„Mich einmischen gegen Ungerechtigkeit fand ich schon immer gut“, sagt Martina Bierkämper, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bergkamen. Denn: Die Gleichstellung ist noch nicht vollzogen.

Bergkamen

, 09.10.2018, 14:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Realität ist: Frauen sind immer noch das Geschlecht, das in Macht und Positionen unterrepräsentiert ist. Es gibt einen großen Nachholbedarf, und Martina Bierkämper, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bergkamen, setzt sich seit rund 13 Jahren dafür ein, „dass es alles ein bisschen gerechter und gleicher wird.“

Denn das ist es nicht. Gerade erst hat sie mit ihren Kolleginnen aus dem Kreis Unna an der 25. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Karlsruhe teilgenommen. Hat gesellschaftliche, politische und rechtliche Entwicklungen diskutiert und ist mit rund 400 anderen gegen die Benachteiligung von Frauen auf die Straße gegangen.

„Es ist längst nicht alles gleich“

Martina Bierkämper ist seit rund 13 Jahren Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bergkamen und sagt: „Es gibt noch viel zu tun“. © Stefan Milk

Im Schneckentempo


„Es gibt einen Verfassungsauftrag, nach dem sind Frauen und Männer gleichberechtigt, aber trotz aller Errungenschaften gibt es noch viel zu tun“, sagt Bierkämper. Gleichstellung vollziehe sich im Schneckentempo. Ihre Arbeit in Bergkamen erleichtere aber das Netzwerken. „Das Mädchen- und Frauennetzwerk beispielsweise schafft eine Kooperationsebene mit kurzen Wegen, die ein schnelles Handeln ermöglichen“, sagt Bierkämper. Zu ihren Aufgaben gehört das planen von Projekten und Veranstaltungen, wie unter anderem der alljährliche „Equal Pay Day“ oder Aktionen zum Frauentag im März sowie Mentoring-Projekte. Sie ist aktiv als Beiratsfrau des Frauenforums, und im interreligösen Frauennetz Bergkamen-Kamen. Verwaltungsintern ist es der Gleichstellungsplan, der sie unter anderem regelmäßig beschäftigt. „Wenn es um Führungspositionen geht, hat sich in der Stadtverwaltung der Frauenanteil verbessert“, sagt Bierkämper nicht ohne Stolz. Im Rahmen der städtischen Personalentwicklung setzt sie sich dafür ein, dass die Förderung der Chancengleichheit berücksichtigt wird. Es habe sich viel getan, aber „mehr geht immer“, sagt sie. Martina Bierkämper ist Sozialpädagogin, hat anfangs in Bergkamen im Jugendheim Yellowstone und lange Zeit für die Jugendgerichtshilfe gearbeitet. Seit 2005 ist sie Gleichstellungsbeauftragte. „Die Mädchen- und Frauenförderung ist mir wichtig, gerade die jungen Frauen müssen sich immer wieder bewusst machen: Ich kann das“, sagt Bierkämper. Da biete vor allem der „Girls Day“ Möglichkeiten für Mädchen, die Vielfalt ihrer Chancen zu entdecken. Frau hin oder her. Allein das Bewusstsein, ich schaffe das, eröffne neue Wege.

Karriereknick kommt


Allerdings müsse sich die Arbeitswelt ändern, damit es Familien leichter haben: Schon seit langem sei eine Retraditionalisierung erkennbar. „Wir haben die best-ausgebildete Mädchen- und Frauengeneration, aber mit dem Kind kommt in der Regel unweigerlich der Karriereknick“, bedauert Bierkämper. Obwohl die Gleichstellung oft nur im Schneckentempo voran komme, sei es für sie spannend, an all diesen Prozessen beteiligt zu sein und etwas zu bewegen. Zu tun gebe es noch so einiges.

„Es ist längst nicht alles gleich“

Martina Bierkämper, VHS-Chefin Sabine Ostrowski und Ludger Kortendiek präsentieren die Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“. © Marcel Drawe

„Agentinnen des Wandels“

„In der Zeit als die Nashörner noch lachten und die Frauen nur selten ins All flogen …,“ das ist der Anfang der Geschichte der Gleichstellung, die ein kleines Heftchen im Pixi-Buch-Format erzählt. Herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Auf wenigen Seiten werden die großen Themen zur Gleichstellung von Männern und Frauen zusammengefasst und aufgezeigt, wo Frauen immer noch die „Agentinnen des Wandels“ sind. Die humorvolle Ausgabe zum Thema Gleichstellung gibt es auch im Büro der Bergkamener Gleichstellungsbeauftragten.

Die will sich auch künftig als „Agentin des Wandels“ dafür einsetzen, dass zum Beispiel auch im Bereich der Sorgearbeit der Blick auf die Gleichstellung nicht verloren geht: Denn nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen verwenden Frauen täglich gut eieinhalb mal so viel Zeit wie Männer für unbezahlte Sorgearbeit. „Es ist in den meisten Familien üblich, dass sich überwiegend Frauen um die Pflege der Angehörigen kümmern“, weiß Martina Bierkämper. Arztbesuche, Einkaufsfahrten oder Büroarbeiten für Familienangehörige, die dies nicht mehr allein bewerkstelligen können, erledigen in der Regel die Frauen.

Gleichstellung kann aber nur funktionieren, wenn Erwerbs- und Sorgearbeit zusammen gefasst werden und auch Männer die Chance haben, Familienarbeit leisten zu können. Das können Männer aber in vielen Arbeitsbereichen immer noch nicht mit ihren Vorgesetzten umsetzten. Und das fällt auf die Frauen zurück, die so nicht gleichberechtigt am Erwerbsleben teilhaben können.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Strukturhilfe für Kohleausstieg
Kreis-CDU fordert Geld für Bergkamen und die anderen Kraftwerkskommmunen
Hellweger Anzeiger Bahnüberführung Jahnstraße
Ende Januar ist der Weg nach Heil wieder frei – wenn es nicht zu kalt wird
Hellweger Anzeiger Digitalisierung
Die Grundschule in Rünthe hat schon das schnelle Internet – und weiß es zu nutzen
Hellweger Anzeiger Kabarett-Reihe
Bei der „Weihnachtsshow“ der „Springmäuse“ gestaltet das Publikum das Programm mit
Meistgelesen