Florian Schroeder kommt nach Bergkamen. Der Kabarettist hat Aufsehen erregt, als er bei einer „Querdenker“-Demo den Corona-Leugnern die Meinung sagte. Wir haben mit ihm gesprochen.

Bergkamen

, 22.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Florian Schroeder, der am Freitag, 25. September, in Bergkamen auftritt, kennen seit kurzem auch viele Menschen, die mit Kabarett nicht ganz so viel am Hut haben. Er trat im August bei einer „Querdenker“-Demonstration in Stuttgart auf - allerdings in einem ganz anderen Sinne als von den Veranstaltern gedacht. Er las den Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern die Leviten und erklärte ihnen, dass er Covid-19 für eine gefährliche Krankheit halte. So viel Meinungsfreiheit müssten die Demonstranten aushalten - was diese eher nicht taten. Außerdem bekam Schroeder bei der Demonstration zunächst viel Applaus, weil er Fehler des Robert-Koch-Institutes kritisierte - um dann zu erläutern, dass er diese Informationen aus den von den „Querdenkern“ so verachteten klassischen Print-Medien habe. Wir haben mit Florian Schroeder vor seinem Auftritt in Bergkamen gesprochen.

Herr Schroeder, wie kam es zu ihrem Auftritt bei der „Querdenker“-Demonstration in Stuttgart?

Ich habe in einer Fernsehaufzeichnung des NDR einen Verschwörungsideologen gespielt und mich an der Grenze entlang gehangelt, an der auch die Ideologen selbst entlang marschieren, nämlich knapp zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Wahrheit und Wahnsinn. Das war aber trotzdem eindeutig als Satire zu erkennen. Die „Querdenker“ haben das Ganze aber ernst genommen und mich eingeladen. Die dachten: Ich bin einer von ihnen.

Die „Querdenker“ hielten Florian Schroeder für einen von ihnen: Er hatte in einer Satiresendung im Fernsehen einen Verschwörungsideologen gespielt.

Die „Querdenker“ hielten Florian Schroeder für einen von ihnen: Er hatte in einer Satiresendung im Fernsehen einen Verschwörungsideologen gespielt. © picture alliance/dpa

Sie haben eine Rede gehalten bei der Demonstration und den Menschen den Spiegel vorgehalten. Irgendwann haben die dann ja gemerkt, dass ist ja gar keiner von uns. Wie war das?

Der Moment, in dem sie das gemerkt haben, kam relativ schnell. Die spannende Erfahrung war, einmal nicht vor dem eigenen Chor zu predigen. Zu wissen, dass es nicht das klassische Publikum gibt, das mich erwartet, sich freut, dass ich komme, und mir applaudiert. Sondern zu gucken, wie es ist, wenn man die Nahbegegnung mit dem Fremden wagt.

Florian Schroeder


Es gibt noch Karten

  • Für den Auftritt von Florian Schroeder am Freitag, 25. September, um 20 Uhr im studio theater gibt es noch Karten.
  • Sie kosten 17 Euro, 15 Euro (ermäßigt 12 Euro) oder 13 Euro (ermäßigt 10 Euro).
  • Erhältlich sind sie im Kulturreferat unter Tel. 02307/965 464 oder per E-Mail a.mandok@bergkamen.de .

Und was war das für eine Erfahrung?

Sehr positiv. Man hat mich ausreden lassen. Die Nummer hat funktioniert. Das war eine sehr gute Erfahrung. Es ist auch alles so aufgegangen, wie ich es gedacht habe. Was ich zeigen wollte: Die Meinungsfreiheit der „Querdenker“ ist gar nicht so groß, wie sie selbst es immer behaupten. Das hat sich dann ja sehr deutlich gezeigt.

Florian Schroeder tritt auch bei großen TV-Shows auf. Hier zum Beispiel bei „Mensch Gottschalk“ auf RTL.

Florian Schroeder tritt auch bei großen TV-Shows auf. Hier zum Beispiel bei „Mensch Gottschalk“ auf RTL. © picture alliance/dpa

Wirkt sich diese Erfahrung auch auf ihr Programm „Neustart“ aus, mit dem Sie in Bergkamen auftreten?

Das wirkt sich nicht unmittelbar aus: Die Nummer, die ich da gemacht habe, war einmalig, die hat in einem klassischen Programm nichts verloren. Auf meine Arbeitsweise wirkt es sich aber schon aus: So habe ich noch mehr Spaß daran, einen doppelten Boden einzuziehen und Menschen zu irritieren.

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Aber ihr Publikum in Bergkamen kann sich schon darauf einstellen, dass es Pointen über Corona und über die Verschwörungstheoretiker zu hören bekommt?

Ich habe versucht, das Programm so aufzubauen, dass Corona in dem Maße vorkommt, wie es im Moment aktuell ist. Auch Verschwörungsideologien kommen vor. Aber was mir wichtig ist: Es ist kein reines Corona-Programm.

„Das ist ein Neustart der Solidarität“
Florian Schroeder

Es gibt genügend andere Themen, über die man reden muss. Und die Leute sollen ja auch einmal befreit lachen, jenseits dieses Themas. Wenn wir uns nicht davon beherrschen lassen wollen, dann muss auch ich als Unterhalter dazu beitragen.

Florian Schroeder war 2018 schon einmal zu Gast in Bergkamen. Damals trat ergemeinsam im Volkmar Staub im ausverkauften studio theater auf.

Florian Schroeder war 2018 schon einmal zu Gast in Bergkamen. Damals trat er gemeinsam im Volkmar Staub im ausverkauften studio theater auf. © Stefan Milk

Sie treten am Freitag im studio theater auf, in dem es 415 Plätze gibt, in das aber wegen Corona nur maximal 284 Zuschauer kommen dürfen. Verändert das einen Aufritt, wenn man vor einem halbleeren Haus spielt?

Das ist natürlich nicht einfach. Ich bin schon einmal vor einigen Jahren in Bergkamen aufgetreten, da war das studio theater ausverkauft. Wenn nicht so viele Leute kommen, weiß ich das zu nehmen, weil sich noch nicht so viele Zuschauerinnen und Zuschauer trauen, rauszugehen. Was ich gut verstehe.

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Insofern ist das ein Neustart der Solidarität. Natürlich ist es schöner, wenn die Leute zusammensitzen und sich beim Lachen gegenseitig anstecken. Aber das geht nun mal jetzt nicht. Da müssen wir gemeinsam durch.

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