Viele Menschen versuchen, sich auch im Alter noch möglichst fit zu halten. Ohne Fitnessstudios oder Kurse im Verein ist das aber gar nicht so einfach. Auch soziale Kontakte brechen weg. Die Fitnessstudios kommen in den aktuellen Diskussionen um Corona-Lockerungen trotzdem kaum zur Sprache. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
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Fitnessstudios bleiben dicht: Vor allem eine Gruppe leidet

Bewegung ist wichtig für die Gesundheit, das weiß man. Doch die Fitnessbranche kommt in den aktuellen Corona-Diskussionen kaum vor. Vor allem für Senioren ist das fatal.

„Viele warnen davor, dass jetzt die Kranken von morgen gezüchtet werden“, Thomas Kiefer, der Inhaber des Fitnessstudios Fitplus ist, sorgt sich um seine Mitglieder.

Immer wieder bekommt er mit, dass sie Rehasport buchen müssen, weil sie Leiden entwickelt haben. Zum Beispiel, weil sie ihr neues Knie nicht mehr trainieren können. „Sie können nichts mehr machen und holen sich eine Verordnung von der Krankenkasse für Rehasport“, sagt Kiefer.

Mit einem Rehatherapeuten dürfen sie dann gemeinsam im Fitplus trainieren, das bis auf die wenigen Rehasportler immer noch leer und einsam wirkt. Seit über sechs Monaten ist das Studio schon dicht und in den aktuellen Diskussionen um neue Beschlüsse tauchen Fitnessstudios bislang nicht explizit auf. Erst ab bestimmten Inzidenzwerten könnte Sport in Fitnessstudios wieder erlaubt sein. Vorher wird wohl Sport im Freien möglich sein.

Fitnessstudios sind schon lange keine Muckibuden mehr

Kiefer und seine Kollegen in der Branche würde das hart treffen, überraschend kommt das aber nicht. Schon Anfang des Jahres sagte Kiefer, dass er erst mit einer Öffnung um Ostern herum rechnet. Und damit könnte er recht haben. Kiefer ärgert, dass Fitnessstudios noch immer der Freizeitbranche zugeordnet werden.

Thomas und Carola Kiefer möchten die Eindämmung des Coronavirus unterstützen und akzeptieren die Schließung. Darüber, wie einiges gelaufen ist, ärgern sie sich trotzdem. © Claudia Pott © Claudia Pott

„Dabei hat sich in den Studios viel geändert. Viele denken immer noch an Muckibuden, aber die Hauptkundschaft und das Hauptziel ist mittlerweile ganz anders“, erklärt er.

Hunderte Rehasportler seien im Fitplus angemeldet, es gehe um Gesundheit und vor allem für Senioren ist das Fitnessstudio auch ein sozialer Treffpunkt und Bestandteil des Tagesablaufes – bzw. war. Denn Kiefer und seine Frau hegen die Sorge, dass nicht alle Senioren wieder in diesen Rhythmus zurückkehren werden.

Überbrückungshilfe 3 erreicht die Fitnessstudios rechtzeitig

Es ist übrigens diese Sorge, die den Studioinhaber gerade besonders umtreibt, denn was das Finanzielle angeht, findet er lobende Worte. Nachdem die Novemberhilfe erst Anfang Februar gekommen war, hat ihn die sogenannte Überbrückungshilfe 3 für Januar, Februar und März schnell erreicht.

Das ermöglicht es Kiefer, die Beträge der Mitglieder weiterhin nicht abzubuchen, obwohl er sogar das Recht dazu hätte. „Wir wollen das nicht auf dem Rücken der Mitglieder austragen“, sagt er.

Genau so sieht es Thomas Jobling vom Fitnesstreff California am Hafenweg. Auch er kassiert seit Monaten keine Beiträge. Und auch er ist besonders besorgt um die älteren Mitglieder, die Angst haben könnten, wieder mit dem Sport zu starten. „Sie sind jetzt aus dem Rhythmus raus“, sagt Jobling.

Besonders in den kalten Monaten sei das ein Problem gewesen. „Jetzt wo das Wetter besser ist, geht es wieder“. Er rät, jetzt viel an die frische Luft zu gehen und sich so gut wie möglich zu bewegen. Seit 35 Jahren gibt es das California nun schon in Bergkamen – aber so eine Krise hat Jobling noch nicht erlebt.

Folgen der Krise werden erst nach und nach sichtbar

Jobling erklärt auch, warum die Folgen der Krise für die Fitnessbranche erst noch sichtbar werden: „Ein Jahr lang sind keine neuen Mitglieder dazugekommen und die Abwanderung ist trotzdem da“. Dass Mitglieder kündigen sei ganz normal, aber die Neuanmeldungen fangen das normalerweise wieder auf. Die fehlen nun.

„Wir haben keine Chance, Neue aufzunehmen“, sagt Jobling. Ein Probetraining vor Ort, bei dem das Studio und die Atmosphäre gezeigt werden können, das ist aktuell nicht möglich. Sobald das California wieder öffnen darf, wird es aber da sein – und zwar blitzeblank, weil Jobling und sein Team die Zeit nutzen, um das Studio etwas auf Vordermann zu bringen. Vor dem Aus ist es trotz der schwierigen Situation nicht: „Wir bleiben am Ball.“

Auch Sportvereine sorgen sich um ältere Mitglieder

Übrigens sorgen sich nicht nur die Fitnessstudio-Inhaber um ihre älteren Kunden, sondern auch Vereine. Denn noch ist Hallensport in der Gruppe nicht erlaubt und somit auch keine Kurse wie zum Beispiel „Gymnastik 50+“ oder Line Dance beim TuS Weddinghofen.

Der Verein bietet zwar Online-Kurse für die Mitglieder an, aber die decken nicht das ganze umfangreiche Programm an, das sonst wöchentlich stattfindet. Die Geschäftsführerin Ellen Wiemhoff hat die Sorge, dass nicht alle Älteren nach dem Lockdown wiederkommen.

Viele Ältere hätten nicht die technischen Voraussetzungen, um Online-Kurse mitzumachen und bewegen sich jetzt weniger. Beim Sport würden zum Beispiel auch die Fallprophylaxe, die Balance und die Koordination trainiert. Das bleibt jetzt auf der Strecke und es wird nicht für alle einfach sein, wieder ins Training zu kommen.

Der Verein TuS Weddinhofen bietet viele Kurse an, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und auch Senioren. Um die letzten ist der Verein besonders besorgt. Sport hält sie sonst fit. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Auch auf den Tagesablauf hat das Auswirkungen, wie Wiemhoff selbst erlebt. Sie hat normalerweise feste Zeiten, an denen sie bestimmte Kurse mitmacht. Sich ohne den festen Rhythmus zu motivieren sei nicht immer einfach. Sie rät, sich ein Programm mit festen Zeiten zu überlegen, an das man sich auch hält.

Doch auch sie hofft, dass es bald wieder losgehen kann. Dann ist es auch schwerer, Ausreden zu finden. „Wenn man zum Beispiel Fahrgemeinschaften bildet, kommt man schlecht wieder aus der Nummer raus“, schmunzelt sie. Und das ist auch gut so – für den Körper und die Seele.

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott
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