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In den Turmarkaden herrscht Endzeitstimmung. Zwischen Trümmern, Scherben und den Spuren von Einbruchsversuchen bereiten Arbeiter den Abriss vor.

Bergkamen

, 20.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Schon von außen lässt das leerstehende Einkaufszentrum Turmarkaden erahnen, wie es in einem Inneren aussehen könnte. Aus den Platten vor dem ehemaligen Haupteingang sprießt das Grün. Die gläserne Eingangstür weist an der äußeren Verglasung kreisrunde Löcher auf, von denen sich Risse wie Spinnennetze nach außen ziehen: Spuren von vergeblichen Versuchen, mit Gewalt in den riesigen leerstehenden Komplex einzudringen.

Endzeitstimmung in den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Die Turmarkaden gegenüber vom Bergkamener Rathaus von außen: Die Tage des ehemaligen Einkaufszentrums sind gezählt. Der Abriss soll bald beginnen. © Marcel Drawe

Trümmer und Scherben

Im Inneren zeigt sich, dass es offenbar auch viele andere Wege gibt, trotz aller Sicherungsmaßnahmen in das leere Einkaufszentrum einzudringen. Die leeren Ladenlokale und die riesige Fläche des ehemaligen Wal Mart, die mit ihren vielen Säulen aussieht wie ein dem Verfall preisgegebener Tempel des Konsums, taugen als Kulisse für einen Endzeitthriller. Es ist keine Scheibe mehr ganz. Alle Rigipswände in dem Gebäude sind an vielen verschiedenen Stellen eingeschlagen. Die Trümmer liegen zwischen anderem Unrat auf dem Boden. Die Treppe, die nach oben zu den ehemaligen Büros und Sozialräumen führt, liegt voller Scherben.

Endzeitstimmung in den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Alle Rigipswände im Gebäude sind von Unbekannten eingeschlagen worden. Die Trümmer mischen sich mit Kabelresten und anderem Unrat. © Marcel Drawe

Beißender Brandgeruch aus dem Keller

Der Keller des Komplexes ist zurzeit nicht zu betreten. Die Nase verrät, warum: Über den Trümmern liegt ein beißender Brandgeruch. Er rührt von dem jüngsten Feuer her, das Unbekannte am Freitag der vorvergangenen Woche im Keller des Komplexes gelegt haben.

Endzeitstimmung in den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Die Rolltreppen vom Parkdeck zur Eingangshalle sind schon abgebaut. Geblieben ist nur ein Schacht mit öligem Wasser, in dem Pappe schwimmt. © Marcel Drawe

Rolltreppen ausgebaut

Zur Endzeitstimmung trägt bei, dass der Eigentümer der Turmarkaden im Inneren schon mit den Vorbereitungen zum Abriss begonnen hat. Die riesigen Rolltreppen, die vom Parkdeck ins Erdgeschoss führten, sind bereits demontiert. Im Schacht im Erdgeschoss, in dem sich der Fuß und die Technik befanden, steht öliges Wasser, in dem Pappestücke treiben.

Endzeitstimmung in den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Ein Einkaufswagen mit nutzlosen Feuerlöschern. Unbekannte Eindringlinge haben sie längst in den verlassenen Hallen geleert. © Marcel Drawe

Jugendliche „chillen“ und spielen Fußball in dem Komplex

Immer wieder haben die Eigentümer des leeren Einkaufszentrums in den vergangenen Monaten versucht, unbefugtes Eindringen in den weitverzweigten Komplex zu verhindern. Vergebens, wie der Hausmeister schildert, der sich um die Turmarkaden kümmert. Er möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Immer wieder trifft er Jugendliche an, die alles mögliche in dem leeren Einkaufskomplex machen. „Das reicht von chillen bis zum Fußballspielen. Es haben sogar schon Jugendliche hier gegrillt“, sagt der Hausmeister. Das ist gefährlich , denn Rauchgas und Kohlenmonoxid können in den geschlossenen Räumen nicht abziehen.

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Rundgang Turmarkaden

Es ist leicht, sich zu verlaufen

Außerdem ist es leicht, sich in dem riesigen Komplex zu verlaufen. „Beim ersten Mal als ich allein hier war, habe ich mich selbst eingesperrt und wusste nicht mehr wo ich bin“, sagt der Hausmeister. Er rief seinen Vorgänger an, der ihn herausholte.

Endzeitstimmung in den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Die Fläche des ehemaligen Wal Mart ist schon komplett ausgeräumt und sieht mit ihren Säulen wie ein verfallener Tempel des Konsums aus. © Marcel Drawe

Eindringling verliert Ausweis

Ohnehin erfüllt das unbefugte Betreten der Turmarkaden den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs. Der Hausmeister hat immer wieder junge Leute in den Turmarkaden erwischt, seit die letzten Mieter Deichmann und C & A ausgezogen sind. Manchmal ertappt er sie im Gebäude, manchmal hinterlassen sie Beweise, dass sie da waren. Erst jetzt hat einer von ihnen seinen Personalausweis verloren. „Ich habe aber auch schon Handys und alles mögliche gefunden“, sagt er.

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Bildergalerie

Bilder aus den Turmarkaden kurz vor dem Abriss

Vor dem bevorstehenden Abriss zeigen sich die Turmarkaden als ein riesiges Labyrinth von Hallen und Räumen, die der Zerstörung preisgegeben sind.
20.05.2019
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Bergkamen. Die Eingangshalle des ehemaligen Einkaufszentrum Turmarkaden offenbart schon alle Spuren des Verfalls. Sie führt in ein unübersehbares Labyrintz von Räumen.© Marcel Drawe
An der Decke fehlt schon ein Teil der Verkleidung.© Marcel Drawe
Ein Blick ins Treppenhaus unter dem Atrium. Das Geländer an der Empore fehlt udn die Treppen liegen voller Scherben.© Marcel Drawe
Fasl alle Leichtbauwände sind eingeschlagen.© Marcel Drawe
Der Korrisor des Parsonaltrakts führt im Obergeschoss in viele verschachtelte Räume.© Marcel Drawe
Die Verleidung aus Stoff ist zerfstzt.© Marcel Drawe
Blick vom ersten Obergeschoss in den ehemaligen Anlieferungshof. Dort stand früher auch der Wohnturm.© Marcel Drawe
Überall liegt Unrat.© Marcel Drawe
© Marcel Drawe
Rundgang Turmarkaden Bergkamen© Marcel Drawe
Rundgang Turmarkaden Bergkamen© Marcel Drawe
Rundgang Turmarkaden Bergkamen© Marcel Drawe
Rundgang Turmarkaden Bergkamen© Marcel Drawe
Die ehemaligen Ladenlokale sind ausgeräumt.© Marcel Drawe
Sogar in die Decke haben Unbekannte Löcher geschlagen.© Marcel Drawe

Einbrecher flexen Türen wieder auf

Die jungen Leute, die er oft ertappt, sind aber nicht die einzigen, die das leerstehende Einkaufszentrum heimsuchen. Nachts rücken diejenigen an, die der Hausmeister bisher nicht erwischt, ja noch nicht einmal gesehen hat. Die Unbekannten rücken mit dem passenden Gerät an, um alle Türen zu öffnen. Der Hausmeister zeigt zwei Stahltüren, die eigens zugeschweißt wurden, um das Gebäude zu sichern. An der einen haben Unbekannte mit der Flex die Schweißnaht wieder beseitigt. An der anderen haben sie ein Viereck aus dem Stahlblech der Tür geflext, um sie mit dem Türgriff im Inneren zu öffnen.

Dahinter befindet sich eine Kammer, in der früher der Hausmeister Material lagerte und einige Schaltschränke. Die Beute der Einbrecher war überschaubar: Es kam lediglich etwas Kupfer weg, denn zu holen ist in den Turmarkaden schon lange nichts mehr.

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Entkernung bereitet Abriss vor

Aus dem Hintergrund des ehemaligen Wal Mart dringen Geräusche, die ankündigen, dass der Zustand bald ein Ende hat. Einige Arbeiter sind damit beschäftigt, die Räume zu „entkernen“. Sie bauen bis auf den nackten Beton schon einmal alles ab und sortieren die Materialien. Sobald die Abrissgenehmigung vorliegt, sollen die Stoffe abgefahren und recycelt oder sachgerecht deponiert werden.

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