Er kam 1971 als Berglehrling aus der Türkei - und fand ein Zuhause im Jugenddorf

dzBergbau-Geschichte

Mikail Zopi kam vor fast 50 Jahren aus der Türkei als Berglehrling nach Bergkamen. Er wohnte im Jugenddorf und denkt gerne an die Zeit zurück. Nun schreibt er die Geschichte auf.

Bergkamen

, 13.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

2021 wird für Mikail Zopi ein besonderes Jahr. Im August ist es genau 50 Jahre her, dass er nach Deutschland kam. Zopi, der 1955 in der Türkei geboren wurde, gehörte zu einer Gruppe türkischer Jugendlicher, die in Bergkamen eine Bergbau-Ausbildung absolvierten. 16 Jahre war er damals alt. Sein erstes Zuhause in dem neuen Land war ein Wohnheim an der Stormstraße in Oberaden, das das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland betrieb.

Bereits 2011 kamen die ehemaligen Bergbau-Lehrlinge aus der Türkei zu einem Wiedersehen in Bergkamen-Oberaden zusammen.

Bereits 2011 kamen die ehemaligen Bergbau-Lehrlinge aus der Türkei zu einem Wiedersehen in Oberaden zusammen. © Borys Sarad

Zopi denkt gerne an die Zeit zurück. Zum 50. Jubiläum ist ein Wiedersehens-Treffen mit ehemaligen Jugenddorf-Bewohnern geplant. Das gab es schon einmal 2011 zum 40. Jahrestag. 2021 will Zopi auch eine Dokumentation veröffentlichen, die die Geschichte der türkischen Berglehrlinge in Bergkamen erzählt.

Die Jugendlichen kamen in ein fremdes Land

Zopi traf mit 19 Gleichaltrigen in Deutschland ein, die alle den ärmlichen Verhältnissen in der Türkei entfliehen wollten. Dementsprechend hatten sie alle große Erwartungen und Hoffnungen. Aber natürlich sei es auch alles andere als einfach gewesen, als Jugendlicher in ein fremdes Land zu kommen und kein Wort der fremden Sprache zu können, sagt er im Rückblick.

Aber Zopi fühlte sich gut aufgenommen im Jugenddorf. Die deutsche Sprache hat er auch bald gelernt: „Vom ersten Tag haben wir Deutsch-Unterricht bekommen.“ Der Deutschlehrer Heinz Schwartz bemühte sich ganz besonders um die türkischen Lehrlinge. Zopi ist noch heute die Begeisterung und die Dankbarkeit für den längst verstorbenen Pädagogen anzumerken: „Das war unser Vati.“

Er erinnert sich, dass in den folgenden Jahren weitere türkische Jugendliche in Oberaden eintrafen. Insgesamt waren es 60. Und die blieben nicht unter sich. Denn im Jugenddorf lebten auch deutsche Lehrlinge, die aus anderen Regionen, zum Beispiel aus Norddeutschland, kamen, um im Bergbau ihr Geld zu verdienen.

Auch auf diese Weise entstanden schnell Kontakte.

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Der erste türkische Gewerkschaftssekretär bei der IGBE

Und natürlich auch bei der Arbeit. Nachdem Zopi seine dreijährige Ausbildung auf Haus Aden hinter sich hatte, arbeitete er auf Grimberg 3/4 unter Tage. „Ich bin dann nach Weddinghofen gezogen“, sagt er. Ab Juni 1975 war er Dolmetscher für die türkischen Mitarbeiter und wurde dann auch in den Betriebsrat gewählt.

Nach einem einjährigen Studium an der Sozialakademie Dortmund wurde er im September 1980 erster türkischer Gewerkschaftssekretär bei der damaligen IG Bergbau und Energie. Mit seiner Familie, Zopi ist verheiratet und hat drei Kinder, zog er dann nach Gelsenkirchen. Dort lebt er auch heute noch.

Mikail Zopi hat bereits eine Dokumentation über Türkische Bergleute in Gelsenkirchen und Herten veröffentlich. Derzeit arbeitet an einem Werk über Bergkamen.

Mikail Zopi hat bereits eine Dokumentation über Türkische Bergleute in Gelsenkirchen und Herten veröffentlich. Derzeit arbeitet an einem Werk über Bergkamen. © Marcel Drawe

2019 hat er die Dokumentation „Glückauf Gelsenkirchen, Glückauf Herten“ über türkische Bergleute in den beiden Städten veröffentlicht. Das Werk über die türkischen Berglehrlinge in Bergkamen soll so ähnlich aussehen. Und natürlich ebenfalls zweisprachig verfasst sein.

Aufstieg mit dem SuS Oberaden

Zopi hat schon Kontakt zu seinen früheren Lehrlingskollegen aufgenommen und allerhand Material gesammelt. Er hofft, dass sich vielleicht noch der eine oder andere ehemalige Jugenddorfbewohner bei ihm meldet.

Und zum Beispiel Erinnerungen an gemeinsame Fußballspiele auffrischt. Der Sport war wichtig für die Integration der zugewanderten Jugendlichen. Mikail Zopi spielte Verteidiger in der 2. Mannschaft des SuS Oberaden: „In der Saison 1977/78 sind wir von der Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen.“

Mikail Zopi ist zu erreichen unter der E-Mail-Adresse mzopi@web.de
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