Ein digitaler Radweg, der vor Unwettern oder Eichenprozessionsspinnern warnt und weiß, wo es etwas zu sehen gibt – und das alles in nur einer App. Der einmalige Radweg führt auch durch Bergkamen.

Bergkamen

, 29.10.2019, 13:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer eine längere Fahrradtour macht, sollte vorher gut planen. Wie wird das Wetter? Welche Sehenswürdigkeiten gibt es unterwegs und wo lauern Gefahren oder Straßensperrungen? Mit all diesen Fragen sollte man sich vorab befassen. Die Planung kann da schon einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Rundumsorglospaket in digitaler Form könnte es Radfahrern in Zukunft leichter machen. Es ist eine App, die vieles kombiniert. „Zum Beispiel Unwetterwarnungen für das Gebiet oder Infos zu Sehenswürdigkeiten“, sagt Pascal Tönnissen. Er ist Teil der Projektleitung des sogenannten „digitalen Radfernweges“, den der RVR gerade entwickelt.

Bergkamener Apps werden für jeden zugänglich sein

Laut Tönnissen soll es ab 2021 eine erste Version mit Basisfunktionen geben, 2022 geht die App mit all ihren Funktionen an den Start. Und das sollen je nach Standort unterschiedliche, individuelle Angebote und Infos sein.

So ist nämlich geplant, dass die App mit bereits vorhandenen lokalen Angeboten verbunden werden kann – im Falle von Bergkamen etwa mit der Lauschtour-App.

Ohne die Lauschtour-App installieren zu müssen, sollen Radfahrer die Infos mit der geplanten neuen App abrufen können.

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Das soll durch sogenannte „Beacons“ oder vergleichbaren Technologien ermöglicht werden. „Beacons“ sind Sender, die an den jeweiligen Standorten installiert werden. Nähert sich jemand mit seinem Handy, kann der Sender Mitteilungen dorthin schicken – wie zum Beispiel Unwetterwarnungen.

Wer sich also Bergkamen nähert, bei dem könnte eine Mitteilung aufploppen, die auf die Lauschtour hinweist. Die Tour enthält zehn Stationen in der Nähe der Römer-Lippe-Route – von denen Ortsfremde vielleicht noch gar nichts wissen.

Fährt man die Stationen an, kann man sich über die Lauschtour-App – bzw. irgendwann auch über die neue App – Informationen dazu anhören.

Wenn ein Gewitter naht, vibriert das Handy: Das kann die Super-App für Radfahrer

Die Römer-Lippe-Route (RLR) ist ein in 2013 eröffneter, 479 km langer Radfernweg entlang der Lippe zwischen Detmold und Xanten mit den Themenschwerpunkten „Römerkultur“ und „Wassererlebnis“. Sie führt auch durch Bergkamen. © Sylvia Lüttich-Gür

Man kann die Lauschtour-App bereits kostenlos im App-Store oder bei Google Play herunterladen. Das Stadtmarketing verteilt zudem kostenlos Kopfhörer an die Nutzer der Lauschtour-App, um dafür zu werben.

Mit der neuen Super-App, die der RVR jetzt entwickelt und die alles vereinen soll, könnten künftig noch mehr Nutzer von diesem lokalen Angebot profitieren. Tönnissen hat zudem schon eine Idee für eine neue Anwendung, die es in Bergkamen geben könnte: eine sogenannte Augmented-Reality-App. Das ist eine App, die eine erweiterte Realität anzeigt. „Dann könnte man sehen, wie das Römerlager vor 2000 Jahren aussah“, sagt Tönnissen.

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Bergkamen ist an der Entwicklung beteiligt

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Gestartet ist es im Juli diesen Jahres, angesetzt ist es auf drei Jahre. Doch nicht nur Tönnissen malt sich schon aus, auf wie vielen Wegen die Radfahrer künftig von dieser Anwendung profitieren können.

Auch Simone Reichert von der Stabstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus der Stadt Bergkamen ist schon jetzt offen für das neue Projekt. „Wir würden uns gerne beteiligen“, kündigt sie an. Es passe gut zur Lauschtour und könne mehr Interessierte für die Bergkamener App gewinnen.

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Auf der Römer-Lippe-Route ist im Sommer viel Verkehr. Wer tatsächlich absteigt und sich Sehenswürdigkeiten wie den Römerpark ansieht, lässt sich nur schwer nachhalten. Eine neue App, an der die Ruhr Tourismus GmbH gerade arbeitet, könnte Ortsfremde künftig auf Angebote in Bergkamen aufmerksam machen – und zum Verweilen anregen. © Stefan Milk

Bergkamen ist einer von vielen Kooperationspartnern der Ruhr Tourismus GmbH (RTG), die das Projekt leitet. Die RTG steht in engem Austausch mit den einzelnen Standorten. Am 4. November gibt es laut Tönnissen den nächsten Workshop, an dem auch Reichert teilnehmen wird. Anfang nächsten Jahres soll es dann handfeste Informationen zum Stand der Arbeiten geben.

Die Arbeit am digitalen Radfernweg kann freilich als Mammutaufgabe bezeichnet werden. Schließlich will man entlang eines 479 Kilometer langen touristischen Radfernweges, unter Einbindung von touristischen Leistungsträgern wie Gastronomie, Hotellerie, Freizeiteinrichtungen, Museen usw. individuelle standortbezogene Dienste installieren – und in einem Angebot für die Radfahrer bündeln.

Römer-Lippe-Route soll nicht der einzige digitale Radweg bleiben

Die viele Arbeit, die in die Umsetzung dieser Idee gesteckt wird, soll übrigens nicht nur den Radfahrern auf der Römer-Lippe-Route nützlich sein. „Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen dokumentiert werden und als Leitfaden und für andere radtouristische Akteure dienen. Ebenfalls soll dargestellt werden, ob und wie eine Adaption auf den Alltagsradverkehr möglich ist“, heißt es in der Projektbeschreibung des RTG.

Der Bedarf an neuen und interaktiven Anreizen im Radtourismus entstehe nicht nur durch die Fokussierung auf jüngere und technikaffine Zielgruppen, sondern auch durch den fortschreitenden Qualitäts- und Serviceanspruch von Radreisenden.

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Der digitale Wandel hat den Radtourismus also erreicht. Längst gibt es Handyhalterungen für Räder und Apps zur Navigation. Damit Radfahrer auf der Römer-Lippe-Route künftig nicht zwischen Wetter-App, Google Maps und Trip Advisor hin und her wechseln müssen, wird fleißig an der neuen Super-App getüftelt. Sie soll es laut RTG für eine so lange Route erstmalig geben.

Bis sie an den Start geht, kann man sich im Falle der Römer-Lippe-Route aber noch ganz gut mit Broschüren aushelfen. Sie können unter www.roemerlipperoute.de heruntergeladen und ausgedruckt werden.

Und auch das analoge Radfahren hat einen Vorteil: Es ist gar nicht schlimm, wenn der Handyakku mal den Geist aufgibt.

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