Heimerzheim, ein Dorf in der Gemeinde Swisttal, wurde schwer vom Unwetter getroffen. Aktuell laufen dort die Aufräumarbeiten. Ein Bergkamener brachte seinen mobilen Stromversorger hin. © dpa-tmn
Hochwasser-Katastrophe

„Extrem beklemmend“: Was Gerald Hansberg im Katastrophengebiet erlebte

Gerald Hansberg fuhr auf eigene Faust los, um im Hochwasser-Gebiet zu helfen. Was er dort erlebte, erschüttert den Bergkamener. Mit den Bildern aus dem Fernsehen war das nicht zu vergleichen.

„Es war extrem beklemmend, durch Straßen zu fahren, die nur noch aus einer Fahrspur bestehen, weil die andere mit einem drei Meter hohen Damm aus all dem belegt ist, was aus den Häusern herausgetragen wurde.“ Was der Bergkamener Gerald Hansberg in der Stadt Heimerzheim gesehen und erlebt hat, erschüttert ihn zutiefst.

Mit den Bildern, die man aus der Ferne in den Medien zu sehen bekommt, sei die Situation vor Ort nicht zu vergleichen, schildert der Bergkamener. „Von den armen Menschen da gar nicht zu reden“.

Hansberg ist am Dienstag auf gut Glück in die Krisenregion gefahren, die der Starkregen teils völlig zerstört hat. Bei seiner Recherche erreichte er niemandem, dem er seine Hilfe direkt anbieten konnte. Und so fuhr er einfach los.

Die Polizei habe ihn erst durchgelassen, als er zeigte, was er im Kofferraum hatte: Einen Stromerzeuger und einen kleinen Hochdruckreiniger. „Es sollen keine Schaulustigen kommen“, erklärt der Bergkamener. Hansberg habe sich dann über Schleichwege immer weiter nach Heimerzheim vorgearbeitet, weil die Hauptstraßen wegen des Schutts nicht passierbar waren.

Die Häuser werden nur noch Gerippe sein

„Verschwitzte, verdreckte, erschöpfte Menschen, alles kaputt, verdreckt und vermüllt, auf der anderen Seite freiwillige Helfer von weit her mit Gummistiefeln und Schaufeln, ein Polizeilaster, der Müllcontainer transportiert, Bauern, die mit ihren Traktoren mit Frontlader mitten in der Stadt Müll verladen“, berichtet Hansberg.

Der Bergkamener Gerald Hansberg fährt in die Region, die vom Hochwasser betroffen ist und bringt sein Notstromaggregat vorbei. © Claudia Pott © Claudia Pott

Alles stinke nach Öl, weil es ausgelaufen ist. „Die Menschen holen alles aus ihren Häusern. Fußböden, Decken, Möbel. Die Häuser werden nur noch Gerippe sein wie ein Rohbau. Und dann geht es von vorne los“, sagt Hansberg.

Alles sei voller Matsch und ein Anwohner habe ihm erzählt, dass der Fluss, die Swist, weit hinter seinem Haus herfließt. „Ungefähr so groß wie die Seseke“, schildert Hansberg. Nachdem Starkregen habe das Haus mitten im zweieinhalb Meter tiefen Wasser gestanden.

„Ich würde es jederzeit wieder machen“

Hansberg erschütterten diese Erzählungen sehr. Doch er erlebte auch schönes. Die Menschen bilden eine große Gemeinschaft. Jeder hilft jedem. Das ist ganz toll!“ Und auch Hansberg hat geholfen. Seine Geräte werden nun in einer Grundschule eingesetzt, die gereinigt werden soll.

Lange ist Hansberg nicht geblieben. „Ich wollte nicht im Weg stehen und Helfer gab es dort genug.“ Sein Geschirr sei auch nicht benötigt worden, aber er habe nun einen Kontakt und könne so erfahren, ob noch bestimmte Sachspenden benötigt werden.“ Wer helfen möchte, kann über [email protected] Kontakt zu Hansberg aufnehmen. „Die Anfahrt war schwierig wegen der Schäden, die Rückfahrt wegen endloser Staus durch die Autobahnsperrungen, aber ich würde es jederzeit wieder machen.“ Er ruft auch dazu auf, Geld zu spenden, auch wenn es nicht viel ist. Er hat gesehen, was die Menschen verloren haben. „Und das war nur ein Dorf von vielen.“

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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