Frauenpower aus Polen

dzWeltmusik-Konzert im Trauzimmer

Die Band „Same Suki“ bietet beim „Klangkosmos Weltmusik“ ein Konzert mit ungewöhnlichen Instrumenten und eindringlichen Texten.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 09.10.2018, 11:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursprüngliche Rhythmen, experimenteller Gesang und vierfache Frauenpower – mit ihrem Auftritt im Rahmen der Konzertreihe „Klangkosmos“ tauchte die polnische Band Same Suki am Montagabend in eine längst vergangene Zeit ein.

Im exklusiven Kreis von rund 35 Zuschauern erfüllten die Musikerinnen das Trauzimmer an der Marina mit einer ganz besonderen, fast schon mysteriösen Stimmung. Ihren einzigartigen Klang verdankt die Band gleich mehreren traditionellen Folk-Instrumenten.

Im Mittelpunkt stand die namensgebende „Bilgoraj Suka“ von Helena Matuszewska. Ihre Passion für den geigen-ähnlichen Klangkörper mit breitem Steg und weit auseinanderliegenden Saiten hatte die vier Künstlerinnen ursprünglich als Band zusammengeführt. „Es ist ein sehr rohes Instrument, das lange Zeit vergessen war und erst vor etwa 30 Jahren wiederentdeckt wurde“, sagte die ausgebildete Musikerin. Von Anfang an habe sie sich in die ungewöhnliche Akustik der Bilgoraj Suka verliebt. „Sie hat so viel Kraft aufgrund ihrer langen Tradition und gibt mir unglaublich viel Freiheit.“

Zusammen mit Kamila Borowiak am Violoncello, Magdalena Wieczorek-Duchewicz am Mikrofon und Patrycja Napierala an Cajon, Perkussion und Co. verflochten sich die Klänge der Bilgoraj Suka zu einem harmonischen Gesamtbild. Zwar blieb die genaue Bedeutung der polnischen Liedtexte vielen der Gäste im Publikum unbekannt, aber dennoch lauschten sie alle gespannt auf die eigenartigen Melodien. Die abwechslungsreiche Mischung aus kokett ins Mikrofon gesäuselten Versen, A- Capella-Gesangsteilen und lauten, stimmgewaltigen Passagen zog auch ohne Übersetzung in ihren Bann.

Untermalt wurden die ungewohnten Vocals von verspielt gezupften bis dramatisch gestrichenen Einlagen auf dem Violoncello, rasantem Getrommel auf Cajon oder Udo sowie von gelegentlichen Soli auf der Suka. Scheinbar mühelos spielte sich Helena Matuszewska durch Vibratos, komplizierte Griffe und anspruchsvolle Melodien. Mutig experimentierten die Künstlerinnen zudem sowohl mit ihren Instrumenten als auch mit ihren Stimmen. Zwischendurch bauten sie unter anderem Händeklatschen, gelöstes Gelächter oder vogelartige Zwischenrufe in ihre Lieder ein.

Thematisch kreisten die Songtexte von Same Suki einmal rund um ihre Weiblichkeit – mal als Hommage an Lust und Liebe, mal als ernste Kritik an häuslicher Gewalt gegenüber Frauen. „Wir möchten uns mit unserer Musik selbst ausdrücken – das, was in unseren Herzen und Köpfen vorgeht“, sagte Patrycja Napierala. Das Publikum war von dem Auftritt der in Warschau lebenden Polinnen sichtlich beeindruckt.

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