Elektro-Autos sind rar in Bergkamen, E-Zapfsäulen aber auch

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Wenn die wenigen Halter eines Elektroautos in Bergkamen an einer Strom-Zapfsäule tanken wollen, müssen sie lange suchen. Der Umweltbeauftragte der Stadt will von beidem mehr.

Bergkamen

, 18.02.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Eigentümer von Elektrofahrzeugen herrschen in Bergkamen rein rechnerisch paradiesische Zustände, wenn es um Strom-Zapfsäulen geht: Pro 13 E-Fahrzeuge gibt es eine Zapfsäule. Die absoluten Zahlen aber sagen genau das Gegenteil: Wenn es um Elektromobilität geht, ist Bergkamen noch so etwas wie ein Entwicklungsland.

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Gerade einmal 39 von den insgesamt 28.079 in Bergkamen zugelassenen Pkw sind reine Elektrofahrzeuge. Fahrzeuge mit E-Kennzeichen gibt es in der Stadt nur 52. Darin sind auch noch die Plug-In-Hybrids enthalten, die mit Strom und Benzin betrieben werden können. Damit liegt Bergkamen nach absoluten Zahlen gerechnet vor Fröndenberg und Selm an drittletzter und im Verhältnis zur Einwohnerzahl sogar an letzter Stelle im Kreis-Vergleich.

In Kamen am Schattweg gibt es immerhin eine besonders leistungsfähige Schnellladestation des Elektroauto-Herstellers Tesla. In der etwas kleineren Nachbarstadt gibt es deutlich mehr E-Autos als in Bergkamen.

In Kamen am Schattweg gibt es immerhin eine besonders leistungsfähige Schnellladestation des Elektroauto-Herstellers Tesla. In der etwas kleineren Nachbarstadt gibt es deutlich mehr E-Autos als in Bergkamen. © Stefan Milk

Im Internet finden sich nur drei E-Tankstellen

Diesen Fahrzeugen stehen in der Stadt laut der Internet-Suchseite „GoingElectric“ auch nur drei öffentlich zugängliche Strom-Zapfstellen zur Verfügung: Die Ladesäule der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) am Rathaus-Kreisel, die Stromtankstelle am neuen Kaufland-Haus in Rünthe und die Strom-Zapfstelle an der Biogasanlage von Landwirt Ludger Willeke in Heil.

Geplant ist zurzeit auch nur eine Verlegung der einzigen Zapfsäule. Sie soll von der Töddinghauser Straße vor die GSW-Beratungstelle im „Stadtfenster“ gegenüber vom Rathaus wandern, das zurzeit gebaut wird. Damit sind die Pläne der Stadtwerke für Bergkamen aber schon abgeschlossen, wie GSW-Sprecher Timm Jonas bestätigt. Nach seinen Angaben sind seit Januar 2018, als die Säule aufgestellt wurde, gerade einmal 342 Kilowattstunden in Auto-Akkus geflossen.

Eine GSW-Ladesäule ist vor dem „Stadtfenster“ geplant, das zurzeit im Bau ist. Es handelt sich aber nicht um ein weitere Säule. Sie zieht von der Töddinghauser Straße um.

Eine GSW-Ladesäule ist vor dem „Stadtfenster“ geplant, das zurzeit im Bau ist. Es handelt sich aber nicht um ein weitere Säule. Sie zieht von der Töddinghauser Straße um. © Marcel Drawe

GSW setzen auf E-Tanken in der eigenen Garage

Jonas sieht nicht unbedingt einen Zusammenhang zwischen der niedrigen Anzahl von Elektro-Fahrzeugen in Bergkamen und den wenigen Möglichkeiten Strom zu tanken. „Das ist die berühmte Frage, was eher da war: die Henne oder das Ei“, sagt er. Die GSW glauben nicht, dass viele Autofahrer öffentliche Strom-Zapfsäulen nutzen. Sie setzen nach seinen Angaben eher darauf, dass E-Mobil-Besitzer die passenden Steckdosen in der eigenen Garage oder am Stellplatz neben dem Haus installieren.

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Auf ihre Stadtwerke kann die Stadt bei ihren Plänen zur Elektromobilität also offenbar nicht setzen. Nach Angaben des Umweltbeauftragten Norman Raupach möchte die Stadt deutlich mehr E-Zapfsäulen, um die Elektromobilität voranzubringen. Er setzt darauf, Dienstleister, Gastronomen und den Handel davon zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, E-Zapfsäulen aufzustellen. Die Idee dabei: Während die Menschen essen gehen oder einkaufen, können sie die Akkus ihres E-Autos bequem wieder aufladen.

Am neuen Kaufland in Rünthe gibt es E-Ladesäulen. Zumindest theoretisch können E-Auto-Halter ihr Fahrzeug beim Einkaufen wieder aufladen.

Am neuen Kaufland in Rünthe gibt es E-Ladesäulen. Zumindest theoretisch können E-Auto-Halter ihr Fahrzeug beim Einkaufen wieder aufladen. © Marcel Drawe

E-Zapfstelle bei Kaufland in Rünthe

Das Konzept verfolgt Kaufland in Rünthe bereits mit seiner E-Ladestelle. Wer dort sein Auto anschließt, kann einkaufen und sogar noch etwas Essen, bevor er mit vollen Akkus weiterfährt.

Statistik

Nur in zwei Kommunen gibt es weniger E-Autos

  • In Bergkamen gibt es nach Angaben des Kreises Unna 39 Elektroautos und inklusive Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen 52 Autos mit E-Kennzeichen.
  • Weniger gibt es nur in den deutlich kleineren Kommunen Fröndenberg (36) und in Selm (26).
  • Der Anteil der E-Fahrzeuge kreisweit ist jedoch auch nicht hoch. Nur 672 der insgesamt 238.700 angemeldeten Autos im Kreis haben einen reinen Elektroantrieb, insgesamt 783 haben ein E-Kennzeichen.
  • RE gibt aber auf Wunsch der Halter auch einige E-Fahrzeuge ohne E-Kennzeichen.
  • Die meisten Elektrofahrzeuge gibt es in Unna (158), Lünen (123) und Kamen (62).

Kaufland habe auch eine recht großzügige Rad-Abstellanlage gebaut, damit die Kunden erst gar nicht mit dem Auto kommen müssen, lobt er.

Raupach setzt beim Ausbau der Elektro-Tankstellen auch auf die Lage der Stadt an der Schnittstelle der beiden Autobahnen A1 und A2. Wie er berichtet, gibt es einen niederländischen Unternehmer, der in Deutschland Fuß fassen will und in Bergkamen in der Nähe der Autobahn eine geeignete Fläche für eine große E-Tankstelle sucht.

Der Pendlerparkplatz an der A2-Aufahrt wäre ein möglicher Standort. Es müsste allerdings genügend Platz vorhanden sein. „Es ist sinnvoll, dass es auch einen Kiosk gibt“, sagt der Umweltbeauftragte.

Um die Ansiedlung von E-Tankstellen zu fördern, weil er auch einen Plan erarbeiten, wo es geeignete Stellen für eine Elektro-Tankstelle gibt. Dafür bieten sich auch die großen öffentlichen Parkplätze wie am Wellenbad an.

Dann muss Raupach nur noch die Bergkamener Autofahrer überzeugen, sich ein E-Auto zu kaufen, das sie dort betanken können.

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