Der Baubeginn für die L 821n und die geplante Rückstufung der Ortsdurchfahrt Weddinghofen hat bei den Ratsfraktionen ein unterschiedliches Echo gefunden. Die Straßengegner wollen auf keinen Fall aufgeben.

Bergkamen

, 26.08.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Gemütslage bei SPD und CDU ist ausnahmsweise recht ähnlich, wenn es um die L 821n geht. Beide reklamieren es für sich als Erfolg, dass nicht nur über die Jahnstraße weniger Verkehr fließen soll, sondern auch durch Weddinghofen. Bekanntlich hatte der Landesbetrieb Straßen.NRW mitgeteilt, dass er jetzt nicht nur die Ortsdurchfahrt in Oberaden, sondern auch in Weddinghofen zurückstufen will.

Ortsdurchfahrt soll Gemeindestraße werden

Das sogenannte „Abstufungskonzept“ des Landesbetriebs Straßen.NRW, das der Stadt seit einigen Tagen vorliegt, sieht vor, dass die Goekenheide zur Kreisstraße wird. Jahnstraße und der Straßenzug Kampstraße/Schulstraße sollen Gemeindestraßen werden und in die Obhut der Stadt kommen. Das ermöglicht der Stadt Regelungen wie ein Lkw-Durchfahrtverbot und Tempo 30 zu erlassen und die Straßen so umzubauen, dass der Verkehr langsamer fließt.

Freude über die Abstufung, aber weiter Widerstand gegen die L 821n

Die L 821n soll durch den Einschnitt im Wäldchen westlich vom Parkfriedhof verlaufen, der bereits Ende Februar gerodet wurde. © Marcel Drawe

CDU reklamiert Erfolg für sich

Die CDU freut sich darüber uneingeschränkt und reklamiert das als Erfolg für sich. Schließlich habe sich seine Fraktion schon immer ohne Wenn und Aber für den Bau der Straße eingesetzt, sagte der Fraktionsvorsitzende Thomas Heinzel. Er geht nicht davon aus, dass das Land erst auf den Druck aus Bergkamen bereit gewesen ist, die Ortsdurchfahrt Weddinghofen zurückzustufen. „Da haben wir immer auf den Landes-Verkehrsminister vertraut“, sagte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Marco Morten Pufke.

CDU-Ratsmitglied Gerd Miller, als Anwohner der Kampstraße direkt betroffen, war sichtlich erleichtert. Er geht davon aus, dass es zumindest gelingt, den Lkw-Verkehr von der Straße zu verbannen. Die Belastung durch den Lkw-Verkehr schon am frühen Morgen sei insbesondere an der Schulstraße extrem.

Freude über die Abstufung, aber weiter Widerstand gegen die L 821n

Auch die Trasse in der Nähe der Lünener Straße ist abgesteckt und wird bereits für den Bau der Straße freigemacht. © Marcel Drawe

SPD sieht Erfolg für den Druck, den sie gemacht hat

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Schäfer begrüßt die Ankündigung aus Bochum zwar auch, sieht sie aber eher als Erfolg für seine Fraktion. Schäfer verweist darauf, dass das Verkehrsministerium und der Landesbetrieb keine Bereitschaft gezeigt hätten, auch die Ortsdurchfahrt Weddinghofen zurückzustufen. Dass es jetzt doch dazu kommen soll, führt er auf die Ratsresolution von Anfang Juni zurück und auf den Widerstand gegen die Straße, vor allem von der Bürgerinitiative „L 821n – Nein!“ In der auf Antrag der SPD gefassten Resolution hatte der Stadtrat den Bau der L 821n als unsinnig abgelehnt, wenn es nicht zur Abstufung der Schulstraße kommt.

Freude über die Abstufung, aber weiter Widerstand gegen die L 821n

Der erste Bauabschnitt in der Planung: Er soll von einem Kreisverkehr, der neben der heutigen Lünener Straße entsteht, im Bogen bis zum Weg vom Parkfriedhof nach Oberaden (rechts oben) reichen. © Marcel Drawe

Keine einhellige Meinung in der SPD-Fraktion

Schäfer ist allerdings nicht sicher, dass die komplette SPD-Fraktion mit der Entwicklung zufrieden ist. Er geht davon aus, dass es zumindest einige Mitglieder der SPD-Fraktion gibt, die den Bau der Straße komplett ablehnen.

Straßengegner bereiten weitere Klage vor

Das ist auch bei den erklärten Gegnern der Straße weiterhin so, ganz unabhängig von der Rückstufung der Ortsdurchfahrten. Der Stadtverbandsvorsitzende der Grünen, Rolf Humbach, der gleichzeitig Mitglied der BI gegen die Straße ist, kündigte weiteren Widerstand an. Die BI bereite eine weitere Klage gegen die Straße vor, bei der es um die Entwässerungssituation geht. Dabei will die Initiative auch Anwohner mit ins Boot nehmen, die beim Starkregenereignis von Überschwemmungen betroffen waren. „Wir wollen nicht, dass die Klage abgewiesen wird, weil keine persönliche Betroffenheit besteht“, sagte er.

Freude über die Abstufung, aber weiter Widerstand gegen die L 821n

Die Gegner der Straße kündigen weiteren Widerstand an. Auch weitere Sonntagsspaziergänge soll es geben. © Stefan Milk

Weitere Protestspaziergänge geplant

Humbach kündigte an, dass es auch künftig weitere als Sonntagsspaziergang deklarierte Demonstrationen gegen den Bau der L 821n geben soll. Außerdem hoffen die Straßengegner, dass ihre Eingaben bei der EU-Kommission und beim Petitionsausschuss des Landtags doch noch Erfolg haben.

Er beklagte auch, dass das Tiefbauunternehmen beim Bau der L 821n ein ungewöhnliches Tempo an den Tag lege. Der gesamte erste Bauabschnitt von der Lünener Straße bis zu Verbindungsweg zwischen Parkfriedhof und Oberaden sei schon abgeräumt und planiert. „In einem solchen Tempo ist das nicht üblich“, sagte Humbach.

Auch die Straßengegner begrüßen die geplante Rückstufung der Schulstraße. Sie sind aber der Meinung, dass sie auch ohne den Bau der L 821n möglich sei. „Wir haben selbst den Antrag gestellt, die Tonnage auf der Straße zu begrenzen“, sagte Humbach. Das sei aber im Rat mit den Stimmen von SPD und CDU abgelehnt worden.

Werner Engelhardt, der Fraktionsgeschäftsführer von BergAUF, verwies darauf, dass Straßen.NRW jede Rückstufung noch vor wenigen Wochen abgelehnt habe. Er habe zu hören bekommen, dass das „gesetzlich nicht möglich“ sei, sagte er. Die jetzigen Pläne widersprächen den früheren Aussagen von Straßen.NRW völlig.

Humbach geht von insgesamt mehr Verkehr aus

Humbach kritisierte, dass auch der Landesbetrieb nicht komplett bestreitet, dass es durch die neue Straße zu Umfahrungsverkehr ums Kamener Kreuz durch Bergkamen führen kann. „Letztlich trifft dann wohl doch die alte Weisheit zu, dass eine neue Straße auch mehr Verkehr anzieht“, sagte er.

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