Der Förderturm auf Haus Aden muss für das Pumpengehäuse für die Grubenwasserhaltung weichen. Die Frage ist, ob er abgerissen oder versetzt wird. © Marcel Drawe
Bergbau

Es wird eng für den Förderturm auf Haus Aden – der Schacht ist verfüllt

Noch ist offen, ob der Förderturm auf Haus Aden erhalten bleiben kann, indem er versetzt wird. Der RAG ist er im Weg und sie will schon bald mit dem Abbau beginnen.

Wenn die Stadt Bergkamen den Förderturm auf der ehemaligen Zeche Haus Aden retten will, muss sie sich beeilen. Die RAG hat die Verfüllung des Schacht 2 auf dem ehemaligen Bergwerk abgeschlossen. Das Schachtgerüst darüber soll ab Ende Februar beseitigt werden, wie RAG-Sprecher Christof Beike auf Anfrage mitteilt.

Gutachten zum Förderturm liegt erst jetzt vor

Es muss nach den Plänen der RAG Platz für ein Pumpenhaus machen. In dem Gebäude sollen Tauchpumpen installiert werden, die künftig das Grubenwasser in die Lippe pumpen sollen. Sie ersetzen die Pumpen, die unter Tage auf dem Boden des Schachtes standen und das Grubenwasser nach oben pumpten.

Die Stadt hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, wie aufwendig und teuer die Versetzung des Schachtgerüstes an einen anderen Strandort wäre. Das Gutachten soll in diesem Monat vorliegen. Es müsste aber wohl eine Entscheidung des Stadtrats geben, ob die Stadt das Umsetzen des Förderturms und die spätere Unterhaltung finanzieren will.

In den verfüllten Schacht wurden sogenannte Hüllrohre eingebaut, durch die Tauchpumpen herabgelassen werden sollen. © Archiv © Archiv

Schnell würde das wahrscheinlich ohnehin nicht gehen: Für den Förderturm müsste ein neues Fundament gebaut werden. Wohl auch deshalb sehen die Planungen der RAG einen Abriss des Schachtgerüsts vor. Gleichzeitig will die RAG mit der Planung des Pumpenhauses beginnen. Es soll so gestaltet sein, dass es an den Bergbau erinnert. Dafür hat die Stadt Fördermittel bekommen.

Den ehemaligen Bergleuten vom Geschichtskreis Haus Aden reicht das aber nicht: Sie wollen den Förderturm erhalten.

Pumpen sollen ab Ende 2024 laufen

Auch für die RAG drängt offenbar die Zeit. „Stand Ende 2024 wollen wir pumpfähig sein“, teilte ihr Sprecher mit. Das Unternehmen hatte das ganze vergangene Jahr den Schacht mit Leichtbeton verfüllt. Ende dieser Woche soll die Verfüllung fünf Meter unter der Grasnarbe angekommen und damit beendet sein. Der sogenannte Schachtkeller soll erhalten bleiben, um die Pumpen einzubauen. Das Unternehmen hat solche Pumpen auch schon auf der ehemaligen Zeche Walsum im Westen des Ruhrgebiets installiert.

Die Pumpen, die durch die Rohre abgelassen werden, sind etwa 15 Meter lang. © Archiv © Archiv

Um die Pumpen nach unten lassen zu können, hat ein Spezialunternehmen bei der Verfüllung drei sogenannte Hüllrohre in den Schacht eingebaut. Durch die Rohre sollen drei etwa 15 Meter lange Pumpen in den Schacht abgelassen werden. Sie sollen eine Leistung von zehn Kubikmetern pro Minuten haben. Es ist vorgesehen, dass immer zwei Pumpen laufen und die dritte in Reserve ist. Eine vierte soll für den Notfall auf Lager sein.

Die alte Grubenwasserleitung zur Lippe, rechts in der Bildmitte zu erkennen, soll durch eine neue Doppelleitung ersetzt werden. © Archiv © Archiv

Die Pumpen sollen einmal im Jahr beim Hersteller gewartet werden. Kleinere Arbeiten könnten auch im Pumpenhaus erledigt werden, sagte der RAG-Sprecher.

Für die neue Grubenwasserhaltung soll auch eine neue Leitung zur Lippe gebaut werden. Nach Beikes Angaben sind die Planungen abgeschlossen und die Trasse festgelegt. Geplant sind zwei Leitungen, die begehbar für Wartungsarbeiten sind und von denen eine immer in Reserve gehalten wird. Die beiden Leitungen sollen unterirdisch verlegt werden.

Bisher ist noch nicht geklärt, auf welche Weise PCB aus dem Grubenwasser ausgefiltert werden soll. Bei einer Erprobungsphase war keine der getesteten Methoden sonderlich erfolgreich. Zurzeit unterstütze die RAG Forschungsaufträge zur exakter Messung auch geringster Spuren von PCB, teilte Beike mit. Das sei die Voraussetzung, um eine erfolgreiche Filtermethode zu finden.

Haus AdenUmstrittene Maßnahmen zur Grubenwasserhaltung

  • Die RAG betreibt über die ehemalige Zeche Haus Aden die Grubenwasserhaltung für das gesamte östliche Ruhrgebiet.
  • Das Grubenwasser darf nicht so weit ansteigen, dass es mit dem Trinkwasser in Berührung kommt. Deshalb wird es in die Lippe abgepumpt.
  • Unter anderem, um die Grubenwasserhaltung auf Tauchpumpen umstellen zu können, lässt die RAG es zurzeit ansteigen – von bisher gut 1000 auf 600 Meter Tiefe.
  • Daran gibt es erhebliche Kritik. Es gibt Befürchtungen, dass das Grubenwasser doch mit Trinkwasser in Berührung kommen könnte und dass unter Tage gelagerte Schadstoffe ausgeschwemmt werden könnten.
Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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