Als Mohammad Daoud als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland kam, hat er viel Hilfe erfahren. Die gibt er nun zurück: Er engagiert sich als Sanitäter beim DRK und hat gelernt, Leben zu retten.

Bergkamen

, 24.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mohammad Daoud hat im Dezember seinen ersten Einsatz als ehrenamtlicher Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes Bergkamen absolviert. Im Westfalen-Stadion des BVB. „Ich war vorher schon aufgeregt“, sagt der 33-Jährige. Denn der Ernstfall ist doch etwas Anderes als die Ausbildung, die er dafür absolviert hat. Daoud war natürlich nicht allein, sondern wurde von erfahrenen DRK-Helfern begleitet. Aber sein Engagement im Sanitätsdienst ist schon etwas Außergewöhnliches: Mohammad Daoud ist im Sommer 2015 nach Deutschland gekommen. Als Flüchtling. Aus Syrien.

Er wollte keine Menschen töten

Mohammad Daoud stammt aus Aleppo, einer Millionenstadt im Norden des Landes. Wegen des Bürgerkrieges hatte er keine Alternative, seine Heimat zu verlassen. „Entweder hätte mich die staatliche Armee eingezogen“, sagt er. Oder er hätte für die Rebellen kämpfen müssen: „Ich will aber keine Menschen töten.“ So schlug er sich über die Türkei und Griechenland nach Deutschland durch. Erst kam er nach Neumarkt in der Oberpfalz. 2017 zog er dann nach Bergkamen. Hier lebt er mit seiner Frau und den beiden zwei und vier Jahre alten Töchtern, die beide in Deutschland geboren wurden.

Mohammad Daoud kam als Flüchtling und rettet heute als Rot-Kreuz-Sanitäter Leben

Mohammad Daoud hat eine gründliche Ausbildung als Sanitäter erfahren. © Marcel Drawe

Daoud, der in Syrien als Englisch-Lehrer gearbeitet hat, spricht inzwischen sehr gut Deutsch. Das hat er unter anderem bei den Sprachkursen der Volkshochschule Bergkamen gelernt. Im VHS-Gebäude „Treffpunkt“ knüpfte er auch erste Kontakte zum DRK Bergkamen. „Ich habe der Kursleiterin gesagt, dass ich mich ehrenamtlich engagieren möchte, um etwas von der Hilfe zurückzugeben, die ich bekommen habe“, berichtet er. Die Sprachlehrerin wies ihn darauf hin, dass das DRK gerade eine Blutspende im Treffpunkt abhalte. Daoud sprach die DRK-Helfer an und die schickten ihn zum Gruppenabend des Sanitätsdienstes im DRK-Heim am Stadion, das direkt gegenüber des Treffpunktes liegt.

Für das DRK ist Mohammad Daoud ein Glücksfall

„Ich kann mich noch genau erinnern, wie er hier zur Tür reinkam und sagte: ,Ich will bei Euch mitmachen‘“, sagt Rotkreuzleiter Christian Thomé. Auch Daoud fühlte sich beim DRK gleich willkommen. Ein bisschen Erfahrung in Sachen Ehrenamtlichkeit hatte er schon: „In Syrien habe ich mich beim kurdischen Roten Halbmond engagiert“, sagt er. Dort hat er Kleidung und Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Aber so etwas wie den ehrenamtlichen Sanitätsdienst gibt es in Syrien nicht.

Mohammad Daoud kam als Flüchtling und rettet heute als Rot-Kreuz-Sanitäter Leben

Mohammad Daoud hat gelernt, mit der Sanitäter-Ausrüstung umzugehen. © Marcel Drawe

Daoud erwies sich bei der Ausbildung als gelehriger Schüler, berichtet Thomé. Er freut sich natürlich über das Engagement von Daoud. Nicht nur, weil er jede Frau und jeden Mann im Sanitätsdienst gebrauchen kann. Sondern auch, weil Daoud Kenntnisse mitbringt, über die nicht jeder DRK-Sanitäter verfügt. Er spricht Arabisch, Kurdisch und Englisch, was die Verständigung in einer multikulturellen Region wie dem Ruhrgebiet erleichtert. So gehört Daoud dann auch zu einer Einheit des Sanitätsdienst, die im Fall von größeren Unglücken wie Großbränden oder einem Busunfall bereitsteht, um sich um Menschen zu kümmern, die zwar körperlich unverletzt geblieben sind, aber dennoch Betreuung benötigen.

Ein muslimischer Sanitäter kann auch Weihnachten Dienst tun

Und dass Daoud sowie einige andere DRK-Helfer Muslim ist, sieht Thomé ganz pragmatisch: „Ich finde es natürlich praktisch, wenn ein Moslem aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit Dienste an Weihnachten übernehmen kann, dafür müssen wir Christen im Gegenzuge dann aber auch die Dienste im Fastenmonat Ramadan oder an muslimischen Feiertagen wie dem Opferfest übernehmen.“ Im gegenseitigen Austausch könnten zudem alle voneinander lernen. Laut Thomé vermisst es auch keiner, dass es bei der Verpflegung der Sanitäter nun kein Schweinefleisch mehr gibt: „Rind schmeckt ohnehin besser.“

Mohammad Daoud kam als Flüchtling und rettet heute als Rot-Kreuz-Sanitäter Leben

Im Ernstfall können Mohammad Daoud (3.v.l.) und die anderen DRK-Sanitäter Leben retten. © Marcel Drawe

Daoud will im neuen Jahr die nächste Stufe der Sanitäterausbildung absolvieren, um noch für mehr Einsätze verfügbar zu sein. Die entsprechenden Schulungen hat er schon hinter sich und er ist optimistisch, dass er auch die Prüfung im Januar bestehen wird.

Mohammad Daoud würde gerne wieder als Lehrer arbeiten

Außerdem will er sich nicht nur ehrenamtlich engagieren, sondern sucht auch eine berufliche Perspektive. Am liebsten würde er wieder in seinem Beruf als Lehrer arbeiten und Sprachkurse geben. Nachdem er an einem Eignungstest an der Ruhr-Universität teilgenommen hat, stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht. Als Alternative strebt Daoud eine Ausbildung zum Bürokaufmann an.

Doch unabhängig davon, wie es für ihn beruflich weitergeht, er will nach Möglichkeit in Bergkamen bleiben.

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Hier gefällt es ihm, die meisten Menschen seien offen und freundlich zu ihm. Und Mohammad Daoud will sich ja auch weiter im Sanitätsdienst des DRK engagieren. Bei seinem Premieren-Einsatz im Stadion hat er das 5:0 des BVB gegen Düsseldorf erlebt. Sonst blieb alles ruhig. Die Sanitäter aus Bergkamen hatten nicht viel zu tun. Eigentlich sei das ja gut, meint Daoud: „Aber es war fast ein bisschen langweilig.“

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