Krähen stibitzen Landwirten die Ernte. Menschen sind von ihrem Krächzen und ihrem Kot genervt. Jäger schießen deshalb auf die Tiere. Doch es gibt noch eine natürliche Methode, sie loszuwerden.

Bergkamen, Kamen

, 25.01.2020, 16:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist still im Auto, Verena Michelt blickt aus dem Fenster und beobachtet die umliegenden Felder genau. „Da sitzt einer, hinter dem Stromkasten“, sagt sie plötzlich und beginnt auch schon, die Scheibe herunterzufahren. Auf ihrem Schoss plustert sich Habicht Bakuto nervös auf. Er weiß genau, dass es gleich los geht. Dann geht alles ganz schnell.

Michelt lässt Bakuto von der Leine und der erkennt sein Ziel in Sekundenschnelle.

„Man muss lernen, wie der Vogel zu denken.“
Verena Michelt, Hobby-Falknerin

Er fliegt aus dem Fenster und visiert die Rabenkrähe an, die gerade mit einer großen Walnuss im Schnabel über ein Feld hopst. Die Krähe hockt nahe an der Straße. Für den Habicht ist das sozusagen ein Elfmeter.

Blitzschnell fliegt er auf den schwarzen Vogel zu und hält ihn mit den Krallen am Boden fest. Ein paar schwarzgefiederte Artgenossen der Krähe erheben sich sogleich in die Luft und krächzen empört, auch eine Elster schimpft aus der Ferne. Bakuto interessiert das nicht. Er ist ganz auf seine Beute fixiert.

Der Habicht wartet, bis Hobby-Falknerin Michelt bei ihm ist. Er weiß genau, dass sie die Krähe für ihn tötet. Das kommt auch der Beute zugute. Statt von den Krallen des Habichts totgequetscht zu werden, geht alles ganz schnell. Michelt bearbeitet kurz das Genick der Krähe und tot ist sie. Dann beginnt Bakuto damit, an dem Tier zu rupfen.

Kamener Falkner wollen, dass ihr Habicht natürlich auf die Jagd geht

Die Flügel schirmt er dabei über die Krähe. „Er ist noch angespannt und muss sich erstmal abreagieren“, erklärt Falkner Jörg Bode, Michelts Partner. Michelt und Bode halten den Habicht und einen Brasilianischen Sperlingskauz auf ihrem Grundstück in Kamen-Methler. Sie haben Bakuto nicht nur, weil sie ihn schön finden und wollen ihn nicht eingesperrt lassen wie einen Kanarienvogel. Stattdessen möchten sie, dass der Habicht so lebt, wie es in seiner Natur bestimmt ist. Und dazu gehört das Jagen.

Auf Krähenjagd: Habicht Bakuto ist ein blitzschneller Jäger, kann aber auch gemütlich

Fängt Habicht Bakuto eine Krähe, darf er sie auch fressen. Er frisst das ganze Tier. Inklusive Federn und Knochen. Die ganze Krähe wird also verwertet. © privat

Schon zum dritten Mal gehen die Hobby-Falkner in dem 500 Hektar großen Revier von dem Bergkamener Jäger Reinhard Middendorf mit Bakuto auf die Jagd. Middendorf, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Unna, unterstützt die Beizjagd.

Middendorf wünscht sich auch, dass die Beizjagd wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt. Schließlich ist es eine Form der Jagd und somit eine Art, die Natur im Einklang zu halten. Die Falknerei in Deutschland ist seit 2014 sogar Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Michelt und Bode sind nach ihrem Wissen die einzigen Falkner im Kreis Unna, die mit einem Raubvogel auf die Jagd gehen. Auf Jäger wie Middendorf und Grundstückseigentümer sind sie angewiesen. Nur wenn sie Flächen zur Verfügung haben, können sie ihren Habicht natürlich jagen – und sich selbst versorgen lassen.

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Hobbyfalkner Jörg Bode

Falkner wünschen sich eine Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden

Mit der Jagd, wie Middendorf sie betreibt, ist die Beizjagd aber freilich nicht gleichzusetzen. Bakuto könnte keine Krähenplage eindämmen und auf eine ganze Schar losgelassen werden. Würde er sich eine Krähe schnappen, griffen die anderen Krähen den Habicht an, erklärt Michelt. Für Bakuto wäre das lebensgefährlich. Von besonderem Wert ist die Jagd mit dem Habicht hingegen in jagdfreien Gebieten. Also dort, wo Middendorf und seine Kollegen keine Wildtiere schießen dürfen.

Auf Krähenjagd: Habicht Bakuto ist ein blitzschneller Jäger, kann aber auch gemütlich

Verena Michelt hat sich mit dem Kauf von Habicht Bakuto für ein zeitintensives Hobby entschieden. Der Raubvogel braucht viel Pflege und muss unter anderem jeden Tag gewogen werden. © Stefan Milk

Michelt und Bode haben schon Friedhöfe gesehen, auf denen Gräber mit Zäunen gesichert waren, damit Wildkaninchen dort nicht buddeln. Neben Friedhöfen sind zum Beispiel auch Parkanlagen befriedete Bezirke, also Bereiche, in denen nicht gejaget werden darf. Gibt es dort eine Kaninchenplage, sind Falkner wie Bode und Michelt die richtigen Ansprechpartner. Sie würden gerne mit Grundstückseigentümern wie Städten, Gemeinden, aber auch Kirchen kooperieren.

Raubvögel bleiben dort, wo sie gut versorgt werden

„Man kann ihn nicht erziehen, sondern nur überzeugen.“
Jörg Bode, Hobby-Falkner

Beide Seiten hätten dadurch einen Vorteil. Bakuto würde die Zahl der Wildtiere niedrig halten und Wildschäden abwenden. Und die Falkner hätten einen zufriedenen, ausgelasteten Vogel. Und das ist für die beiden das A und O. Denn nur solange Bakuto weiß, dass er es bei dem Paar besser hat als in der freien Wildnis, bleibt er. „Man kann ihn nicht erziehen, sondern nur überzeugen“, sagt Bode.

Und einen Raubvogel für sich zu gewinnen, ist nicht nur mit viel Arbeit, sondern auch mit viel Geduld verbunden. „Man muss lernen, wie der Vogel zu denken“, sagt Michelt. Die Ausbildung braucht seine Zeit, aber auch die Jagd. Nicht immer haben die Falkner das Glück, einen Elfmeter für Bakuto zu erwischen. Das zeigte sich auch bei der Jagd am Samstag.

Auf Krähenjagd: Habicht Bakuto ist ein blitzschneller Jäger, kann aber auch gemütlich

Bakuto ist ein eineinhalb Jahre alter Habicht. Er bleibt bei Verena Michelt und Jörg Bode, weil er dort gut versorgt wird. Michelt erklärt, dass sie sich vorstellen, ein Punktekonto bei Bakuto zu haben. Und das sollte nicht in den negativen Bereich kommen. © Stefan Milk

Bevor Bakuto die Rabenkrähe mit der Walnuss im Schnabel erwischt hat, scheiterte er an anderer Stelle bei einer anderen Krähe. Beinahe hat er sie erwischt und noch einmal nachgefasst, aber die Krähe hat ihn ausgetrickst. Bakuto verschwand dann erst einmal in den Baumkronen und hatte trotz aller Mühen von Michelt lange keine Lust, herunterzukommen.

Kontakt

Informationen zur Falknerei

  • Wer sich über Falknerei informieren möchte, findet dazu auf der Internetseite www.falknerei.de Fachwissen.
  • Vor Ort können Interessierte auch Kontakt mit Jörg Bode aufnehmen – per Mail an falknerei@bodemotion.de.

Irgendwann entschied er sich aber doch, auf ihrem ausgestreckten Arm zu landen und das sollte sich am Ende auch lohnen. Denn nachdem er die zweite Rabenkrähe erwischt und verspeist hatte, ging es zurück nach Hause in seine Voliere. Dort faulenzt, badet und putzt er sich gerne. Denn wenn Bakuto nicht hungrig ist, mag er es gemütlich. Raubtier hin oder her.

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