Die Fälle, in denen die Feuerwehr für Rettungskräfte Haus- und Wohnungstüren öffnen muss, häufen sich. Das hat auch damit zu tun, dass immer mehr ältere Menschen allein leben.

Bergkamen

, 19.08.2019, 14:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am vorvergangenen Samstag hatte die Einheit Mitte der Bergkamener Feuerwehr eine unruhige Nacht. Um 0.05 Uhr wurde sie zu einem Einsatz in der Nähe der Mergelkuhle gerufen. Dort befand sich eine Person in einer Wohnung und konnte die Tür nicht mehr selbst öffnen. Die Feuerwehr brach die Tür gewaltsam auf und übergab die Person dem Rettungsdienst.

Zweiter Einsatz in einer Nacht

Die Feuerwehrleute dürften kaum in den Schlaf gefunden haben, als sie schon zum nächsten, ähnlichen Einsatz gerufen wurden. Bewohner eines Hauses am Fuße des Nordbergs hatten um kurz vor sechs Uhr Hilferufe aus einer Wohnung gehört. Diesmal kam die Feuerwehr durchs Fenster, öffnete die Tür für den Rettungsdienst und half danach noch beim Tragen der hilflosen und kranken Person.

Türöffnungen im Schnitt ein- bis zweimal in der Woche

Einsätze wie diese werden immer zahlreicher für die Feuerwehr, sagt Stadtbrandmeister Dirk Kemke – auch wenn es noch ein Zufall ist, dass sie dazu gleich zwei Mal in einer Nacht ausrücken muss. Immer häufiger wird die Freiwillige Feuerwehr zu solchen Einsätzen gerufen, die in der offiziellen Feuerwehr-Sprache „Person hinter verschlossener Tür“ heißen. „Im Schnitt haben wir ein bis zwei solcher Einsätze“ sagt Kemke, der die Entwicklung schon über die vergangenen 10 bis 15 Jahre beobachtet.

Immer mehr ältere Menschen leben allein

Dafür gibt es nach Ansicht des Bergkamener Feuerwehrchefs mehrere Ursachen. Die Menschen werden im Schnitt immer älter und immer mehr Menschen leben auch im Alter noch allein. „Oft ist das soziale Umfeld nicht mehr da, das sich regelmäßig um die Menschen kümmert“, sagt er. Notfälle bleiben unbemerkt – bis Nachbarn oder Angehörigen auffällt, dass sie schon länger nichts mehr von dem älteren Menschen gehört haben.

Feuerwehr muss immer häufiger in Wohnungen einbrechen

Auch wenn jemand den Hausnotruf betätigt, aber die Tür nicht selbst öffnen kann, wird die Feuerwehr alarmiert. © pa/obs Thüga AG

Alarm durch das Hausnotrufgerät

Im besseren Fall haben alleinlebende ältere Menschen ein Hausnotrufgerät. Das sind Geräte, die sie um den Hals tragen können, mit einem Notrufknopf. Wenn ältere Menschen zum Beispiel stürzen und nicht mehr bis zur Tür oder zum Telefon kommen, können sie den Knopf drücken. Über das Telefonnetz geht dann ein Alarm bei der Hausnotrufzentrale ein, die den Rettungsdienst und die Feuerwehr verständigt.

Sicherheitstüren stellen Feuerwehr vor Probleme

Das Sicherheitsbedürfnis vieler älterer Menschen stellt die Feuerwehr dabei oft vor Probleme. Grundsätzlich kommt sie zwar in jede Wohnung, aber der Aufwand ist unterschiedlich groß. „Wir versuchen dabei so wenig Schaden wie möglich anzurichten“, sagt Kemke – auch wenn die schnelle Rettung immer die höchste Priorität hat.

Zur Not kommt die Feuerwehr durchs Fenster

Wenn die Feuerwehr vor einer modernen Sicherheits-Wohnungstür steht, bei der am Rahmen mehrere Sicherheitsverriegelungen einrasten, suchen die Feuerwehrleute oft nach anderen Möglichkeiten, ins Haus oder in die Wohnung zu kommen. „Wir schauen zum Beispiel nach, ob es ein Fenster gibt, das auf Kipp steht“, erläutert Kemke. Zur Not bricht die Feuerwehr auch ein Fenster auf, wenn das leichter ist, als die Wohnung zu öffnen.

Jedes Löschfahrzeug hat den passenden Werkzeugsatz

Für solche Einsätze ist auch jedes Löschfahrzeug mit einem Werkzeugsatz ausgerüstet, mit dem die Feuerwehr im Notfall Wohnungs- und Haustüren öffnen kann. Zu den Werkzeugen gehört auch ein sogenanntes „Halligan-Tool“, das die Feuerwehr einsetzt, wenn sie nur noch mit relativ brachialer Gewalt zum Ziel kommt und es schnell gehen muss. Dabei handelt es sich um eine Art spezieller und aufgerüsteter Brechstange.

Meist kommt die Feuerwehr aber ohne Gewaltanwendung in die Wohnung. „Wir haben mittlerweile schon viel Erfahrung mit unterschiedlichen Türen“, sagt Kemke. Die Polizei ist übrigens immer dabei, wenn die Feuerwehr einbrechen muss – denn schließlich ist ein Einbruch in eine Wohnung ein erheblicher Eingriff in die Grundrechte. Außerdem ist die Polizei als Absicherung für die Feuerwehrleute dabei. Hinter der Tür kann auch ein bissiger Hund warten – oder jemand, der ich verschanzt hat.

Wir wissen nie, was auf uns wartet“

Die Einsätze sind für die Feuerwehrleute belastend, sagt der Stadtbrandmeister. „Wir wissen ja nie, was hinter der Tür auf uns wartet.“

Feuerwehr muss immer häufiger in Wohnungen einbrechen

Der Oberadener Teleskopmast kommt oft zum Einsatz, wenn Kranke oder Verletzte vom Rettungsdienst nicht durchs Treppenhaus getragen werden können.

Teleskopmast bei Rettung oft im Einsatz

Gelegentlich muss die Feuerwehr dem Rettungsdienst auch Hilfe leisten, Personen aus der Wohnung zu bekommen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Person zu schwer ist und das Treppenhaus zu eng, um sie auf einer Trage zum Rettungswagen zu bringen.

In diesen Fällen kommt oft der Teleskopmast der Einheit Oberaden zum Einsatz – oft sogar außerhalb von Bergkamen, weil er für solche Einsätze oft besser geeignet ist, als herkömmliche Drehleitern. Der Korb hat eine maximale Traglast von 450 Kilogramm. Außerdem ist der Teleskopmast flexibler als ältere Drehleitern und lässt sich zum Beispiel näher an ein Fenster heranmanövrieren.

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