Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Spezialeinheiten der Feuerwehr: Ein Chlorgasaustritt bringt immer ein großes Kräfteaufgebot mit sich. © Stephanie Tatenhorst
ABC-Alarm

Feuerwehr eilt wegen Chlorgasaustritt zum Wellenbad

Stadtalarm für die Freiwillige Feuerwehr Bergkamen sowie Kräfte aus Lünen und Werne: Am Wellenbad war die automatische Chlorgaswarnanlage angeschlagen. Eine Personal- und Materialschlacht.

Der Parkplatz des Wellenbades war an diesem Donnerstagabend von Feuerwehrfahrzeugen besetzt: Die automatische Chlorgaswarnanlage hatte angeschlagen und damit einen Großeinsatz für die Feuerwehr ausgelöst.

Es war nicht der erste Alarm dieser Art am Wellenbad, weshalb der Einsatz absolut routiniert ablief. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Chlorgas reagiert mit Wasserstoff zu Salzsäure, und weil Augen und Schleimhäute immer feucht sind, ist ein Kontakt mit Chlorgas immer gefährlich. Selbstschutz stand für die Feuerwehrleute daher an erster Stelle. In den Chemikalienschutzanzügen lässt sich unter Atemschutz und mit den schweren Pressluftflaschen auf dem Rücken nicht lange Arbeiten. Zudem müssen die Feuerwehrleute vor dem Entkleiden in kompletter Montur von einer möglichen Kontamination reingewaschen werden.

Der Abrollcontainer mit den Komponenten zur Dekontamination ist bei der Feuerwehr Lünen stationiert. Bei einem Chemikalieneinsatz kann er mit wenigen Handgriffen in eine Dusche umfunktioniert werden. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Eine Chlorgasalarmierung ist somit immer eine Personal- und Materialschlacht – unabhängig davon, ob es sich um einen Fehlalarm oder einen tatsächlichen Austritt von Chlorgas handelt.

Zunächst wurde eine Art Wasserwand installiert, damit möglicherweise aus dem Gebäude austretende Chlorgase gleich niedergeschlagen werden konnten. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Um was es sich handeln würde, wusste die Feuerwehr bei der Alarmierung um 19.47 Uhr natürlich nicht und ging sicherheitshalber vom Schlimmsten aus. Zu den 85 Kräften aus Bergkamen kamen noch 25 aus Lünen und weitere aus Werne.

Aus Selbstschützgründen müssen die Feuerwehrleute bei Chlorgas einen Chemikalienschutzanzug tragen. Das ist enorm anstrengend, weshalb die Kräfte oft ausgetauscht werden müssen. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

In Lünen ist die Abrollkomponente Dekontamination des Kreises Unna stationiert und die rückte samt Besatzung an. In Windeseile waren die Rollcontainer abgeladen und der Abrollbehälter in eine Dusche verwandelt. Der früher übliche Aufbau von Zelten und Schutzwannen, die das kontaminierte Wasser auffingen, kann dadurch entfallen.

Keine Personen in Gefahr

Zudem rückte der Fernmeldedienst des Kreises Unna mit dem großen Einsatzleitwagen an. Glück hatte die Feuerwehr, dass sich zum Zeitpunkt des Alarms niemand mehr im Wellenbad aufgehalten hatte. Der Einsatz kam nach der Schließung des Bades. Die Mitarbeiter der GSW hatten gerade Feierabend machen wollen. Bei ihrem letzten Kontrollblick zehn Minuten zuvor hatten sie nichts außergewöhnliches festgestellt. So waren keine Menschen in Gefahr und das Bad musste nicht evakuiert werden.

Schon beim Anziehen benötigen die Kräfte in den Anzügen Hilfe. Ist der Einsatz für sie beendet, müssen sich gründlich abgeschrubbt werden, bevor sie die Schutzmontur ablegen können. © Stephanie Tatenhorst © Stephanie Tatenhorst

Dennoch dauerte es bis 21.43 Uhr, bis Feuerwehr-Pressesprecher Patrick Gundlach endgültig Entwarnung geben konnte. Es war zwar eindeutig Chlorgas ausgetreten, wahrscheinlich über die Ventile, aber auch wenn die Ursache zunächst unbekannt blieb: Nach der Kontrolle der Flaschen und Räumlichkeiten durch die Feuerwehr zeigten die Messgeräte keine kritischen Werte mehr an. Die Gefahr war gebannt und die Feuerwehr übergab an die Wartungsfirma, die nun nochmals alles genau kontrollieren wird.

Einheit Overberge übernahm den Grundschutz

Während des Einsatzes hatte die Einheit Overberge Stellung im Gerätehaus Weddinghofen bezogen und wäre für einen weiteren Einsatz im Stadtgebiet mit der Drehleiter Weddinghofen und dem HLF aus Oberaden für technische Rettungen ausgerückt.

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