In Bergkamen hat der Bergbau Bergschäden an vielen Gebäuden hinterlassen. Nun gibt es wieder Erdbeben. © Stefan Milk

Erdbeben in Bergkamen: „Der Boden hat kurz gewackelt“

Der Bergbau in Bergkamen ist eigentlich ein abgeschlossenes Kapitel. Aber in dieser Woche hat wieder die Erde gebebt, wenn auch nur leicht. Experten rechnen damit, dass weitere Erdstöße folgen.

In Bergkamen hat es am Montagnachmittag ein Erdbeben gegeben. Das Epizentrum lag im Bereich der Bambergstraße, die Erschütterungen waren bis zur Stadtbücherei am Stadtmarkt zu spüren. Das berichtet Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich, der dort gerade an einer Sitzung teilnahm.

Die Sitzung musste wegen des „seismographischen Ereignisses“, wie Fachleute so ein Erdbeben nennen, aber nicht unterbrochen werden: „Der Boden hat kurz gewackelt und das war es dann auch schon“, schildert Ulrich seine Eindrücke.

Viele Bergkamener, die im betroffenen Bereich zwischen Töddinghauser Straße und Heinrichstraße wohnen, dürfen nicht einmal das gemerkt haben. Das Erdbeben hatte eine Magnitude von 1,4, wie der Webseite erdbebennews.de zu entnehmen ist. Betreiber Jens Skapski arbeitet für die Karlsruher Firma risklayer, die damit wirbt, Katastrophen zu analysieren und zu managen.

Womöglich verursacht der Grubenwasseranstieg die Beben

Das wird in Bergkamen nicht notwendig sein. Laut Skapskis Daten fällt das Erdbeben in die Kategorien „kaum bis schwach spürbar“, Schäden gab es deshalb keine. Die Erschütterungen seien längst nicht so stark gewesen, wie jene, die es zu aktiven Bergbauzeiten gegeben habe, sagt Skapski. Und er weiß, wovon er spricht.

So dokumentiert die Seite erdbebennews.de das Erdbeben in Bergkamen. © erdbebennews.de © erdbebennews.de

Der 28-Jährige ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und hat an der Ruhr-Universität in in Bochum Geowissenschaften studiert. Für seine Homepage nutzt er seine Kontakte zu seiner ehemaligen Uni. Dort hegt man eine Vermutung, was das Bergkamener Erdbeben ausgelöst haben könnte: Die Anhebung des Grubenwassers, das die RAG derzeit zulässt.

„Das ist aber bisher lediglich eine Arbeitshypothese“, betont Dr. Kasper Fischer, Leiter des Seismologischen Observatoriums der Ruhr-Universität. Für diese Vermutung spreche, dass es zuletzt in Hamm mehrere Erdbeben gegeben habe. Fischer betreibt ein Forschungsprojekt, das verschiedene Mess-Stellen in Hamm und auch in Bergkamen unterhält. Dort hat nach Angaben von Jens Skapski, der seine Daten von den Mess-Stellen bezieht, seit 2019 sieben Mal die Erde gewackelt. Meist allerdings unterhalb der Wahrnehmungsschranke.

Es wird noch weitere Erdbeben geben

Experte Fischer rechnet mit weiteren Erdbeben in Bergkamen. Allerdings müssten sich die Menschen keine Sorgen machen, versichert er. Es spreche nichts dafür, dass die seismograpischen Ereignisse stärker ausfallen könnten als das am Montag gemessene.

Menschen, die schon länger in Bergkamen leben, sind deutlich Schlimmeres gewohnt. Als unter der Stadt noch Steinkohle abgebaut wurde, hat die Erde regelmäßig und heftiger gebebt. Allerdings hätten auch diese Erdbeben kaum Schäden verursacht, sagt Fischer. Die seien in den meisten Fällen den Bergsenkungen geschuldet gewesen.

Zu denen kann es nach dem Ende des Bergbaus nicht mehr kommen. Das steigende Grubenwasser könnte allerdings Hebungen mit sich bringen, sagt Fischer. Auch dazu gibt es ein Forschungsprojekt, das aber noch keine Ergebnisse zutage gefördert hat. Grund zur Sorge besteht nach Fischers Ansicht aber auch in diesem Punkt nicht: Er rechnet allenfalls mit minimalen Veränderungen.

Dezernent Ulrich hat schon heftigere Erschütterungen in Bergkamen erlebt. Die allerdings hatten mit dem Bergbau nichts zu tun, sagt er: „Beim Abriss der Turmarkaden haben im gegenüberliegenden Rathaus die Wände gewackelt.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne