Hier wird noch im Büro gearbeitet. Homeoffice ist für die Stadt Bergkamen noch Zukunftsmusik. © Marcel Drawe
Schutz vor Corona

Für die meisten öffentlichen Arbeitgeber ist Homeoffice noch immer ein Fremdwort

Der Ruf nach einer Homeoffice-Pflicht der Wirtschaft wird angesichts der Corona-Zahlen lauter. Man sollte meinen, dass die öffentlichen Arbeitgeber als Vorbild dienen. In Bergkamen tun sie das nicht.

Wenn es ums Homeoffice geht, dann belassen Bundes- und Landesregierung es bei Appellen. Und die nutzen offenbar nicht so richtig viel. Zumindest zeigen diverse Untersuchungen, dass deutlich weniger Menschen zu Hause arbeiten als noch im ersten Lockdown im Frühjahr 2020.

Das wiederum legt den Schluss nahe, dass längst nicht alle Unternehmen es ihren Mitarbeiter ermöglichen, im Homeoffice zu arbeiten – sie müssen es ja auch nicht.

Dabei könnten die öffentlichen und halb-öffentlichen Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen. Zumindest sollte man das vermuten. In Bergkamen sieht das allerdings anders aus. Im Rathaus jedenfalls ist Homeoffice noch das Fremdwort, das es für viele Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft längst nicht mehr ist. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung für mobiles Arbeiten“, sagt Bürgermeister Bernd Schäfer.

Mobiles Arbeiten im Rathaus frühestens im Frühjahr

Diese Lösung ist aber bestenfalls mittelfristig in Sicht. Der Verwaltungschef hofft, dass er seinen Mitarbeitern im zweiten Quartal ein Angebot für das Homeoffice machen kann. Also frühestens im April – mehr als ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie. Vorher müssen man noch technische Fragen und Ausstattung klären, meint Schäfer. Derzeit tendiere die Stadt dazu, dass die Beschäftigten die dienstlichen Daten per Stick mit nach Hause nehmen. Aber das müsse noch abschließend entschieden werden.

„Wenn wir mobiles Arbeiten einführen, dann muss das auch für alle Mitarbeiter gelten“, meint der Bürgermeister. Dafür sei eine Dienstvereinbarung mit dem Personalrat notwendig. Schäfer glaubt nicht, dass die Arbeitnehmervertreter dem Homeoffice-Plan Steine in den Weg legen. Konkrete Gespräche über die Vereinbarung gibt es aber offenbar auch noch nicht.

Auch die Mitarbeiter der Gemeinschaftsstadtwerke kommen ins Büro. © Stefan Milk © Stefan Milk

Immerhin kann sich der Bürgermeister darauf berufen, dass auch andere öffentliche Arbeitgeber bisher keine Homeoffice-Möglichkeiten anbieten. Die Gemeinschaftsstadtwerke zum Beispiel. Auch dort wird ein Großteil der Arbeit weiterhin im Büro erledigt. Da in einigen Bereichen Kurzarbeit herrsche, sei aber genug Platz, dass die Mitarbeiter genug Abstand von einander halten könnten, sagt Pressesprecherin Anna Lootze. Kunden dürfen nur in die Beratungscenter kommen, wenn sie vorher telefonisch einen Termin vereinbart hätten.

Sparkasse schickt einen Teil der Mitarbeiter nach Huas.

Auf das Telefon setzt in Corona-Zeiten auch die Sparkasse Bergkamen-Bönen, ein öffentlich-rechtliches Unternehmen. Und weil man auch von zu Hause aus telefonieren kann, arbeitet zumindest ein Teil der Beschäftigten im Homeoffice, wie Pressesprecher Michael Krause berichtet. Einige Beschäftigte müssten im Lockdown an den Arbeitsplatz kommen, sagt er: „Unsere Filialen sind ja weiter geöffnet.“

Die Sparkasse setzt auf ihr telefonisches Beratungscenter. Es gibt auch Mitarbeiter, die zu Hause arbeiten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Gleichwohl bemühe sich die Sparkasse, möglichst viele ihrer Dienstleistungen telefonisch oder auf anderen Kommunikationswegen anzubieten. Einige Kunden legten aber Wert darauf, persönlich über finanzielle Dinge zu reden, sagt Krause. So komme manch ein Berater ins Büro – mit Maske und Abstand zum Gesprächspartner.

Auch die Volksbank Kamen-Werne setzt auf Präsenzarbeit. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Einen anderen Weg geht die genossenschaftliche Volksbank Kamen-Werne, die auch in Bergkamen aktiv ist. Die Abteilungen seien räumlich so auseinander gezogen, dass die Mitarbeiter Abstand halten können, sagt Pressesprecher Philipp Gärtner. Die Bankgeschäfte brächten es mit sich, dass sie sich oft nicht im Homeoffice erledigen lassen: „Bei uns gilt in vielen Bereichen das Vier-Augen-Prinzip.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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