Flüchtlingsfamilie lebt in Mini-Zimmer – und wird davon krank

dzFriedenskirchengemeinde hilft

Die Friedenskirchengemeinde sucht für eine christliche Familie aus dem Iran eine Wohnung. Die Umstände, unter denen sie bisher leben muss, machen die 33 Jahre alte Samira krank.

Bergkamen

, 18.10.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Familie Asaadian besuchen will, muss sich nach ganz unten begeben. Die Familie lebt in einer Souterrainwohnung in der Flüchtlingsunterkunft an der Erich-Ollenhauer-Straße, die sie sich mit einer anderen Familie teilt. Amin Asaadian lebt zusammen mit seiner Frau Samira Cheraghopur und dem vier Monate alten Sohn Edwin in einem Zimmer, das vollgestellt ist mit zwei Bettsofas, Tisch, Stühlen und einer großen Babywiege. Seine 67 Jahre alte Schwiegermutter Soraya wohnt in einem kleineren Zimmer nebenan. Die Küche teilen sie sich mit einer anderen Familie, die in der Wohnung lebt.

Vom Islam zum Christentum konvertiert

Die Familie ist im vergangenen Jahr Hals über Kopf aus ihren Heimatland geflohen. Sie ist heimlich vom Islam zum Christentum konvertiert. Das ist im streng islamischen Islam bei Strafe verboten. Im vergangenen Jahr habe der iranische Geheimdienst die Hauskirche aufgespürt, zu der die Familie regelmäßig gegangen ist, berichtet Amin Asaadian. Bei den Hauskirchen handelt es sich um christliche Gemeinden, die sich im geheimen treffen. Asaadian ging davon aus, dass der Geheimdienst auch die Namen der Gemeindemitglieder herausbekommt. „Wir hatten Angst um unser Leben“, sagt er.

Flüchtlingsfamilie lebt in Mini-Zimmer – und wird davon krank

Die Familie irrte tagelang durch die Wälder im Grenzgebiet zwischen Bosnien und Kroatien. © privat

Flucht Hals über Kopf aus der Heimat

Hals über Kopf machte er sich zusammen mit Frau und Schwiegermutter zusammen von der südiranischen Millionenstadt Schiraz über die Türkei auf in Richtung Europa. Die Flucht war beschwerlich. Allein fünf Tage lang irrten die Flüchtlinge allein durch ein Waldgebiet an der bosnisch-kroatischen Grenze. „Wir hatten nichts zu essen und haben das Wasser getrunken, mit dem sich unsere T-Shirts vollgesaugt haben“, berichtet der 33-Jährige. Allein die Kreuze, die er hin und wieder auf Berggipfeln gesehen hat, haben ihm Hoffnung gegeben.

Flüchtlingsfamilie lebt in Mini-Zimmer – und wird davon krank

Praktisch die gesamte Ausstattung des Zimmers stammt aus Spenden von Mitgliedern der Friedenskirchengemeinde. © Boyrs Sarad

Frau leidet wegen Wohnsituation unter Depressionen

Jetzt lebt die Familie mit dem vor vier Monaten in Dortmund geborenen Edwin in Bergkamen in der Flüchtlingswohnung. Eine Situation, die vor allem für die ebenfalls die 33 Jahre alte Samira unerträglich ist. Sie leidet unter Depressionen und bricht während eines Gesprächs immer wieder unvermittelt in Tränen aus. Ihr Mann, der fließend Englisch und schon etwas Deutsch spricht, zeigt Atteste einer Bergkamener Frauenärztin. Sie besagen, dass die Frau aus der Wohnsituation heraus muss, wenn sie von den Depressionen geheilt werden soll.

Im Iran ging es der Familie gut, schildert ihr Mann. Er selbst ist Bauingenieur, seine Frau Lehrerin. „Wir hatten eine schöne Wohnung, ein Auto, alles“, sagt er.

Jetzt lesen

Gemeinde sucht eine Wohnung

Damit die Situation im hier und jetzt besser wird, will die evangelische Friedenskirchengemeinde helfen. Nachdem alle Versuche bei der Stadt Bergkamen gescheitert sind, eine eigene Wohnung für die Familie zu bekommen, hat die Gemeinde im jüngsten Newsletter einen Aufruf veröffentlicht. Amin Asaadian hat jetzt zumindest die Arbeitserlaubnis bekommen. Jetzt sucht die Gemeinde eine bezahlbare Wohnung für sie.

Wohnungssuche

Informationen an Pfarrer Hielscher und Maties

  • Wer bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung für die Familie helfen kann, soll sich bei der Friedenskirchengemeinde melden.
  • Informationen nehmen Pastor Frank Hielscher von der Thomaskirche in Overberge und Pastor Christoph Maties von der Auferstehungskirche in Weddinghofen entgegen.
  • Hielscher ist unter Tel. (02307) 984196 und Maties unter Tel. (02307) 60283 zu erreichen.

Die Familie aus dem Iran engagiert sich dort intensiv: Amin Asaadian hilft bei der Vorbereitung von Gottesdiensten. Die Familie wirkt an Zusammenkünften von Christen aus dem Iran mit und singt im Chor „GospelCrossOver“ mit.

Amin Asaadian hat auch noch ein Problem bei der Suche nach einem Job: Er hat Deutsch bisher nur über das Internet gelernt. Einen offiziellen Sprachkurs bewilligt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht, weil die Familien noch keinen Aufenthaltsstatus hat.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Zehn Jahre Ehrenamt

Anderen helfen ist heute nicht mehr angesagt: Dieses Team macht‘s trotzdem gerne

Hellweger Anzeiger Barrierefrei

Im neuen Bergkamener Rathaus soll es keine Hindernisse für Behinderte mehr geben

Meistgelesen