Die einzige Erdgastankstelle im GSW-Raum ist schon seit Tagen gesperrt. In den Zukunfts-Planungen der Stadtwerke spielt Erdgas als Auto-Kraftstoff anscheinend auch keine große Rolle mehr.

von Werner Wiggermann

Bergkamen, Kamen, Unna

, 14.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Halter von Erdgasfahrzeugen haben es gegenwärtig schwer im Raum Kamen/Unna. Die einzige Zapfsäule im GSW-Gebiet (Bergkamen, Kamen, Bönen) an der Aral-Tankstelle in Rünthe ist gesperrt. Hintergrund ist möglicherweise der Umbau des Verkaufsraums, der zu einem REWE-To-Go-Laden werden soll. Der Umbau erzwang den Umzug des Kassensystems in einen Container – und dorthin können die Daten für die Erdgas-Kunden anscheinend nicht übertragen werden. So jedenfalls eine mögliche Erklärung, mehr aber nicht, räumt Aral-Pressesprecher Detlef Brandenburg ein.

Erdgas-Tanken schwer gemacht: Einzige GSW-Säule in Rünthe außer Betrieb

Derzeit lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, ob die E-Mobilität dauerhaft eine Alternative zum Erdgas-Tanken wird. © picture alliance/dpa

Gemeinsam mit GSW und mit Hochdruck suche man zurzeit nach der eigentlichen Ursache des technischen Versagens. Dass gerade jetzt auch Autogas-Kunden vor einer gesperrten Säule stehen, liegt nach Auskunft der Aral dagegen sicher an einem technischen Defekt. Ersatzteile sind bestellt. Einen Termin zur Wiedereröffnung gibt es noch nicht.

Auch in Unna kein Auto-Erdgas

Während die Autogaskunden aber mehrere Ausweichmöglichkeiten in der Umgebung haben, sind die Erdgas-Fahrer härter betroffen. Die einzige Erdgas-Tankstelle in Unna ist ebenfalls gerade wegen Umbaus geschlossen. Im Gegensatz zu den GSW haben sich die Stadtwerke Unna darüber hinaus komplett aus dem Erdgas-Tankstellen-Geschäft zurückgezogen.

Erdgas-Tanken schwer gemacht: Einzige GSW-Säule in Rünthe außer Betrieb

Auf das Erdgas müssen die Kunden der Tankstelle am Ostenhellweg derzeit verzichten. © Marcel Drawe

Anscheinend sehen beide Stadtwerke hier kein besonders zukunftsfähiges Geschäftsfeld mehr. Eine weitere Tankstelle, etwa in Kamen oder Bönen, sei nicht geplant. Nach und nach, so GSW-Sprecher Timm Jonas auf Anfrage, würden auch die sieben noch mit Erdgas betriebenen eigenen Dienstfahrzeuge gegen E-Autos ausgetauscht. Drei Stromladestationen in den drei Kommunen spiegeln diesen Trend wider - konnten bisher aber nur eine sehr geringe Nachfrage auslösen. Praktikabler sind da wahrscheinlich die privaten Ladestationen, die man bei GSW erwerben kann.

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Ansonsten warte man ab, wie sich die Geschäftsfelder der Zukunft entwickeln würden, betonte Jonas. Gedankenspiele gingen dabei auch in Richtung Wasserstoff-Antrieb, ohne dass es hierfür schon konkrete Pläne gebe.

ADAC: Erdgas ist derzeit der klimafreundlichste Antrieb

Dabei ist es mehr als ungewiss, ob E-Mobilität in der derzeit verfügbaren Form oder selbst die Wasserstoff-Technologie es in Sachen Umweltverträglichkeit mit der Alternative Erdgas überhaupt aufnehmen kann. Egal, ob man Erdgas als Zwischentechnologie betrachtet oder nicht. Eine in Fachkreisen stark beachtete Studie des ADAC für Mittelklasseautos ergibt ein ganz anderes Bild: Demnach ist die Treibhausgas-Bilanz von Erdgasfahrzeugen derzeit besser als jeder andere Antrieb.

Erdgas-Tanken schwer gemacht: Einzige GSW-Säule in Rünthe außer Betrieb

Für die Besitzer von Erdgas-Autos gibt es im GSW-Gebiet keine andere Tankstelle. © picture alliance/dpa

Dieses Ergebnis würde sich erst dann in Richtung E- und Brennstoffzellenfahrzeuge verschieben, wenn man davon ausgehen könnte, dass der für beide Antriebsarten benötigte Strom nur noch aus regenerativen Quellen stammte. Beim gegenwärtigen Energiemix in Deutschland wird die E-Alternative dagegen immer noch vom hohen Anteil nichterneuerbarer Energien (vor allem Braun- und Steinkohle) verdorben.

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Mit Biomethan bleibt die Gas-Alternative attraktiv

Das könnte sich irgendwann natürlich ändern, wenn die Hindernisse vor allem für den weiteren Ausbau der Windenergie überwunden würden. Allerdings hat auch die Bilanz der Erdgasfahrzeuge noch bedeutende Ausbaumöglichkeiten in Richtung bessere Klimabilanz: Wenn fossiles Erdgas nach und nach durch einen höheren Anteil Biomethan ersetzt wird, bleibt diese Antriebsart mehr als nur eine Übergangstechnologie. In der Vergleichsstudie des ADAC ist bisher nur ein Anteil von 15 Prozent regenerativ hergestellten Gases zugrunde gelegt. Dies entspricht dem gegenwärtigen Anteil von Biomethan an deutschen Erdgas-Tankstellen.

Vielleicht ist es daher dann doch ein richtiges Zeichen, wenn zumindest Aral-Sprecher Brandenburg ein deutliches Ausrufezeichen hinter die Aussage setzt, dass Erdgas an der Tankstelle in jedem Fall auch langfristig angeboten werden soll.

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