Erst wenn die Archäologen da waren, dürfen die Bagger rollen

dzReste der Römer

Wer in Oberaden baut, muss an die Antike denken. Noch immer liegen im Boden Überreste der Römer, die hier ein Militärlager unterhielten. Deshalb kommen vor den Bauarbeitern die Archäologen.

Bergkamen

, 27.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn in Kürze das Nebengebäude des Stadtmuseums abgerissen wird, dann kommen auch die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zu der Baustelle. Sie interessieren sich weniger für die Neubau-Pläne als dafür, was unter der Erde liegen könnte. In Oberaden unterhielten die Römer bekanntlich in der Zeit um 11 v. Chr. ein großes Militärlager. Überreste davon befinden sich noch immer im Boden. Und weil es eine Fläche von rund 56 Hektar umfasste, werden die Archäologen immer neugierig, wenn in Oberaden Bauarbeiten anstehen.

Archäologen untersuche L 821n-Trasse

Das gilt auch für den Straßenbau. Bevor die Arbeiten für die L 821n begannen, untersuchten die Archäologen die Trasse. Dort wurden sie allerdings nicht fündig. Auch wenn im nächsten Jahr der zweite Bauabschnitt beginnt, dürfen die Bagger erst rollen, nachdem die Altertumsforscher da waren. Der Leiter der LWL-Archäologie Außenstelle in Olpe, Prof. Dr. Michael Baales, erwartet dort allerdings eher keine spektakulären Funde, nach denen die antike Geschichte Oberadens in weiten Teilen neu geschrieben werden müsste. Aber die Archäologe suchen auch weniger nach Sensationen als nach Erkenntnissen.

Erst wenn die Archäologen da waren, dürfen die Bagger rollen

Auf einer Baustelle in der Kamener Innenstadt sind jüngst Siedlungsspuren aus dem zwölften Jahrhundert entdeckt worden. © LWL-


Zum Römerlager gibt es noch viele offene Fragen

Gerade was das Römerlager betrifft, sind noch etliche Forschungsfragen offen. „Da können uns auch kleinere Funde weiterhelfen“, sagt Baales. Und bevor die Archäologen nicht gegraben haben, wissen sie ohnehin nicht, welche Zeugnisse der Vergangenheit im Untergrund auf sie warten. Deshalb ist eigentlich jede Baustelle ein potenzieller Grabungsort für Baales und seine Kollegen. Zumal sie zuweilen Entdeckungen machen, mit denen vorher niemand gerechnet hatte. So stießen zum Beispiel jüngst Bauarbeiter in der Kamener Innenstadt auf Siedlungsspuren aus dem zwölfen Jahrhundert. Auch das ist ein Fall für die Fachleute des LWL.

Bedeutende Funde im Logistikpark

Auch eine der herausragendsten Entdeckungen der vergangenen Jahre machten die Archäologen an einer völlig unerwarteten Stelle. Als im Sommer 2011 die Bauarbeiten für den Logistikpark A2 liefen, wurde Gräber aus dem Frühmittelalter entdeckt. Die Waffen und Beigaben, die die Ausgräber darin fanden, schätzen die Fachleute als außerordentlich bedeutend ein. Solche Erfolge können die Archäologen allerdings nicht planen, auch wenn sie die Baustellen in Oberaden und anderen Stadtteilen von Bergkamen im Auge behalten, meint Prof. Baales: „Das war ein echter Zufallsfund.“

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