Für den Bootsführerschein reichen vier Fahrstunden auf dem Kanal

dzMit Video

Wer die Boote in der Marina liegen sieht, bekommt womöglich Lust auf eine Kanaltour. Aber wer ans Steuerrad will, braucht einen Führerschein - und muss Fahrstunden auf dem Wasser nehmen.

Bergkamen

, 08.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lisa und Jan aus Dortmund waren in Kroatien und wollten Boot fahren. Das durften sie nicht, weil sie keinen Führerschein dafür hatten. Deshalb steuern sie jetzt die Stahlmotoryacht „MiSi“ über den Datteln-Hamm-Kanal vor der Marina in Rünthe.

Neben dem Steuerrad steht Peter Lentes und erklärt Lisa und Jan, wie sie zu navigieren haben. Lentes ist Fahrlehrer. Er gehört ebenso wie die „MiSi“ zur Yachtschule Rünthe. Die gibt es seit 1992 - also länger als die Marina. „Unser Schiff war damals das erste, das hier zu Wasser gelassen wurde“, sagt Michael Mücke. Er betreibt die Yachtschule gemeinsam mit seiner Frau Sigrid.

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Yacht-Schul-Inhaber Michael Mücke über den Bootsführerschein

Es gibt zwei Arten von Bootsführerscheinen

Wer mit einem Motorboot aufs Wasser will, muss nicht notwendigerweise eine Yachtschule besuchen: „Boote mit einer Motorleistung unter 15 km/h sind führerscheinfrei“, sagt Mücke. Auf dem Rhein liegt die PS-Grenze bei fünf. Wer leistungsstärkere Schiffe legal lenken will, muss Fahrstunden nehmen - in Theorie und Praxis.

Yachtschul-Inhaber Michael Mücke mit seinem Ausbildungsboot in der Marina.

Yachtschul-Inhaber Michael Mücke mit seinem Ausbildungsboot in der Marina. © Johannes Brüne

Die meisten machen gleich zwei Sportbootführerscheine, sagt Mücke: Den für die Binnenschifffahrtsstraßen wie den Datteln-Hamm-Kanal und den für Seeschifffahrtsstraßen. Der gilt nicht allein für das Meer, erläutert er: Schon wer über die Unterläufe der großen Flüsse schippert, benötigt ihn.

Wer das komplette Paket mit Theorie und Praxis bucht, muss etwa 750 Euro investieren. Es geht aber auch günstiger: Lisa und Jan haben den Theorie-Teil online im Selbstunterricht absolviert. Beide sind berufstätig und studieren nebenbei. Da ist die Zeit knapp. Statt der fünfwöchigen Theorie-Ausbildung, die zehn Doppelstunden umfasst, hat das Paar lieber am Computer gelernt.

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Vier Fahrstunden reichen in der Regel

Für den Praxis-Unterricht müssen Lisa und Jan dann doch auf den Kanal. Allerdings lernt sich das Bootslenken offenbar schneller als das Autofahren. Vier Fahrstunden à 60 Minuten reichen in der Regel, sagt Mücke. Aber das Manövrieren eines Sportbootes wie der MiSi, die neun Meter lang, drei Meter breit, sieben Tonnen schwer ist und über eine Leistung von 54 PS verfügt, muss gelernt sein.

Mehr als die üblichen vier Fahrstunden wird Fahrschülerin Lisa wohl nicht brauchen.

Mehr als die üblichen vier Fahrstunden wird Fahrschülerin Lisa wohl nicht brauchen. © Johannes Brüne

Das Anlegen an der Spundwand auf der Nordseite ist noch vergleichsweise einfach. Die Yacht in den Hafen zu dirigieren und dort an den richtigen Platz zu lenken, stellt schon eine Herausforderung dar. „Wenn dann noch Wind weht, wird es richtig schwierig“, sagt Mücke. Bevor er die Schule gegründet hat, ist er einige Jahre zur See gefahren. Später hat er bei der Schifffahrtsstraßen-Verwaltung gearbeitet.

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Vor dem Bootsführerschein kommt die Prüfung

Fahrschülerin Lisa absolviert die Manöver ebenso souverän wie ihr Jan. Die beiden müssen sich wohl keine Sorgen vor der Prüfung machen. Auch nicht wegen der verschiedenen Knoten, die man als Bootsführer beherrschen muss.

Die Fahrstunde setzt sich auf dem Land fort: Fahrlehrer Peter Lentes zeigt Lisa und Jan, wie das Boot richtig vertäut wird.

Die Fahrstunde setzt sich auf dem Land fort: Fahrlehrer Peter Lentes zeigt Lisa und Jan, wie das Boot richtig vertäut wird. © Johannes Brüne

Das alles kontrolliert ein Prüfer, der für den Abschluss der Ausbildung an Bord kommt. Auch Michael Mücke hat eine Lizenz, um Bootsführerschein-Prüfungen abzunehmen: „Aber ich darf natürlich nicht meine eigenen Schüler prüfen.“ Die Mückes sind nicht die einzigen, die Unterricht auf dem Kanal anbieten. Es gibt auch noch die Yachtschule Marina, die in Werne beheimatet ist.

Bei den Mückes machen pro Jahr im Durchschnitt etwa 100 Wassersportfreunde den Bootsführerschein. Die Durchfallquote bei der Prüfung ist sehr gering, sagt Michael Mücke: „Wer nicht stinkfaul ist, der besteht sie auch.“

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