Falscher Dachdecker nutzt Gutgläubigkeit einer Bergkamenerin aus

dzGerichtsprozess

Immer wieder warnt die Polizei vor Handwerkern, die ihre Geschäfte an der Haustür anbieten. Nicht alle haben die Qualifikation, die sie vorgeben. Das weiß jetzt auch eine Frau aus Bergkamen.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 25.06.2020, 11:10 Uhr / Lesedauer: 1 min

Als 2017 ein Sturm über Deutschland zieht, nutzt ein Mann aus Dortmund die Gelegenheit, durch Bergkamen zu tingeln und anzubieten, beschädigte Dächer zu reparieren.

Unterwegs ist der damals 30-Jährige mit einem Fahrzeug, das die Aufschrift eines Dachdeckerunternehmens trägt. Und so vertraut eine Frau darauf, an einen Experten geraten zu sein, als sie ihm den Auftrag für ihr Garagendach überträgt. Was sie nicht weiß: Der Dortmunder hat das Fahrzeug dem Dachdecker von der Aufschrift abgekauft und die Folierung einfach nicht entfernt.

Arbeit für 1200 Euro erledigt

Für 1200 Euro erledigt der 30-Jährige den Job. Doch das Dach ist nicht dicht und der Mann plötzlich nicht mehr erreichbar. Die Bergkamenerin zeigt ihn wegen Betrugs an. Der 30-Jährige taucht unter. Es ergeht Haftbefehl. Erst viele Monate nach den Arbeiten am Garagendach wird der Gesuchte bei einer Verkehrskontrolle gefasst. Es kommt zum Gerichtsverfahren.

Dort zieht es der inzwischen 33-Jährige vor, zu schweigen. Die Auftraggeberin gibt sich im Zeugenstand entsetzt darüber, sich so in einem Menschen getäuscht zu haben. „Es ist ein sympathischer, netter Mann. Ich hab ihm vertraut.“

Gericht klärt Betrugsvorwurf

Zu klären galt nun die Frage, ob sich der Angeklagte tatsächlich wegen Betrugs strafbar gemacht hatte. Das wäre der Fall, wenn der 33-Jährige von Anfang an vorgehabt hätte, die Arbeit nicht zu erledigen, sondern nur das Geld zu kassieren.

Der Angeklagte und sein Helfer seien wirklich fleißig gewesen, hätten acht oder zehn Stunden gearbeitet, gab die Auftraggeberin an.

Diese Aussage veranlasste den Richter letztlich dazu, den Angeklagten freizusprechen. Auch, wenn er das Dach möglicherweise mangelhaft repariert hatte, hatte er die besprochene Arbeit, nämlich das Dach zu decken, erledigt. Strafrechtlich habe er sich damit nichts zu Schulden kommen lassen. Allerdings könnte der falsche Dachdecker auf dem Zivilrechtsweg belangt werden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kanalarbeiten
Ein Jahr Baustelle: Kanalisation in Rünthe-West wird für 2,5 Millionen Euro saniert
Hellweger Anzeiger Sonderratssitzung im August
Für das neue Hallenbad in Bergkamen zeichnet sich im Stadtrat eine Mehrheit ab
Hellweger Anzeiger Coronavirus
„Teilweise steinzeitlich“: Welche Lehren der Kreis Unna aus der Corona-Pandemie zieht