Eltern von OGS-Kindern müssen vorerst keine Beiträge zahlen

dzWegen Corona

Während die Eltern von Kita-Kindern im Juni und Juli die Hälfte der normalen Gebühren zahlen müssen, fallen die OGS-Beiträge vollständig weg. Für diese Ungleichbehandlung gibt es Gründe.

Bergkamen

, 02.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etliche Bergkamener Eltern haben im Juli etwas mehr Geld auf dem Konto als ursprünglich erwartet: Die Stadt verzichtet auch in diesem Monat darauf, die Gebühren für die Offene Ganztagsschule und die Verlässliche Grundschule abzubuchen. Grund ist die Corona-Krise: Weil die Schulen lange Zeit geschlossen waren, gab es auch keine Mittags- und Nachmittagsbetreuung. Die Gebühren für April und Mai entfielen bereits. Nun hat das Land entschieden, dass auch im Juni und Juli keine Gebühren berechnet werden. Bereits im Juni hatte die Stadt auf den Gebühreneinzug verzichtet.

Jetzt lesen

Unterschiedliche Entscheidungen aus zwei Ministerien

Eltern, deren Kinder noch in den Kindergarten gehen, könnten sich jetzt ungerecht behandelt fühlen: Sie müssen für diesen und den zurückliegenden Monat zumindest die Hälfte der Kita-Gebühren zahlen. Dirk Bläsing aus dem städtischen Schulamt begründet diese Ungleichbehandlung unter anderem damit, dass zwei unterschiedliche Ministerien zuständig sind: Über die Schulen und damit über die OGSen entscheidet das Schulministerium, die Kitas fallen in den Bereich des Familienministeriums.

Die Schillerschule ist die einzige Grundschule in Bergkamen, die über keine OGS verfügt. Es gibt aber Pläne, eine solche einzurichten.

Die Schillerschule ist die einzige Grundschule in Bergkamen, die über keine OGS verfügt. Es gibt aber Pläne, eine solche einzurichten. © Stefan Milk

Bläsing hält die unterschiedliche Gebührenpraxis aber auch für fair: Während in den Kitas der Betrieb schon wieder angelaufen sei, wären zuletzt allenfalls ein Drittel der OGS-Kinder in den Genuss der Nachmittagsbetreuung gekommen. Und das auch nur unregelmäßig. In der schulfreien Zeit sei die sonst übliche OGS-Ferienbetreuung ebenfalls stark eingeschränkt und nur für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen vorgesehen.

Nur eine Grundschule verzichtet auf die OGS

In Bergkamen haben sechs von sieben Grundschulen eine OGS - nur die Schillerschule verzichtet noch auf dieses Angebot. Laut Bläsing besuchen etwa 550 von rund 1700 Grundschülern eine OGS. Das erscheint auf den ersten Blick wenig. Allerdings gibt es auch noch die „Verlässliche Grundschule“, die 440 Kinder nutzen: Sie werden schultäglich bis zum Ende der 6. Stunde, also in der Regel bis 13 Uhr betreut. Der Besuch der Verlässlichen Grundschule kostet pauschal 26 Euro im Monat. Auch diese Gebühren entfallen im Juni und Juli.

Für das Mittagessen in der OGS müssen die Eltern in normalen Zeiten 50 Euro pro Monat zahlen. Auch das entfällt für Juni und Juli.

Für das Mittagessen in der OGS müssen die Eltern in normalen Zeiten 50 Euro pro Monat zahlen. Auch das entfällt für Juni und Juli. © Stefan Milk

Wieviel die Eltern der OGS-Kinder zahlen, hängt von ihrem Einkommen ab: Es gibt sechs Gebührenstufen zwischen 20 und 180 Euro. Wer weniger als 18.000 Euro im Jahr verdient, muss gar nichts bezahlen: Laut Bläsing sind das in Bergkamen rund 40 Prozent der Eltern. Sie müssen allerdings die Kosten für das Mittagessen ihrer Kinder übernehmen. Die liegen pauschal bei 50 Euro im Monat. Wer Hartz IV oder eine andere Sozialleistung bezieht, bekommt in der Regel einen entsprechenden Zuschuss.

Jetzt lesen

Das Land ersetzt die Hälfte des Gebühren-Ausfalls

Durch den Wegfall der OGS-Gebühren entstehen der Stadt Einnahmeausfälle. Das Land übernimmt nur die Hälfte der Beträge, die eigentlich die Eltern hätten zahlen müssen: Laut Berechnungen des Schulamtes wären im Juli insgesamt rund 26.000 Euro an Gebühren für OGS und Verlässliche Grundschule geflossen. Im Juli wären es rund 15.000 Euro gewesen. Die Differenz erklärt Bläsing damit, dass es in den Ferien keine Verlässliche Grundschule gibt. Die Stadt wird also vom Land etwas mehr als 20.000 Euro erstattet bekommen.

Als die Overberger Grundschule in Bergkamen im vergangenen Herbst einen Neubau für die OGS in Betrieb nahm, ahnte noch niemand, dass bald eine Pandemie den Schulbetrieb durcheinander bringen würde.

Als die Overberger Grundschule im vergangenen Herbst einen Neubau für die OGS in Betrieb nahm, ahnte noch niemand, dass bald eine Pandemie den Schulbetrieb durcheinander bringen würde. © Stefan Milk

Außerdem fehlen 25.000 Euro pro Monat, die die Eltern für die Verpflegung in der OGS bezahlen. Allerdings muss die Stadt wegen des Corona-Ausfalls auch deutlich weniger an die Catering-Unternehmen zahlen. Wie diese Bilanz ausfällt, weiß Bläsing erst am Jahresende.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neuer Todesfall
Coronavirus: Altenheim-Bewohnerin in Werne gestorben – 26 Neuinfektionen im Kreis Unna
Hellweger Anzeiger Einschulung in Coronazeiten
„Hut ab“: Pfarrer organisieren Einschulungsgottesdienste für jede einzelne Klasse
Hellweger Anzeiger Polizei in Bergkamen
Nach Hunde-Biss: Kinder sind aus dem Krankenhaus – Polizei sucht den Halter
Hellweger Anzeiger Islamische Gemeinschaft
Minarett geplant – aber der Umbau der Milli-Görüs-Moschee ist noch nicht genehmigt
Meistgelesen