„Familienaktivist“ protestiert vorerst nicht im Bergkamener Rathaus – Verfahren läuft noch

dzVerfahren um Elfjährigen

Es gibt noch keine Gerichtsentscheidung über einen Elfjährigen, den das Jugendamt von seiner Mutter weggenommen hat. Ein protestierender „Familienaktivist“ hat seinen Besuch im Rathaus vorerst verschoben.

Bergkamen

, 23.01.2020, 14:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Familiengericht, das entscheiden muss, ob ein Elfjähriger endgültig seiner Mutter weggenommen wird, hat noch kein Urteil getroffen. Das Gericht vertagte die Entscheidung nach der ersten Verhandlung. Es will jetzt den Jungen selbst anhören, bevor es eine Entscheidung trifft, wie Bürgermeister Roland Schäfer mitteilte.

Der Fall hat vor allem deshalb Aufsehen erregt, weil ein Mann namens Johannes H. Schumacher sich eingeschaltet hat, der in der Nähe von Aachen lebt. Schumacher bezeichnet sich selbst als „Familienaktivist“ und „freier Journalist“ sowie nach Angaben der Stadt in Nachrichten auch als „christlicher Beistand“. Laut seiner Facebook-Seite hat er sich quer durch die Republik in Fällen engagiert, die er für „Kindesentziehung“ hält.

Gericht entscheidet, ob Kind auf Dauer von Mutter getrennt wird

Das Gericht muss entscheiden, ob die im Amtsdeutsch „Inobhutnahme“ genannte Wegnahme des Elfjährigen von der Mutter von Dauer ist. Nach Angaben des Bürgermeisters ist das Anhören des Kindes ein normaler Vorgang und deute nicht darauf hin, dass das Gericht Zweifel an der Entscheidung des Jugendamtes hat. Er ist sich sicher, dass das Gericht die Anordnung des Jugendamtes bestätigt.

Der Elfjährige war vom Bergkamener Jugendamt wegen „massiver Kindeswohlgefährdung“ von der Mutter weggenommen worden. Aufgrund des Zustandes des Kindes strebt das Jugendamt eine dauerhafte Unterbringung bei einer Familie oder in einem Heim an.

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Offenbar hat der Fall eine mehrjährige Vorgeschichte. Es soll häufiger Beschwerden von Nachbarn beim Jugendamt wegen des Umgangs der Mutter mit dem Jungen gegeben haben. Nähere Einzelheiten will die Stadt aus Datenschutzgründen und weil es sich um ein schwebendes Verfahren vor Gericht handelt, nicht nennen.

Aktivist kommt aus gesundheitlichen Gründen nicht

Schumacher betrachtet die Wegnahme des Kindes offenbar als Kindesentziehung. Er hatte bereits für die vorvergangene Woche angekündigt, das Rathaus zusammen mit betroffenen Müttern zu besuchen. Wegen des Gerichtstermins hatte er die Aktion eigentlich auf diese Woche Mittwoch verschoben. Nach Angaben von Sozialdezernentin Christine Busch hat es eine ähnliche Aktion von Schumacher bereits in Dortmund gegeben. Dabei sei alles sehr friedlich abgelaufen.

Nach Bergkamen wird er vorerst nicht kommen. Aus gesundheitlichen Grünen müsse er alle Termine bis Ende des Monats absagen, teilt er auf seiner Facebook-Seite mit.

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