Für die vielen Kirchenaustritte gibt es auch Gründe in Bergkamen

dzKirchen

In der Weihnachtszeit füllen sich die Kirchen. Zugleich veröffentlichen die Gemeinden ihre Statistiken: Die Zahl der Kirchenaustritte ist weiter hoch. Dafür gibt es hausgemachte Gründe.

Bergkamen

, 21.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich die fünf katholischen Kirchengemeinden 2011 zum Pastoralverbund Bergkamen zusammenschlossen, hatten sie rund 13.000 Mitglieder. Wenn sie zum 1. Januar zur neuen Gemeinde Heiliger Geist fusionieren, wird es noch etwa 12.000 Bergkamener Katholiken geben. Das liegt zum einen an der Demographie: Auch in diesem Jahr haben Pastor Thorsten Neudenberger und seine Kollegen mehr Bergkamener beerdigt als getauft.

Für die vielen Kirchenaustritte gibt es auch Gründe in Bergkamen

„Es ist das Geld.“ Nach Ansicht von Pfarrerin Petra Buschmann-Simons aus der Martin-Luther-Kirchengemeinde spielt die Kirchensteuer eine zentrale Rolle bei den Kirchenaustritten. © Marcel Drawe

Aber es haben auch wieder viele Menschen der katholische Kirchen bewusst den Rücken gekehrt. Die Zahl der Kirchenaustritte in den fünf Gemeinden lag zum Stichtag 14. November bei 77. Und damit noch ein wenig höher als im Vorjahr, als sie ohnehin schon stark angestiegen war.

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Die personelle Situation ist ungeklärt

Neudenberger sieht dafür auch Gründe, die in der aktuellen Lage in Bergkamen zu suchen sind: „Die ungeklärte personelle Situation spielt sicherlich eine Rolle.“ Neudenberger ist zwar zum Pfarradministrator der Gemeinde Heiliger Geist berufen worden, aber er wird sie nur vorläufig führen. Wie es dann weiter geht, wissen weder er noch die Bergkamener Katholiken. Klar ist nur, dass es irgendwann einen Pastoralen Raum mit Kamen und Bönen geben wird - und deutlich weniger Seelsorger als bisher.

Im Amtsgericht

Wie man aus der Kirche austritt

Den Kirchenaustritt erklärt man üblicherweise im Amtsgericht, in dessen Bezirk man wohnt. Für Bergkamen ist das das Amtsgericht Kamen. Die Gebühr für den Kirchenaustritt beträgt in der Regel 30 Euro. Man kann auch zum Notar gehen, aber dann wird es teurer. Für Kinder unter zwölf Jahren können die Erziehungsberechtigten den Austritt erklären. Bei 12- bis 14-Jährigen muss das Kind dem Austritt ausdrücklich zustimmen. Ab 14 Jahren kann man auch gegen den Willen der Erziehungsberechtigten aus der Kirche austreten.

Allerdings ist Neudenberger überzeugt, dass auch die allgemeine Lage der katholischen Kirche eine Ursache der vielen Austritten darstellt: Insbesondere der Missbrauch-Skandal und der Umgang der Amtskirche mit ihm.

Auch die evangelischen Gemeinden registrieren viele Austritte

Damit hat die evangelische Kirchen eigentlich nichts zu tun, bekommt es aber dennoch zu spüren: „Wir werden dafür mit in Haftung genommen“, meint Petra Buschmann-Simons von der Martin-Luther-Gemeinde. Dort liegt zwar genauso wie in der evangelischen Friedenskirchengemeinde noch keine Jahresstatistik vor. Doch der Trend zum Kirchenaustritt setzt sich auch bei den Protestanten ungebrochen fort.

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Buschmann-Simons meint, den Hauptgrund zu kennen: „Es ist das Geld.“ Insbesondere junge Leute, die zum ersten Mal Kirchensteuer zahlen müssen, nähmen das zum Anlass auszutreten. Das ist wohl auch bei den Katholiken so, sagt Neudenberger. Er stellt einen insgesamt pessimistischen Befund: „Die Kirche ist in der Krise.“

Allerdings hält die Statistik für Neudenberger zumindest einige Zeichen der Hoffnung bereit: 2019 verzeichnete der Pastoralverbund fünf Kircheneintritte und einen Übertritt aus einer anderen Konfession.

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