Bald wird Norbert Hollatz von seinem Balkon die Seilscheiben des Fördergerüstes von Haus Aden nicht mehr sehen. Daraus zieht er Konsequenzen. © Johannes Brüne
Bergbau-Erinnerung

Entscheidung gegen Fördergerüst Haus Aden: Enttäuschte Mitglieder verlassen die SPD

Mit ihrem Votum gegen den Erhalt des Fördergerüstes von Haus Aden hat sich die SPD Gegner geschaffen. Vor allem in Oberaden. Manch ein enttäuschter Sozialdemokrat tritt sogar aus der Partei aus.

Von seinem Balkon an der Barbarastraße kann Norbert Hollatz die beiden oberen Förderräder des Zechengerüstes von Haus Aden sehen. Noch. Aber bald werden sie abgerissen. Die Verantwortung dafür sieht Hollatz bei der Bergkamener SPD, die im Stadtrat gegen den Erhalt des Turmes gestimmt hat. Deshalb sind er und seine Frau aus der Partei ausgetreten. Nach fast 25 Jahren.

Hollatz engagiert sich im Bergbaugeschichtskreis, der sich besonders intensiv für das Fördergerüst eingesetzt hat. Dabei ist Hollatz selbst gar kein Bergmann: „Ich war im Stahl“, sagt er. Doch sein Großvater, sein Vater und sein Schwiegervater hätte im Bergbau gearbeitet: „Die würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass der Förderturm abgerissen wird.“

Rüdiger Weiß sieht keine Austrittswelle

In den sozialen Netzwerken und in Leserbriefen melden sich weitere Bergkamener, vor allem Oberadener zu Wort, die der SPD den Rücken kehren oder zumindest ankündigen, sie nicht mehr zu wählen.

Der SPD-Fraktionschef Rüdiger Weiß. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Dem Fraktionschef der SPD, Rüdiger Weiß, der auch dem Ortsverein Oberaden vorsitzt, ist das natürlich nicht entgangen. „Aber ich gehe nicht davon aus, dass es jetzt keine Austrittswelle gibt“, sagt er. Er habe auch Stimmen gehört, die die Entscheidung der SPD loben. Und seine Fraktion habe es sich alles anders als leicht gemacht, sagt Weiß. „Nach dieser Abstimmung hat niemand von uns gejubelt.“ Aber ein Gutachten, das die Kosten für den Turm-Erhalt auf bis zu drei Millionen beziffert, wiege schwer. Außerdem sieht Weiß die SPD nicht allein in der Verantwortung: Im 50-köpfigen Stadtrat habe es gerade einmal 5 Stimmen für den Turmerhalt gegeben: Die von BergAUF und der Partei „Die Linke“. Die CDU enthielt sich, Grüne und FDP stimmten mit der SPD.

Hätte seine Partei anders abgestimmt, hätte es auch Kritik gegeben, sagt Weiß: Von denjenigen, die keine drei Millionen an Steuergeldern für den Erhalt des Fördergerüstes ausgeben wollten.

Gesprächsangebot an die Kritiker

Weiß will sich mit denjenigen auseinandersetzen, die die Partei nun verlassen wollen. Gerade habe er eine E-Mail an zwei Noch-Parteifreunde geschickt, um sie zum persönlichen Gespräch einzuladen, sagt er. Vielleicht bekommt Norbert Hollatz auch noch Post von Weiß. Er hat seine Austrittserklärung an das Willy-Brandt-Haus in Berlin geschickt. Bis die SPD-Zentrale den Ortsverein informiert, kann es noch dauern. Hollatz hält seine Entscheidung aber für unumkehrbar. Ein Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden werde ihn nicht mehr umstimmen: „Dazu bin ich zu enttäuscht“, sagt er.

Womöglich kann Hollatz dieser Enttäuschung bei einem anderen Treffen mit Weiß Ausdruck verleihen. Weiß hat dem Bergbaugeschichtskreis eigenen Angaben zufolge angeboten, ihm die Entscheidung seiner Partei zu erklären: „Eine Antwort habe ich bisher aber nicht erhalten.“ Außerdem will Weiß das Gespräch mit der IG BCE Oberaden suchen, er ist selbst Mitglied der Gewerkschaft. Ganz einfach wird das nicht: Der Oberadener IG BCE-Vorsitzende Volker Wagner und sein Stellvertreter Willi Null gehören zu den engagiertesten Fördergerüst-Verteidigern.

Der Abriss des Förderturms steht unmittelbar bevor © archiv © archiv

Mit Blick auf den nun Ex-Sozialdemokraten Norbert Hollatz dürfte dem Landtagsabgeordneten Rüdiger Weiß ein Trost bleiben. Völlig verloren ist der Oberadener für die SPD noch nicht: „Bei der Kommunalwahl bekommt die Partei meine Stimme nicht mehr“, sagt Hollatz. „Aber bei der Landtags- und Bundestagswahl werde ich sie wohl wählen.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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