habe nichts von der nächtlichen Tour gewusst, weil er direkt von der Arbeit aus gefahren sei, sagte der Angeklagte aus. Entsprechend habe er es auf dem Rückweg sehr eilig gehabt. „Wenn ich gewusst hätte, dass mich diese Konsequenzen erwarten, hätte ich das nicht gemacht“, so der Angeklagte.

Sechs Mal einschlägig vorbestraft

Der Richter traute seinen Ohren bei diesen Worten kaum: „Sie sind doch schon sechs Mal vorher wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Sie wussten nicht, was Sie erwartet?“, sagte er fassungslos. Der Angeklagte sitzt sogar wegen notorischen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Haft.

Er hat neun Vorstrafen, musste jedoch zum ersten mal ins Gefängnis. Er vermisse seine Familie, seine beiden Kinder, erklärte der Mann, dann wischte er sich ein paar Tränen aus dem Gesicht.

„Sie haben bis heute noch nicht eingesehen, was Sie falsch gemacht haben“, stellte der Richter mit Blick auf zwei weitere verbotene Fahrten fest. Der 37-Jährige war einen Tag vor dem Vorfall in Bergkamen auf der A10 und einige Zeit nach dem Tattag noch einmal auf einer Autobahn geblitzt worden. Der Richter nannte das Vorgehen des Mannes „hartnäckig“.

Im Vertrauen darauf, dass das Gefängnis dem Angeklagten eine Lehre ist, setzte er die verhängten neun Monate Haft zur Bewährung aus. Als Auflage muss der 37-Jährige 1000 Euro an die Gerichtskasse zahlen. Zudem verhängte der Vorsitzende eine zweijährige Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis.

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