Die Bewohner der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße müssen sich auf eine längere Zeit einstellen, bis sie in ihre Wohnung zurück können. Jetzt hängen die meisten in der Luft.

Bergkamen

, 31.05.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Hoffnung des Hausverwalters, die beiden geräumten Häuser Töddinghauser Straße 135 und 137 mit einigen schnellen Maßnahmen wieder bewohnbar zu machen, haben sich zerschlagen. Es ist wahrscheinlich, dass noch viele Wochen, wenn nicht Monate vergehen, bis die Bewohner wieder einziehen können.

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Hausverwaltung hatte auf Sofortmaßnahmen gehofft

Die Hausverwaltung hatte auf eine solch schnelle Möglichkeit gehofft, teilte André Beckschulte, der Geschäftsführer der Firma Beckschulte Immobilien-Management aus Unna, mit. Der Gutachter, den die Hausverwaltung selbst eingeschaltet hatte, ist nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass sich die beiden Häuser nicht mit einigen schnell durchzuführenden Maßnahme wieder so sicher machen lassen, dass die Bewohner wieder einziehen können.

Es gibt kein schnelles Zurück in die geräumten Häuser

Wie lange die Sanierung der geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße dauert, ist noch nicht sicher. Sie können zurzeit nur in Begleitung eines Sicherheitsdienstes betreten werden, der sie rund um die Uhr bewacht. © Michael Dörlemann

Gutachter hat länger gebraucht als gedacht

Schon die Ermittlung der wahrscheinlich notwendigen Maßnahmen, um den Brandschutz wieder herzustellen, hatte sich länger hingezogen, als ursprünglich geplant. Eigentlich wollte der Gutachter, der frühere Leitende Brandinspektor der Stadt Hamm, Wilhelm Tigges, seine Ergebnisse schon in der vergangenen Woche mit der Bergkamener Bauaufsicht besprechen. Die Untersuchung war jedoch so umfangreich, dass es erst Mitte dieser Woche zur Besprechung kam.

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Außerordentliche Eigentümerversammlung

Über Details der ersten Einschätzung des Gutachters will sich Beckschulte zurzeit noch nicht öffentlich äußern, sondern erst die Wohnungseigentümer verständigen. Er kündigte an, wahrscheinlich schon in der kommenden Woche eine außerordentliche Eigentümerversammlung einzuberufen. Darin will er über die Maßnahmen informieren, die der Gutachter für notwendig hält, um die Brandsicherheit in den Häusern wiederherzustellen. Beckschulte hofft, dass er bald so belastbare Unterlagen dazu hat, dass er auch eine Schätzung der Kosten abgeben und einen Zeitplan zur Sanierung nennen kann.

Eigentümer und Mieter wissen nicht, wie es weitergeht

Die rund 60 Wohnungen in den beiden achtstöckigen Wohnhäusern gehören keiner Wohnungsgesellschaft, sondern Einzeleigentümern. Etwa die Hälfte von ihnen bewohnt die Wohnung selbst, die andere Hälfte ist vermietet. Sowohl die Eigentümer als auch die Mieter hängen zurzeit in der Luft, wie viele von ihnen äußern. Die meisten von ihnen sind vorübergehend bei Verwandten und Freunden untergekommen. 15 der insgesamt 95 Bewohner der beiden Häuser leben zurzeit in der städtischen Notunterkunft an der Erich-Ollenhauer-Straße.

Eigentümer möchte zuverlässige Aussagen

Er wolle vor allem erfahren, wie lange die Sanierung dauert, sagte Van Thanh Nguyen, der mit seiner Familie seit 1994 in seiner Eigentumswohnung in einem der beiden Häuser lebt. Er ist vorübergehend bei seiner Schwester untergekommen, die in der Nähe wohnt. „Selbst wenn ich wüsste, dass die Sanierung zwei Jahre dauert, könnte ich mich darauf einstellen. Möglicherweise würd ich für diese Zeit etwas anderes suchen“, sagte er, als er an diesem Freitag Post aus dem Briefkasten in den geräumten Häusern holte.

Es gibt kein schnelles Zurück in die geräumten Häuser

Tanja Michaelis und ihr Lebensgefährte Ralf Günther überlegen, ob sie nach Bergkamen zurückkommen oder auf dem Campingplatz bei Bramsche bleiben sollen. © privat

Mieterin denkt über Neuanfang in Niedersachsen nach

Den Mietern geht es ähnlich. Tanja Michaelis, die nach der Räumung mit ihrem Lebensgefährten auf einen Campingplatz bei Bramsche in Niedersachsen gezogen ist, weiß noch nicht wie es für die weitergeht. Sie hat, wie berichtet, mittlerweile auch ihren Arbeitsplatz verloren, weil sie zunächst nicht mehr zur Arbeit kommen kann. Jetzt überlege sie, ob sie auch in die städtische Notunterkunft ziehen soll, um wieder in Bergkamen zu sein – da sie sich auch bei der Arbeitsagentur in Kamen melden muss. „Vielleicht bleibe ich aber auch in Niedersachsen und fange hier neu an“, sagte sie.

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Bürgermeister rät Mietern zum Umzug

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer empfiehlt ohnehin zumindest den Mietern, sich nach einer neuen Wohnung umzusehen und den Zustand der Unsicherheit für sich auf diese Weise zu beenden. Vielen Eigentümern bleibt die Möglichkeit aber wohl nicht.

Wohnen in der Notunterkunft unbegrenzt

Schäfer versicherte immerhin, dass alle, die jetzt dort leben, auch in der städtischen Notunterkunft bleiben können. Er hatte sie in der vergangenen Woche dort besucht. Die meisten hätten sich dort mittlerweile einigermaßen eingerichtet und zum Beispiel Fernseher aus ihrer geräumten Wohnung geholt, berichtete der Bürgermeister. Alle Einzelpersonen, die allein bleiben wollen, hätten mittlerweile auch ein Appartement mit Küchenblock und kleinem Bad für sich allein.

Es gibt kein schnelles Zurück in die geräumten Häuser

Die Stadt hatte die beiden Häuser vor gut zwei Wochen wegen eklatanter Brandschutzmängel für unbewohnbar erklärt und innerhalb weniger Stunden geräumt. © Marcel Drawe

Versicherung übernimmt meist die Kosten

Bei den meisten sei mittlerweile geklärt, dass die Gebäudeversicherung die Kosten für die Unterbringung übernimmt. In einigen Fällen springt wohl auch das Sozialamt ein. Die Menschen können theoretisch bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Unterkunft bleiben. Sie gelten zurzeit als obdachlos und deshalb ist die Stadt ohnehin verpflichtet, sie unterzubringen.

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Häuser in wenigen Stunden geräumt

Die Stadt hatte die beiden Häuser am Mittwoch, 15. Mai, wegen erheblicher Brandschutzmängel für unbewohnbar erklärt und sie innerhalb von wenigen Stunden räumen lassen. Anlass war ein Brand wenige Tage zuvor in den benachbarten Turmarkaden. Brandrauch und giftiges Kohlenmonoxid hatten sich in kurzer Zeit auch in den Wohnungen in den beiden Häusern ausgebreitet.

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